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Zeckenstich – das solltest du wissen

Dass es ein Zeckenstich in sich hat, zeigt sich anhand der Borreliose- und FSME-Infektionen in Deutschland. Ihre Zahl stieg 2020 auf ein Rekordniveau. Fachleute befürchten, dass dieser Trend sich fortsetzt.

Ein Zeckenstich und seine Folgen

Klimawandel, Corona-Pandemie und Lockdown fördern Zeckenstiche? Zumindest scheint es da Zusammenhänge zu geben. Nach Informationen der Stuttgarter Universität Hohenheim haben sich im vergangenen Jahr so viele Menschen wie noch nie mit einer Krankheit infiziert, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Insbesondere die Zahl der Frühsommer-Meningoenzephalitis-Fälle (FSME) hat sich mit über 700 im Vergleich zu 2019 fast verdoppelt. FSME und Borreliose sind zwei typische Krankheiten, die von Zecken übertragen werden und gefährlich verlaufen können.

Gründe für Krankheitsanstieg

Zeckenforscherinnen und -forscher vermuten, dass die höheren Zahlen daher kommen, dass sich im Lockdown mehr Menschen in Wald und Wiese aufgehalten haben als in anderen Jahren. Gleichzeitig beginnt die Zeckensaison durch Klimawandel und milde Witterung inzwischen früher und endet später. Theoretisch kann man sich so fast ganzjährig einen Zeckenstich einfangen. Und das auch von tropischen Zecken: Denn mittlerweile haben neue Zeckenarten aus wärmeren Gefilden bei uns in Deutschland Fuß gefasst.

Wie äußert sich Borreliose?

Die so genannte Lyme-Borreliose wird durch Bakterien übertragen. Je schneller die Zecke gezogen wird, desto größer die Chance, sich nicht zu infizieren. Ein erstes Anzeichen der Erkrankung ist in 50 Prozent aller Fälle die sogenannte Wanderröte. Dann breitet sich um die Einstichstelle ein großer, runder Hof aus. Manchmal kommt es auch zu Fieber und Gliederschmerzen.

Wird Borreliose rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, heilt die Krankheit aus. Sonst kann es nach Wochen und Monaten zu Nervenschmerzen, Sehstörungen, gestörtem Geschmacks- und Geruchssinn, Lähmungserscheinungen, Glieder-, Nacken- und Kopfschmerzen, Gehirn-, Hirnhaut- und Herzmuskelentzündung kommen. Langzeitfolgen können chronische Gelenkschmerzen und Hautveränderungen sein.

Wie äußert sich FSME?

FSME wird durch Viren übertragen. Das heißt, bei dieser Krankheit helfen Antibiotika nicht. Es gibt aber eine Impfung. Bei FSME kommt es 7 bis 14 Tage nach dem Zeckenstich zu grippeähnlichen Symptomen mit leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Für etwa zwei Drittel der Patienten ist der Spuk damit vorbei. Ein Drittel hat eine beschwerdefreie Phase von wenigen Tagen. Anschließend kann sich dann jedoch eine Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarkentzündung entwickeln, mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Nackensteife und hohem Fieber.

Krankheiten und Risikogebiete

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht regelmäßig den aktuellen Stand zu den von Zecken übertragenen Krankheiten und den FSME-Risikogebieten in Deutschland. In diesen Regionen wird eine FSME-Impfung besonders empfohlen. 

Zeckenstich – was tun?

Hat eine Zecke gestochen und sich festgesaugt, ist es wichtig, sie schnell zu entfernen. Denn je länger die Zecke feststeckt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren. Die Zecke dabei nicht drücken, sonst sondert sie Speichel ab. Darin befinden sich Krankheitserreger. Greif die Zecke möglichst dicht über der Haut, hebel sie hin und her und zieh sie heraus. Das geht mit einer speziellen Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte. Anschließend sollte die Stichstelle mit einem Wundspray desinfiziert werden.

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Zeckenstich beobachten

Wenn du in den nächsten Tagen bemerkst, dass der Stich sich rötet und ausbreitet – Wanderröte – oder du Fieber bekommst, such deinen Arzt beziehungsweise deine Ärztin auf. Sicher ist sicher. Eine Wanderröte kann aber auch noch Wochen später auftreten. Deshalb macht es Sinn, sich das Datum zu notieren, an dem man von einer Zecke gestochen wurde.

Zecken-Check

Klar, Hysterie ist bei Zecken nicht angebracht. Du kannst dich aber mit ganz einfachen Dingen vor ihnen schützen, wenn du dich in Feld, Wald und Wiese aufhältst.

  • Kleidung: Bei entsprechender Witterung verhüllen festes Schuhwerk, lange Hosen und Ärmel sowie eine Mütze die von Zecken bevorzugten Hautpartien.
  • Glatte Stoffe: Zecken finden dadurch weniger Halt. Auf heller Kleidung sieht man die kleinen Pünktchen besser als auf dunkler.
  • Zeckenschutzmittel: Bei unbedeckten Hautpartien helfen Zecken abwehrende Mittel. Manche dieser Produkte können Allergien auslösen oder schützen nur wenige Stunden. Infos zu passenden Produkten bietet zum Beispiel die Stiftung Warentest
  • Such dich nach jedem Aufenthalt im Freien sorgfältig nach Zecken ab – auch auf dem Kopf, im Nacken, hinter den Ohren und im Genitalbereich, denn dort sind die Zecken besonders schlecht zu finden.
  • Schau auch in der Hosennaht oder den Strümpfen nach, manchmal machen Zecken es sich darin bequem.

Übrigens: Welche Mythen so durch die Welt geistern und wie ihr Wahrheitsgehalt aussieht, haben wir in einem Myth-Buster zum Thema Zecken unter die Lupe genommen.

Zeckenforschung

Die Universität Hohenheim erforscht Zecken in all ihren Facetten – auch die neuen Zeckenarten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten nun herausfinden, welche Krankheitserreger die neuen Zeckenarten wie beispielsweise die Hyalomma-Zecke übertragen. Dabei kannst du mithelfen, indem du „verdächtige“ Zeckenbefunde meldest. Mehr Infos dazu bekommst du auf den Seiten der Universität Hohenheim.