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Welt-AIDS-Tag 2020: Leben mit dem Virus

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Seit 1988 machen Gesundheitsorganisationen und Verbände an diesem Tag auf die Situation von Menschen mit HIV und AIDS aufmerksam. Während die Krankheit in den 1980er-Jahren weltweit noch Angst und Schrecken verbreitete, ist heute dank moderner Therapien ein normales Leben mit HIV möglich.

HIV gestern und heute

Was viele Menschen immer noch nicht wissen: Menschen mit HIV haben heute die gleiche Lebenswertwartung wie Menschen ohne HIV. Im Gegensatz zu den 1980er-Jahren, in denen die Diagnose einem Todesurteil gleichkam, ist die Infektion heute gut behandelbar. Mit Medikamenten können Betroffene ein völlig normales Leben führen. Und unter der HIV-Therapie ist das Virus auch nicht mehr übertragbar.

Normales Leben, aber Angst vor Diskriminierung

Doch wie sieht die Situation der Betroffenen tatsächlich aus? Wie erleben sie ihren Alltag? Das wollten das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) und die Deutsche Aidshilfe (DAH) wissen. Sie haben im Rahmen des Forschungsprojekts „positiv stimmen 2.0“ insgesamt 935 HIV-positive Menschen zu ihrer Situation befragt.

90 Prozent der Betroffenen gaben an, körperlich gut mit dem Virus leben zu können. Mehr als die Hälfte fühlte sich jedoch durch die gesellschaftliche Stigmatisierung der HIV-Infektion in ihrem Leben beeinträchtigt. Das hat zur Folge, dass sich knapp drei Viertel der Befragten nicht oder nur selten gegenüber anderen offenbaren.

Der Welt-AIDS-Tag bietet die Möglichkeit, mit Aufklärungskampagnen und Aktionen Diskriminierung und Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Welt-AIDS-Tag – ein Rückblick

Wer die 80er Jahre bewusst erlebt hat, erinnert sich: Eine bis dahin unbekannte Krankheit tauchte auf. Betroffene litten plötzlich unter einer Schwächung des Immunsystems und starben an schweren Infektionen wie Lungenentzündungen. Es dauerte einige Zeit, bis der Grund für die Krankheit gefunden wurde. Der Auslöser war ein Virus, das den Namen „Humanes Immundefiziens-Virus“, kurz HIV, erhielt.

Wurde das Virus durch einen Bluttest nachgewiesen, galten Betroffene als „HIV-positiv“. Erst mit Ausbruch der Krankheit sprach die Fachwelt vom „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, kurz „AIDS“. Das ist bis heute so geblieben. In der Zwischenzeit ging HIV um die Welt: Seit Beginn der HIV-Epidemie sind rund 32,7 Millionen Menschen an den Folgen der Infektion gestorben, die meisten davon in Afrika.

Warum gibt es den Welt-AIDS-Tag?

Bereits 1988 hat die Weltgesundheitsorganisiation (WHO) den 1. Dezember zum Welt-AIDS-Tag ausgerufen. Seit 1996 läuft er unter dem gemeinsamen Programm UNAIDS der Vereinten Nationen. Hauptanliegen ist, über die Gefahren einer HIV-Infektion aufzuklären und zu zeigen, wie man sich dagegen schützen kann.

Der Welt-AIDs-Tag bietet zudem eine gute Gelegenheit, auf die Situation von Menschen mit HIV und AIDS aufmerksam zu machen. Das soll dazu beitragen, ihre medizinische und persönliche Situation zu verbessern und gesellschaftliche Vorurteile abzubauen. Zum Sinnbild für ein solidarisches Miteinander und gegen die Diskriminierung von infizierten oder erkrankten Menschen ist die rote Schleife geworden.

Deutschlandweite Aktionen am Welt-AIDS-Tag werden übrigens von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Stiftung und der Deutschen Aidshilfe initiiert.

Kampagne #wissenverdoppeln

Die Deutsche Aidshilfe hat 2018 die Kampagne #wissenverdoppeln gestartet, um möglichst viele Menschen darüber zu informieren, dass HIV nicht mehr übertragen wird, wenn Betroffene eine entsprechende Medikamente erhalten. HIV-positive Menschen erzählen darin ihre eigene Geschichte. Dass diese Aufklärungsarbeit Früchte trägt, zeigt sich daran, dass 2017 bei einer Umfrage nur zehn Prozent der Befragten wussten, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist. 2018 waren es bereits 18 Prozent.

Da ist noch jede Menge Luft nach oben. Deshalb soll die Aufklärungskampagne auch am Welt-AIDS-Tag weitergehen.

Wie wird HIV übertragen?

Das HI-Virus ist schwer übertragbar. Im alltäglichen Miteinander besteht generell kein Risiko. Es wird auch nicht durch Küssen, Berührungen oder die Benutzung von sanitären Anlagen übertragen!

Die größte Ansteckungsgefahr besteht nach wie vor

  • bei ungeschütztem Sex, vor allem beim Vaginal- und Analverkehr oder
  • durch Drogenkonsum, wenn Spritzen oder Nadeln von mehreren Menschen benutzt werden.

Ist AIDS heilbar?

Heilbar ist die Krankheit nicht. Aber sie lässt sich mit entsprechenden Medikamenten inzwischen gut behandeln. Der Zugang zu einer antiviralen Therapie ist in Deutschland bei rund 96 Prozent der HIV-Infizierten gegeben. Weltweit liegen die Zahlen jedoch deutlich niedriger.

In Deutschland leben derzeit übrigens rund 90.700 Menschen mit dem Virus. 2019 haben sich nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 2.900 Menschen neu mit HIV infiziert.

Wie die verschiedenen Stadien einer HIV-Infektion ohne Therapie ablaufen, hat die Deutsche Aidshilfe zusammengefasst.