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Gesundheitscheck und Vorsorgeuntersuchung nicht aufschieben

Aus Angst vor einer Ansteckung gehen viele Menschen aktuell nicht zum Arzt. Vor allem Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitschecks werden aufgeschoben. Dabei gelten Arztbesuche hierzulande als sicher. Zudem ist die Vorsorge wichtig, um Krankheiten frühzeitig zu entdecken und zu behandeln.

Aktuell sind in Deutschland notwendige Arztbesuche wieder uneingeschränkt möglich und werden von Patienten auch entsprechend genutzt. Allerdings gehen wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger Menschen zur Vorsorgeuntersuchung. Das zeigt eine aktuelle Befragung des COVID-19 Snapshot Monitorings (COSMO) der Universität Erfurt.

Danach haben seit März elf Prozent der Befragten eine Untersuchung zur Krebsfrüherkennung verschoben. Besonders zögerlich war hier die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen. Der Gesundheitscheck beim Hausarzt wurde von 16 Prozent der Befragten vertagt, 22 Prozent haben ihre Vorsorge- und Kontrolltermine beim Zahnarzt verlegt.

Warum die Patientinnen und Patienten nicht zum Arzt gegangen sind, haben die Erfurter Wissenschaftler nicht abgefragt. Sie gehen jedoch davon aus, dass die Angst vor einer Ansteckung in der Arztpraxis mit ein Grund dafür war.

Vorsorgeuntersuchung und Früherkennung sind wichtig

In Deutschland gibt es eine Reihe von Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs sowie regelmäßige Gesundheitschecks, deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. Diese Untersuchungen sollen helfen, Krankheiten frühzeitig zu entdecken und zu behandeln.

Professor Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), spricht sich deshalb auch ganz klar dafür aus, Früherkennungsuntersuchungen auch in Zeiten der Pandemie konsequent wahrzunehmen.

Welche Vorsorgeuntersuchung in welchem Alter?

  • Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren: einmaliger, allgemeiner Gesundheitscheck beim Hausarzt
  • Frauen ab 20 Jahren: jährliche Untersuchung zur Früherkennung von Veränderungen im äußeren Genitalbereich, der Gebärmutter und der Eierstöcke.
  • Frauen ab 30 Jahren: zusätzlich zur Krebsvorsorge beim Frauenarzt eine jährliche Brustuntersuchung
  • Frauen ab 35 Jahren: alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, bestehend aus HPV-Test und einer Untersuchung der Gebärmutterhalszellen (PAP-Test)
  • Frauen und Männer ab 35 Jahren: alle drei Jahre ein allgemeiner Gesundheitscheck beim Hausarzt mit Blutdruckmessung, Blutproben zur Ermittlung der Blutzucker- und Cholesterinwerte, Urinuntersuchung sowie einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt.
  • Frauen und Männer ab 35 Jahren: alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening
  • Männer ab 45 Jahren: jährliche Untersuchung der Genitalien und der Prostata zur Früherkennung von Prostata- oder Hodenkrebs
  • Frauen ab 50 Jahren: jährlicher Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl zur Früherkennung von Darmkrebs; ab 55 Jahren: wahlweise alle zwei Jahre Schnelltest oder zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren
  • Männer ab 50 Jahren: jährlicher Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl zur Früherkennung von Darmkrebs oder wahlweise zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren; ab 55 Jahren: alle zwei Jahre
  • Frauen ab 50 bis 69 Jahren: alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs
  • Männer ab 65 Jahren: einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Aneurysmen der Bauchschlagader

Änderung bei den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder

Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft oder die U-Untersuchungen für Kinder sollten ebenfalls regulär wahrgenommen werden.

Allerdings wurden bei den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder U6 bis U9 die festgelegten Intervalle vorrübergehend ausgesetzt. Das heißt, Eltern können diese Untersuchungen mit ihren Kindern zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Diese Regelung gilt voraussichtlich bis 30. September 2020.

Auch die Vorsorge beim Zahnarzt zählt

Für Verunsicherung hat vor wenigen Wochen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesorgt. Sie hat empfohlen, Routine- und Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt sowie professionelle Zahnreinigungen erst einmal zu verschieben, bis die Übertragungsrate von Covid-19 gesunken ist. Mit dieser Empfehlung will die WHO vor allem Zahnärzte und zahnmedizinisches Personal schützen, die aufgrund der Übertragung des Corona-Virus über Aerosole besonders infektionsgefährdet sind. Laut Bundeszahnärztekammer (BZÄK) handelt es sich dabei aber um eine globale Empfehlung, die für Deutschland aktuell nicht zutrifft.

Die BZÄK weist darauf hin, dass in deutschen Zahnarztpraxen sehr strenge Hygienevorschriften gelten und kein erhöhtes Infektionsrisiko für Patienten, Behandler und Team bestehe, wenn diese ihre persönliche Standard-Schutzausrüstung wie gewohnt korrekt nutzen.

Ein Zahnarztbesuch gilt also auch in Corona-Zeiten als sicher. Für die Zahngesundheit ist die Vorsorge auch zwingend notwendig. Denn werden Karies, Parodontose und Co. frühzeitig entdeckt, können diese schneller behandelt werden, ohne dass gravierende Schäden an Zähnen oder Zahnfleisch entstehen.

Bonus für Zahnersatz sichern!

Wichtig ist der Zahnarztbesuch auch für den Bonusanspruch bei Zahnersatz. Um diesen zu erhalten müssen

  • Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zweimal im Jahr und
  • Erwachsene einmal im Jahr zur Zahn-Vorsorge.

Für jeden Besuch gibt es einen Stempel ins Bonusheft. Wer mindestens fünf oder zehn Jahre ununterbrochen jedes Jahr zum Zahnarzt geht, der erhöht damit den Festzuschuss zum Zahnersatz um 20 bzw. 30 Prozent.

Wichtig zu wissen: Kinder und Jugendliche, die aufgrund der besonderen Situation in der ersten Hälfte des Jahres nicht beim Zahnarzt waren, verlieren dadurch nicht ihren Bonusanspruch. Das hat der Spitzenverband Bund der Krankenkassen im Juli entschieden. Der Stempel kann in der zweiten Jahreshälfte nachgetragen werden, sofern dann ein Zahnarztbesuch stattfindet. Für Erwachsene gilt diese Regelung nicht – sie müssen in 2020 zum Zahnarzt, um den Bonusanspruch aufrecht zu halten.