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Umfrage: Deutlich mehr Scheidungen

Scheidung wegen Corona? Für viele Ehen waren Lockdown, Homeoffice und Co. wohl der letzte große Beziehungstest. Sie stehen aktuell vor dem Aus.

Pandemie als Scheidungsgrund

Viele von uns haben wegen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Wochen viel mehr Zeit mit der Partnerin oder dem Partner verbracht als sonst. Einige Paare haben das genossen, für andere waren Lockdown und „Wir bleiben zu Hause“ eine echte Belastungsprobe. Für manche Partnerschaft war die Pandemie vielleicht sogar der ultimative Stresstest.

Das legt zumindest eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey nahe. Danach könnte hierzulande die Zahl der Scheidungen wegen Corona um das Fünffache steigen. Für die Erhebung wurden Anfang Juni 2.500 verheiratete Menschen befragt.

2,2 Prozent der Befragten gaben an, während den Corona-Einschränkungen von Ende März bis Ende Mai die Entscheidung getroffen zu haben, sich scheiden zu lassen. Laut Statistischem Bundesamt waren es in einem vergleichbaren Zeitraum (Zwei-Monats-Durchschnitt im Jahr 2018) nur 0,42 Prozent.

Zwei Gruppen von Scheidungswilligen

Nicht nur die Ergebnisse der Umfrage, auch die stark erhöhte Nachfrage in den Rechtsanwaltskanzleien ließen den Schluss zu, dass die Scheidungsrate durch Corona stark steigen könnte, sagt Alicia von Rosenberg, Familienrechtlerin aus Berlin. Ihre Kanzlei hat die Befragung in Auftrag gegeben.

Nach Einschätzung der Juristin teilen sich die Scheidungswilligen aktuell in zwei Gruppen:

  1. Paare, bei denen die besondere Situation bereits bestehende Konflikte verschärft hat.
  2. Paare, die bereits länger getrennt sind und durch das erzwungene Innehalten nun ihre Verhältnisse ordnen und mit dem Kapitel Ehe abschließen möchten.

„Doch die Corona-Pandemie ändert nichts an den gesetzlichen Voraussetzungen einer Scheidung“, sagt Rosenberg. Selbst wenn sich die Eheleute weitgehend einig seien, werde die Ehe immer von einem Familiengericht geschieden.

Scheidung wegen Corona: gegen den Trend

Die aktuelle Entwicklung „Scheidung wegen Corona“ steht übrigens im Gegensatz zum generellen Trend bei den Scheidungszahlen. Die gehen laut Statistischem Bundesamt hierzulande nämlich zurück.

148.066 Ehepaare wurden 2018 richterlich geschieden, 2017 waren es noch 153. 501. Die Dauer der Ehe bis zur Scheidung betrug 2018 durchschnittlich 14,9 Jahre. Männer waren im Schnitt 46,7 Jahre alt, als sie sich scheiden ließen. Bei den Frauen lag das Durchschnittsalter bei 43,9 Jahren.


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