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Trennung – und wo bleiben die Kinder?

Abwechselnd bei beiden Eltern wohnen – das Wechselmodell nach einer Trennung leben in Deutschland nur etwa fünf Prozent aller Familien. Dabei scheint es für die Kinder genauso gut zu sein wie das Residenzmodell, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Trennung tut weh

Rund 75.000 Kinder und Jugendliche waren allein 2019 von der Trennung ihrer Eltern betroffen.Wenn Familien auseinander brechen, leiden Kinder häufig am meisten. Nicht selten geraten sie zwischen die Fronten, wenn die Eltern sich nicht „gütlich“ einigen können. Loyalitätskonflikte sind dann vorprogrammiert. Der Verlust des gewohnten Zuhauses und neue Regeln, wann sie Mama oder Papa in Zukunft sehen werden, müssen von den Kindern erst einmal bewältigt werden. Eltern müssen entscheiden, bei wem die Kinder wann wohnen und wie viel Zeit sie mit dem jeweils anderen Elternteil verbringen werden. Keine leichte Aufgabe.

Wechselmodell besser als sein Ruf

Eine aktuelle Studie der Universitäten Duisburg-Essen und Marburg kommt jetzt zu einem überraschenden Ergebnis: Kinder, deren Eltern sich nach der Trennung für ein Wechselmodell entschieden haben, gehe es mindestens genauso gut oder womöglich noch ein bisschen besser als Kindern, die im Residenzmodell lebten. Das gelte vor allem für die Altersgruppen der 7- bis 14-Jährigen. Allerdings scheint sich das so genannte asymmetrische Wechselmodell, bei dem beide Eltern mindestens 30 Prozent ihrer Zeit mit den Kindern verbringen, besonders positiv auf das Kindeswohl auszuwirken. Für ihre Studie zu „Familienmodelle in Deutschland“ haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 1.233 betroffene Familien zu ihrer Situation befragt.

Die Beziehung entscheidet

Damit Kinder sich wohl und geborgen fühlen, müssen jedoch auch beide Elternteile gut mit der Situation umgehen können, so die Quintessenz der Studie. „Unser Befund ist klar: Das Wechselmodell funktioniert mindestens genauso gut wie das bisher vorherrschende Residenzmodell“, stellt Anja Steinbach, Professorin für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen fest. „Es ist aber kein Patentrezept, das sich in jeder Trennungssituation als erste Wahl aufdrängt. Viel hängt vom Verhältnis der Eltern ab, insbesondere inwieweit es ihnen gelingt, ihre Konflikte von den Kindern fernzuhalten und sich einvernehmlich über die Betreuung zu verständigen.“

Hintergrund Familie

Wie sieht Familie derzeit in Deutschland aus?
Hier ein paar interessante Zahlen:

  • Kernfamilien: In der klassischen Mutter-Vater-Kind(er)-Konstellation lebt heute immer noch die überwiegende Mehrheit von 71 Prozent in Deutschland.
  • Alleinerziehende bzw. Ein-Eltern-Familie: Rund 15 Prozent leben dieses Familienmodell.
  • Als Stieffamilien/Patchworkfamilien gelten 13,5 Prozent.
  • Gleichgeschlechtliche Familien sind mit 0,4 Prozent vertreten.
  • Adoptiv- und Pflegefamilien mit 0,1 Prozent.

Bestätigung der Rechtspraxis

Professor Tobias Helms, Rechtswissenschaftler an der Universität Marburg, sieht die Studie im Grunde als Bestätigung der bisherigen Herangehensweise im Scheidungsfall. Könnten Eltern sich nicht einigen, „hat der Richter das Wechselmodell als eine ernsthaft in Betracht kommende Option in Erwägung zu ziehen. Eine vorzugsweise heranzuziehende Lösung ist das Wechselmodell jedoch nicht.“ Ausschlaggebend, so der Wissenschaftler, sei immer das Wohl des konkret betroffenen Kindes.

Stress in der Familie?

Bevor Konflikte innerhalb der Familie eskalieren und totale Uneinigkeit herrscht, solltet ihr euch besser professionelle Hilfe von außen holen.

  • pro familia wurde 1952 in Kassel gegründet und ist heute die größte nichtstaatliche Organisation für Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerschaftsberatung in Deutschland.
  • Auch die Kirchen bieten Ehe- und Familienberatungen an, zum Beispiel die Caritas oder die Diakonie.
  • Infos zu staatlichen Leistungen bietet das Familienportal des Bundesfamilienministeriums.