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Neue Daten aus Schweden belegen Wirkung der HPV-Impfung

Impfen schützt vor einer Infektion mit gefährlichen humanen Papillomviren (HPV). Das belegen aktuelle Daten aus Schweden. Danach erkranken Frauen, die als Jugendliche eine HPV-Impfung erhalten haben, nur noch selten an Gebärmutterhalskrebs.

Was ist eigentlich HPV?

Die Abkürzung HPV steht für humane Papillomviren. Dahinter verbirgt sich eine Gruppe von weitverbreiteten Krankheitserregern. Sie können Geschlechtskrankheiten verursachen und sich durch Warzen auf der Haut und im Genitalbereich bemerkbar machen. Viele Menschen haben sich schon mal mit HPV infiziert – ohne es zu wissen. Denn das Immunsystem sorgt in der Regel dafür, dass eine HPV-Infektion unbemerkt und ohne Beschwerden ausheilt.

Das ist jedoch nicht immer der Fall. Denn einzelne Virustypen können zu Zellveränderungen führen, die als Vorstufen von Krebs (Karzinom) gelten. Bei Frauen kann sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickeln. In selteneren Fällen können die Viren auch andere Krebsformen auslösen.

Wie steckt man sich mit HPV an?

Humane Papillomviren werden durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, vor allem beim Sex. Theoretisch ist auch eine Übertragung über infizierte Gegenstände (zum Beispiel Handtücher oder Sexspielzeug) möglich.

Um sich mit HPV anzustecken, genügen bereits kleine Mengen Körperflüssigkeit. Kondome können das Infektionsrisiko verringern, schützen aber nur den Schleimhaut- oder Hautbereich, den sie abdecken. Den besten Schutz bildet daher die HPV-Impfung.

Deutlich weniger Krebs durch HPV-Impfung

Die Wirkung der HPV-Impfung belegt jetzt erneut eine Auswertung der schwedischen Gesundheits- und Bevölkerungsregister mit den Daten von über 1,6 Millionen Mädchen und Frauen aus den Jahren 2006 bis 2017. Die Ergebnisse wurden Ende September im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ publiziert. Sie zeigen: Frauen, die als Jugendliche eine HPV-Impfung erhalten haben, erkranken nur noch selten an Gebärmutterhalskrebs. Und wenn doch, dann wahrscheinlich vor allem an Virustypen, die im Impfstoff nicht enthalten sind.

  • Von 518.319 Frauen, die vor dem 18. Geburtstag geimpft wurden, erkrankten insgesamt nur 19 an Gebärmutterhalskrebs.
  • Von 528.347 Frauen ohne Impfung erkrankten dagegen 538 Frauen. Das sind beinahe dreißigmal so viel.

„Die Daten bestätigen, was seit vielen Jahren zum Beispiel aus Australien bekannt ist: Die HPV-Impfung schützt vor einer Infektion mit den gefährlichsten humanen Papillomviren. Sie schützt auch vor den Krebsvorstufen“, kommentiert der Präsident des Berufverbandes der Frauenärzte, Dr. Christian Albring, die Ergebnisse in einer Pressemeldung. „Kritiker behaupteten trotzdem immer wieder, dass Krebserkrankungen selbst vielleicht gar nicht seltener würden. Diese Bedenken sind nun eindeutig widerlegt.“

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. 2017 wurden in Deutschland 14.509 Frauen mit der Diagnose Gebärmutterhalskrebs im Krankenhaus behandelt. Die Zahl veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltkrebstag am 4. Februar 2020. Fast die Hälfte der betroffenen Patientinnen war zwischen 45 und 65 Jahre alt.

Insgesamt starben zwischen 2007 und 2017 durchschnittlich 1.570 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs. Das sind 1,5 Prozent der an Krebs verstorbenen Frauen. Zum Vergleich: Brustkrebs ist bei Frauen mit einem Anteil von 19 Prozent die häufigste Krebserkrankung mit Todesfolge.

HPV-Impfung schützt Mädchen und Jungen

Experten sind sich einig, dass idealerweise schon im Kindesalter gegen HPV geimpft wird. So empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO), Kinder im Alter zwischen 9 und 14 Jahren zu impfen. Der Grund: Das Impfschema sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Denn nur dann besteht ein zuverlässiger Schutz.

Seit geraumer Zeit empfiehlt die STIKO, auch Jungen gegen HPV impfen zu lassen. Sie können zwar selbst nicht an Gebärmutterhalskrebs erkranken, aber die entsprechenden Viren übertragen. Außerdem stellen einige Virentypen auch für die Männer ein Risiko dar. So können sich bei ihnen Penis- und Analkarzinome als Folge einer HPV-Infektion bilden. Auch einige Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum stehen mit HPV im Zusammenhang.

Eltern sollten die HPV-Impfung als sinnvolle und unerlässliche Vorsorge für die Gesundheit ihrer Kinder ansehen, so Albring. „Die Impfung gegen Krebs ist keine Pflicht. Aber sie ist ein Must-have“.

Die HPV-Impfung wird sowohl von Kinderärzten als auch von Frauenärzten durchgeführt. Bis zum 18. Geburtstag übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung.