Kategorien
News

Studie: Wie Corona unser Ernährungsverhalten verändert

Hat sich durch Corona-Krise unser Einkaufs- und Ernährungsverhalten verändert? Dieser Frage gehen Forscher der Universität Göttingen in einer aktuellen Studie nach. Erste Ergebnisse zeigen: Wir kaufen preisbewusster ein und achten mehr auf Nachhaltigkeit.

Göttinger Wissenschaftler untersuchen Ernährungsverhalten

Forscherinnen und Forscher der Georg-August-Universität Göttingen untersuchen seit Mitte April in einer deutschlandweiten Konsumentenbefragung, wie sich die Corona-Pandemie auf unser Einkaufs- und Ernährungsverhalten auswirkt. Dafür befragten sie online 603 Menschen – das erste Mal im April während des Lockdowns und das zweite Mal Mitte Juni. Zu diesem Zeitpunkt waren die Infektionszahlen vergleichsweise gering und es gab diverse Lockerungen. In Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildung und regionale Verteilung stellt die Auswahl der Befragten einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung dar.

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Göttinger Konsumentenbefragung zum Einkaufs-, Koch- und Ernährungsverhalten:

1. Mehrheit der Befragten achtet auf den Preis

Erste Ergebnisse der zweiten Befragungswelle Mitte Juni zeigen, dass die Verbraucherinnen und Verbrauchern durch die Corona-Krise ein gesteigertes Preisbewusstsein entwickelt haben:

  • 28 Prozent der Befragten gaben an, während der Corona-Pandemie mehr Geld für Essen auszugeben. 
  • 40 Prozent der Befragten gaben an, vermehrt auf Sonderangebote zu achten.
  • 30 Prozent der Befragten gaben an, vermehrt günstige Lebensmittel einzukaufen.

„Eine mögliche Erklärung ist die Verschiebung vom Außer-Haus-Konsum in den Haushaltsbereich, weshalb viele Menschen stärker wahrnehmen, mehr Geld beim Lebensmittelkauf auszugeben“, kommentiert Dr. Gesa Busch, Erstautorin der Studie, die Zahlen.

2. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema

Was sich in beiden Befragungswellen zeigt: Während der Corona-Krise wurden die Themen Nachhaltigkeit und Lebensmittel aus der Region für die Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig. Inwieweit sich das mit dem inzwischen gestiegenen Preisbewusstsein vereinbaren lässt, bleibt abzuwarten. Ein Drittel der Befragten gab jedenfalls an, dass sie für heimische Lebensmittel mehr bezahlen würden. Eine gesteigerte Produktion in der heimischen Landwirtschaft ist für sie auch wichtig, um in Krisenzeiten besser aufgestellt zu sein.

3. Viele Befragte essen gesünder

Über 60 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht grundlegend anders zu ernähren als vor der Pandemie. Dennoch lässt sich ein Trend zu einer gesünderen Ernährungsweise feststellen:

  • Rund ein Drittel der Befragten isst mehr frisches Gemüse und Obst.
  • Etwa ein Viertel gibt an, weniger Fleisch und Wurst zu verzehren als vor der Pandemie.
  • Insgesamt ernähren sich 20 Prozent der Befragten aktuell gesünder.

4. Es wird nicht mehr so häufig gekocht

Im Vergleich zur Befragung während des Lockdowns im April wurde im Juni wieder weniger gekocht – etwa genauso häufig wie vor der Pandemie. Dennoch: Über 70 Prozent der Befragten stellen sich regelmäßig selbst an den Herd. Fertiggerichte werden dabei eher selten verwendet. „Überraschend war zudem, dass trotz der Erfahrung leerer Supermarktregale zu Beginn der Pandemie nur etwa 44 Prozent der Befragten Haushaltsvorräte für mindestens zehn Tage zu Hause haben“, berichtet Dr. Gesa Busch.

Checkliste für euren Lebensmittelvorrat

Um nicht jeden Tag in den Supermarkt zu müssen ist es sinnvoll, einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln im Haus zu haben. Unsere Vorrats-Checkliste hilft – und ist zudem garantiert hamsterfrei. Und wenn ihr nicht wisst, was ihr mit euren Vorräten kochen sollt, stöbert doch mal in unseren Rezepten.

5. Nur wenige gehen auswärts essen

Bei der Befragung im Juni wurden außerdem Lieferdienste für Lebensmittel abgefragt. Hier liegen Liefer- und Abholservices von Restaurants vorn. Etwa ein Viertel der Befragten nutzen diese Angebote. 

Sehr zurückhaltend waren die Befragten im Juni hingegen noch beim Thema Essen gehen. Hier zeigte sich, dass erst ein Drittel wieder auswärts essen war. Gründe hierfür sind die Hygienemaßnahmen und das Hinterlassen von Namen und Adressen. Allerdings hält es die Hälfte der Befragten für wichtig, die Gastronomie zu unterstützen. „Insgesamt zeichnet sich eine schwierige Zukunft insbesondere für die klassische Gastronomie ab“, sagt Professor. Dr. Achim Spiller, Leiter der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen.

6. Schlechtes Image der Fleischwirtschaft

„Für die Fleischwirtschaft verdeutlicht unsere Studie allerdings noch stärkere Krisenanzeichen“, so Spiller. Die Corona-Ausbrüche in fleischverarbeitenden Betrieben haben auf die dortigen Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht. Die Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen diese in der Befragung durchweg als negativ ein.