Kategorien
News

Auf den Hund gekommen: Spürhunde erschnüffeln Corona-Infektion

Finnland setzt erstmals Spürhunde ein, um beim Menschen eine Infektion mit Corona nachzuweisen. Auch in Deutschland werden die ersten Hunde ausgebildet. Mit den Tieren sollen Corona-Infektionen noch schneller erkannt und die Ausbreitung des Virus verhindert werden.

Hunde erkennen Corona schneller als jeder Corona-Test

Hunde gehören zu den Super-Nasen im Tierreich. Circa 230 Millionen Riechzellen in der Nase ermöglichen ihnen eine unglaubliche Riechfähigkeit. Sie können Duftspuren über große Strecken verfolgen, Substanzen erschnüffeln oder Krankheiten beim Menschen erkennen. Kein Wunder also, dass sie als Spürhunde in der Drogenfahndung, zur Kampfmittelerkennung oder als Warnhund für Diabetiker oder Epileptiker eingesetzt werden. Am Flughafen in Helsinki wurden nun erstmals Spürhunde genutzt, um ankommende Passagiere zu identifizieren, die am Corona-Virus erkrankt sind. Vorteil: Die Tiere erschnüffeln die Infektion nach wenigen Sekunden – und sind damit schneller als jeder Corona-Test, dessen reiner Labornachweis circa vier bis fünf Stunden dauert.

Zudem sind die vierbeinigen Schnüffler auch noch extrem exakt: Vorversuche der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Helsinki haben gezeigt, dass Hunde das Virus mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit riechen können. Sogar Tage bevor erste Symptome auftreten. Hunde benötigen lediglich 10-100 Moleküle, um das Virus zu identifizieren. Für einen Polymerase-Ketten-Reaktions-Test (PCR) sind 18 Millionen Moleküle erforderlich.

Start mit vier Hunden in Helsinki

Ausgebildet wurden die finnischen Corona-Spürhunde von der Nose Acadamy Oy, die zudem der DogRisk-Forschungsgruppe der Universität Helsinki angehört. „Wir haben zehn Hunde, die zuverlässig in der Flughafenumgebung arbeiten können“, so Susanna Paavilainen, Forschungskoordinatorin der Universität Helsinki und Vorsitzende der Nose Acadamy.

Die meisten Hunde haben bereits einen Geruchshintergrund. Sie können also einen oder mehrere Gerüche erkennen und suchen. Zusätzlich zum Geruch des Corona-Virus werden sie nun für das Verhalten am Flughafen geschult. Gestartet ist das Pilotprojekt aber erst einmal mit vier Hunden, die in Schichten arbeiten. „Hunde müssen sich von Zeit zu Zeit ausruhen. Während zwei arbeiten, machen die anderen beiden eine Pause“, erklärt Paavilainen.

Schweiß statt Rachenabstrich

Die Teilnahme am Corona-Test mit einem Hund ist aktuell freiwillig und richtet sich vorwiegend an Passagiere, die aus dem Ausland einreisen. Für die Tests kommen die Passagiere mit den Tieren nicht in Kontakt. Stattdessen wischen sie sich mit einem Tuch über die Haut im Nacken und geben dieses im Anschluss in einem Behälter. Erkennt der Hund dann anhand des Geruchs eine Infektion und schlägt an, wird zur Absicherung ein spezieller Corona-Test, ein PCR-Test durchgeführt.

Corona-Spürhunde auch in Deutschland

Neben Finnland sollen auch am Flughafen in Dubai die ersten Spürhunde das Corona-Virus erschnüffeln. Zudem gibt es in Belgien und Großbritannien aktuell Forschungsprojekte dazu. Auch in Deutschland setzt man auf die Superkräfte der sensiblen Spürnasen. Hier wird an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zum Einsatz von Hunden im Kampf gegen Corona geforscht. Im Juli veröffentlichte die Hochschule dazu die weltweit erste Studie über Hunde, die mit dem Corona-Virus infizierte Menschen erschnüffeln können.

Laut der Studie mussten die Vierbeiner lediglich eine Woche trainiert werden, um Proben zwischen gesunden und kranken Menschen zu unterscheiden. „Die Geruchserkennung von Hunden ist weit besser, als sich die breite Öffentlichkeit vorstellen kann. Trotzdem waren wir erstaunt, wie schnell unsere Hunde trainiert werden konnten, um Proben von SARS-CoV-2-infizierten Personen zu erkennen“, erklärt Dr. Esther Schalke, Verhaltensforscherin und Hundetrainerin der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr, die Projektpartner der Studie ist.

Hunde werden auf Corona-Geruch konditioniert

Die Probanden der Studie waren acht spezialisierte Spürhunde der Bundeswehr. Nach dem Training konnten sie von 1.012 Speichel- oder Tracheobronchialsekretproben 94 Prozent korrekt erschnüffeln. Dafür mussten sie in der Trainingsphase aus sieben Geruchsproben, die eine Corona-positive Probe erkennen. Hatte der Hund die richtige Wahl getroffen, wurde er mit Futter belohnt. „Diese Form der Konditionierung ist bei Hunden nur möglich, weil sie extrem sensibel auf kleinste Geruchsunterschiede reagieren“, so Oberstabsveterinärin Schalke.

Studienteilnehmer gesucht

Die Studie ist für das Forscherteam aber nur der erste Aufschlag. Denn bisher mussten die Hunde nur zwischen negativen und positiven Speichelproben mit einer Corona-Infektion unterscheiden. Im nächsten Schritt sollen sie darauf trainiert werden, zwischen verschiedenen Atemwegserkrankungen wie Grippe oder Lungenentzündung zu unterscheiden. Dafür benötigt das Forscherteam noch Studienteilnehmer, die Proben zur Verfügung stellen. Gesucht werden konkret:

  • Mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Personen mit Symptomen
  • Mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierte Personen ohne Symptome
  • Personen mit anderen Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Grippe, Bronchitis etc.

Interessante Links zu Corona

Wenn du die Studie unterstützen möchtest, dann wende dich an die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Corona-Einreise-Checker des CMR: einen schnellen Überblick bezüglich Einreisebestimmungen der einzuelnen Länder erhalten.

Die Corona-Warn-App: meine stumme Begleiterin. Ein Baustein von vielen Maßnahmen.