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Sportverletzung? Das ist jetzt zu tun

Die Coronamaßnahmen werden gelockert, Freizeitsport ist in kleinen Gruppen wieder möglich. Für alle, die jetzt nach längerer Trainingspause wieder auf Spielfeld stürmen, hat Sportmediziner Dr. Thomas Schneider Tipps gegen die ein oder ander Sportverletzung.

Im Eifer des Gefechtes

„Wenn wir laufen oder springen, wirken enorme Kräfte auf die Verbindung zwischen Wadenmuskulatur und Fuß,“ erläutert Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde und Sportmediziner an der Gelenk-Klinik Gundelfingen. „Diese können das Zehnfache des eigenen Körpergewichts überschreiten.“ Vor allem bei Mannschaftssportarten kann es schnell mal zu einer Verletzung kommen und das Knie beispielsweise wird dick und schmerzt. Was kann das sein und was ist jetzt zu tun? Unser FAQ hilft weiter:

Was tun bei einem Achillellessehnenriss ?

Dass die Achillessehne betroffen ist, merkt man. Meist deutet ein Knall, ähnlich einem Peitschenhieb, auf eine Verletzung oder einen Riss dieser orthopädischen Schwachstelle hin. Kurze heftige Schmerzen der Achillessehne und anschließende Kraftlosigkeit sind weitere Anzeichen. Klarheit bringen manuelle Untersuchungen in der Notfallambulanz sowie Ultraschall und gegebenenfalls MRT.

Im Akutstadium helfen Kälteanwendungen und entzündungshemmende Medikamente gegen die Schmerzen. Linderung bringen zudem oft weich gepolsterte Einlagen und Fersenerhöhungen. Während sich Teilrisse auf diese Weise relativ gut behandeln lassen, geht es bei einem kompletten Riss oft nicht ohne operativen Eingriff.

Wie kann ich vorbeugen? Schon die ersten Warnzeichen – meist stechende Anlaufschmerzen in der Achillessehne zu Beginn des Trainings – sollten ernst genommen werden. Fußball, Tennis, Badminton und Co. sowie Läufe sind dann erst einmal tabu.

Was ist eine Kreuzbandverletzung und wie wird behandelt?

Kreuzbandverletzungen sind nicht nur bei Fußballspielern gefürchtet. Auch beim Tennis oder Squash, beim Basketball oder Handball führen sie schnell zum gesundheitlichen Handicap. „In manchen Fällen ist das Band komplett gerissen, in anderen sind lediglich die innersten Fasern beschädigt und die äußere Hülle ist nur gedehnt“, erläutert der Sportmediziner. Manuelle Untersuchungen geben erste Hinweise auf gerissene Kreuzbänder. Ein direkter Befund ist jedoch oft erst nach der Arthroskopie, also einer Spiegelung des Kniegelenks, möglich.

Während bei wenig aktiven, meist älteren Patienten in der Regel rein konservative Schienenbehandlungen genügen, wird vor allem bei jungen oder sportlichen Patienten die Funktion des Kreuzbandes operativ wiederhergestellt. Im Gegensatz zum vorderen Kreuzbandriss erfordert die wesentlich seltenere Verletzung des hinteren Kreuzbandes jedoch nur in Ausnahmefällen eine Operation. Hier reichen in der Regel physiotherapeutische Maßnahmen zur muskulären Stabilisation aus.

Wir kann ich vorbeugen? Regelmäßiges Aufwärmen und Übungen auf dem Balanceboard sollten für alle Sportlerinnen und Sportler Standard sein. Schutzreflexe und ein gut trainierter Muskelmantel können einen Kreuzbandriss zwar nicht verhindern, aber das Risiko minimieren.

Was sind die Symptome eines Muskelfaserrisses und was mache ich?

Mangelhaftes Aufwärmtraining oder sportliche Überforderung führen oft zum Muskelfaserriss. Daher ist ein Training nur mit Maß und Ziel sinnvoll. „Typisches Symptom sind messerstichartige Schmerzen im betroffenen Körperteil, meistens im Bein“, sagt Dr. Thomas Schneider. Hinzu kommt eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit.

Bei der Behandlung gilt zunächst die PECH-Regel (also Pause, Eis, Compression und Hochlagern). Druckverband und Kühlung sind also wirksame Sofort-Maßnahmen. Neben der konsequenten Ruhigstellung der Muskulatur empfiehlt der Arzt in der Regel zudem schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel. Größere Verletzungen können einen operativen Eingriff erforderlich machen.

Was ist ein Muskelkater und wie wird man ihn wieder los?

Ein Muskelkater ist meist die Quittung für zu ausgiebiges Krafttraining, übertriebene Sport-Marathons oder stundenlange Gartenarbeit. „Die Muskeln werden überstrapaziert und es kommt in Folge davon zu winzigen, vorübergehenden Faserverletzungen“, so Dr. Thomas Schneider. Ein regelmäßiges, stufenweises Training verhindert Überlastung und somit auch den Muskelkater.

„Bei einem Muskelkater sollte man am besten eine Pause einlegen und Belastungen vermeiden“, rät der Orthopäde. Anderenfalls drohen ernsthafte Verletzungen und ausgeprägte Muskelfaserrisse. Durch Kälte oder Wärme können die Schmerzen gelindert werden. Haben sich die betroffenen Muskeln auch drei Wochen später noch nicht völlig regeneriert, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Dabei lässt sich klären, ob eventuell ernsthafte Verletzungen der Muskulatur oder des Sehnenapparates vorliegen.

Was tun bei einem Muskelriss?

Im Gegensatz zum Faserriss ist bei einem Muskelriss der Muskel komplett durchtrennt. Symptomatisch sind stechende Schmerzen und ein erkennbar verdickter Muskel sowie Blutergüsse. Meist lässt sich das betroffene Körperteil dann nicht mehr bewegen. Zunächst gilt auch hier die PECH-Regel. Bei erheblichem Umfang des Risses kann auch eine Operation erforderlich sein.

Wie kann ich vorbeugen? Die Auslöser sind auch hier oft mangelhaftes Aufwärmtraining oder sportliche Überforderung. Die beste Vorbeugung ist daher gründliches Aufwärmen und anschließend Überlastungen vermeiden.

Was ist eine Muskelzerrung und was hilft?

Muskelzerrungen sind oft die Folge hoher körperlicher Belastungen, etwa beim Handball- oder Fußballspiel. Auch beim Badminton sind diese Verletzungen kleinster Muskeleinheiten aufgrund des pausenlosen Wechsels zwischen Beschleunigung und Abbremsen relativ häufig. Anfangs kommt es zu einer spürbaren Verspannung des Muskels (häufig im Arm oder in der Wade). Diese kann sich steigern bis hin zu krampfartigen Schmerzen. Hinzu kommen oft starke Schwellungen.
Erste Hilfe bietet auch hier die PECH-Regel.

Wie kann ich vorbeugen? „Beste Präventivmaßnahme ist auch in diesem Fall ein gutes Aufwärmtraining inklusive Dehnungsübungen“, so Dr. Thomas Schneider. Das Tragen entsprechender Bandagen kann die Verletzungsgefahr reduzieren.

Schwachpunkt Sprunggelenk?

Eine sportliche Problemzone kann das Sprunggelenk sein. Schäden an den Außenbändern gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Grund ist die außergewöhnlich hohe Belastung. Dr. Thomas Schneider: „Kein anderes Gelenk wird so sehr strapaziert.“ Dass das Sprunggelenk betroffen ist, merkt der Sportler durch höllische Schmerzen beim Auftreten. Eine klinische Untersuchung zeigt, ob Knochenbrüche oder Bänderrisse vorliegen. Im Akutfall gilt auch hier das PECH-Prinzip.

Kann das Sprunggelenk durch Ruhigstellung und Rehamaßnahmen alleine nicht schmerzfrei gestellt ist, ist eine OP in Erwägung zu ziehen. Bei Knochenknorpelschäden fördern operative Therapien die Regeneration. Der beste Schutz vor Sprunggelenksverletzungen ist ein intensives Aufwärmtraining.

Ist der Tennisarm Schicksal oder kann ich vorbeugen?

Experten gehen davon aus, dass jeder zweite Tennisspieler zeitweise von dieser Art Sportverletzung betroffen ist. Ein Tennisarm macht sich in erster Linie durch starke Schmerzen im Bereich des Ellenbogens bemerkbar. Sie können bis in die betroffene Hand ausstrahlen. Diese wird außerdem häufig zunehmend kraftlos.

„Durch Ruhigstellung des Arms können die durch Überlastung entstandenen Mikrorisse wieder verheilen“, erläutert Dr. Schneider. Auf eine Unterarmgipsschiene, wie sie früher üblich war, wird heute verzichtet. Zur Schmerzlinderung empfehlen sich antientzündlich wirkende Medikamente oder lokale Betäubungsmittel. Linderung bringen können auch Kombinationstherapien mit Reizstrom, Ultraschall oder Stoßwellen sowie Akupunktur. Zeigen diese Therapieansätze keine Besserung, bleibt nur der operative Eingriff.

Wie kann ich vorbeugen? Damit ein Tennisarm erst gar nicht auftritt, sollte der Sportler sich vor dem Spiel langsam aufwärmen und regelmäßige Dehnübungen machen. Hilfreich kann es auch sein, die Spieltechnik zu verbessern. Denn „oft entsteht ein Tennisarm durch Spielen mit falscher Technik“, weiß der Sportmediziner. „Und das ist nicht nur beim Tennisspiel so, sondern auch bei anderen Schlägersportarten.“

Die PECH-Regel

Jeder einzelne Buchstabe steht für ein Prinzip bei der Behandlung von Sportverletzungen:

  • P = Pause: nach der Verletzung Arm oder Bein ruhen lassen
  • E = Eis: Eisbeutel oder andere Kühlung vermindern Entzündungsreaktionen und übermäßige Schwellungen
  • C = Compression: ein elastischer Druckverband verhindert weiteres Einbluten und reduziert Entzündungen und Schwellungen
  • H = Hochlagern: verhindert weitere Schwellungen oder Einblutungen.