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Spinnenphobie kann man heilen

Es hat acht haarige Beine … Wem jetzt schon ganz anders geworden ist, der leidet wahrscheinlich unter einer Spinnenphobie. Die Angst vor den Krabbeltieren lässt sich jetzt auch mit einer neuen App behandeln.

Spinnenangst ist weit verbreitet

Bei sinkenden Temperaturen und steigender Luftfeuchtigkeit suchen Spinnen menschliche Behausungen auf, um zu überwintern. Herbst und Winter sind damit eine echte Herausforderung für alle, die sich vor Spinnen ekeln oder sogar panisch darauf reagieren.

Schätzungen zufolge haben fünf bis zehn Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger eine Spinnenphobie. Fachleute gehen davon aus, dass der Vorbehalt gegenüber den achtbeinigen Lebewesen genetisch bedingt ist, also angeboren. Und das, obwohl es in Deutschland eigentlich keine wirklich gefährlichen Spinnen gibt.

Doch die Evolution funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Was uns nicht umbringt, bringt uns weiter. Ur-Menschen, die grundsätzlich vorsichtig gegenüber allem Kreuchenden, Fleuchenden und Krabbelnden waren, hatten ganz einfach eine höhere Überlebenschance als die, die alles cool nahmen – und beispielsweise Spinnen streichelten. So setzte sich wohl auch das Gen, das für Spinnenphobie zuständig ist, in der Bevölkerung hierzulande fest.

Spinnenphobie ist kein Schicksal

Wenn das alles in unseren Genen gespeichert ist, sind wir dann nicht der Angst vor Spinnen ausgeliefert? Nein, das sind wir nicht! Wer unter seiner Spinnenphobie leidet, muss sich nicht weiter einschränken und auf Besuche im Zoo, das Wochenende in der Holzhütte oder exotische Reiseziele verzichten – oder gar Keller und Dachboden im eigenen Haus meiden, nur um nicht auf eine Spinne zu treffen.

Auch wenn wir von unseren Voraussetzungen her eher vorsichtig veranlagt sind, können wir lernen, zu unterscheiden, was uns wirklich gefährlich werden kann und was harmlos ist. Psychologinnen und Psychologen bedienen sich dafür der sogenannten Expositionstherapie. Betroffene werden hierbei therapeutisch angeleitet, sich den gefürchteten Situationen aussetzen. Dabei baut sich die Angst schrittweise ab.

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Augmented-Reality-App hilft

Allerdings ist es nicht einfach, einen passenden Psychotherapeuten zu finden. Und, noch viel wichtiger: Wer unter einer tiefgreifenden Spinnen-Phobie leidet, wird sich kaum freiwillig echten Spinnen aussetzen, auch wenn es zu seinem therapeutischen Wohle ist. Eine Lösung bietet nun ein interdisziplinäres Forschungsteam um Professor Dr. Dominique de Quervainder von der Universität Basel. Es hat eine Augmented-Reality-App entwickelt, um die Spinnenphobie in den Griff zu bekommen.

Die Software projiziert realistische 3D-Spinnenmodelle in die reale Welt. „Für Menschen, die Angst vor Spinnen haben, ist es leichter, sich einer virtuellen Spinne auszusetzen als einer echten“, erklärt Anja Zimmer, Erstautorin der Studie, das Vorgehen.

Studie belegt Wirksamkeit

Das Prinzip scheint zu funktionieren. So empfanden die Probanden einer kleinen klinischen Studie bereits nach wenigen Trainingseinheiten weniger Angst vor realen Spinnen.

Für die Untersuchung absolvierte eine Gruppe über zwei Wochen hinweg jeden Tag eine halbstündige Trainingseinheit mittels App. Die Kontrollgruppe übte nicht. Der Erfolg der Smartphone-Behandlung wurde anschließend mit einer Spinne in einem durchsichtigen Plexiglaskästchen überprüft. Und siehe da: Die Absolventinnen und Absolventen des App-Programms konnten sich der Spinne ohne deutlichen Ekel oder Angst nähern.