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Speiseeis mit Kokosöl & Co: schlecht für die Umwelt

Kein Sommer ohne Eis! Schade nur, dass der Genuss von cremigem Speiseeis oft zu Lasten der Umwelt geht. Denn deutsche Eishersteller setzen bei ihren Zutaten wenig auf Nachhaltigkeit, wie eine aktuelle Analyse des WWF Deutschland zeigt. Besonders problematisch ist dabei das neue „Trendfett“ Kokosöl.

119 Kugeln Speiseeis pro Kopf

Eis gehört zu den beliebtesten Süßigkeiten in Deutschland. Laut dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) haben wir allein 2019 pro Kopf 8,3 Liter Speiseeis verzehrt. Das entspricht circa 119 Bällchen der kühlen Köstlichkeit. Allerdings wurden gerade einmal 1,6 Liter Eis in der Eisdiele geschleckt. Der überwiegende Teil ist industriell hergestelltes Speiseeis und wird vor allem in Großpackungen im Supermarkt gekauft.

Leider hat vor allem das Industrie-Eis ein großes Manko: Inhaltsstoffe, die nicht nachhaltig hergestellt werden. Besonders problematisch ist die Verwendung von Kokosöl, wie der WWF Deutschland bei einer Befragung der 17 größten Speiseeis-Produzenten und Lebensmittelhändler hierzulande ermittelt hat.

Warum schmeckt Speiseeis so cremig?

Das cremige Gefühl, wenn das Eis einem regelrecht auf der Zunge zergeht, stammt in erster Linie vom Fett. Kein leckeres, cremiges Eis also ohne Fett. Das gilt auch für selbst gemachtes Eis.

Pflanzenfett ist günstiger als Milchfett. Deshalb stecken in vielen industriell hergestellten Eissorten oft große Menge an Pflanzenfetten, wie etwa Kakaobutter, Palm-, Soja-, Raps- oder Sonnenblumenöl.

Kokosöl ist das neue Palmöl

Am häufigsten wird allerdings Kokosöl verwendet. Nicht zuletzt, weil viele Unternehmen mittlerweile auf das umstrittene Palmöl verzichten und dieses durch das „Trendfett“ Kokosöl ersetzt haben. Das Problem: Der Ertrag aus der Kokospalme ist pro Hektar deutlich geringer als der aus der Ölpalme. Wird in Zukunft mehr Kokosöl statt Palmöl verwendet, dann wird dafür deutlich mehr Anbaufläche benötigt. Als Folge werden noch mehr Regenwälder gerodet und Tier- und Pflanzenarten vernichtet.

Soziale oder ökologische Standards fehlen

Laut WWF stellt keines der befragten Unternehmen soziale oder ökologische Anforderungen an das verwendete Kokosöl. Schlechte Arbeitsbedingungen, Niedriglöhne und die Abholzung von Regenwald werden beim Einkauf der Produkte hingenommen. Dabei gibt es mittlerweile auch zertifiziertes Kokosöl, Bio- sowie Fairtrade-Ware, so der WWF.

Nachhaltigkeit bei Kokosöl: so geht’s!

Um zertifizierte Ware anbieten zu können, werden Kokosöl-Bauern und Farmer für eine nachhaltige Landwirtschaft trainiert, beschreibt der WWF in seiner Analyse. Damit sichern sie sich die Möglichkeit, ihr Einkommen zu erhöhen. Zusätzlich lernen sie, wie sie mit Zwischenfruchtfolgen wie Ingwer, Bananen und Kaffee den landwirtschaftlichen Output ihrer Plantage erhöhen, sich damit unabhängiger machen und ein zusätzliches Einkommen erzielen.

Auch bei der Herstellung von Bio-Kokosöl werden Bauern und Farmer für einen umweltfreundlichen Anbau geschult. Mit ökologischen Methoden wie Kompostierung, biologischer Düngung und Schädlingsbekämpfung können die Produzenten laut WWF ihren Ertrag und damit auch ihr Einkommen um bis zu 50 Prozent erhöhen.

Anbieter für zertifiziertes Öl oder Bio-Kokosöl sind laut WWF zum Beispiel:

  • Rainforest Alliance – ihre zertifizierten Öle kommen aus Sri Lanka, Indien, Indonesien, Brasilien und der Elfenbeinküste. Verbraucher erkennen das Zertifikat an einem schwarzen, runden Symbol mit einem kleinen Frosch.
  • Serendipol – ein Unternehmen, das faires Bio-Kokosöl auf Sri Lanka produziert. Verwendet wird es vom Bio-Kosmetikhersteller Dr. Bronner sowie vom Hersteller für Bio-Lebensmittel Rapunzel.

Weitere interessante Ergebnisse der WWF-Analyse

Tops:

  • Eisproduzenten, die weiterhin auf Palmöl setzen, nutzen dafür mittlerweile zertifizierte Ware.
  • Ein Großteil der befragten Eishersteller, die Kakaobutter verwenden, nutzen nachhaltige Produkte mit einer UTZ-Zertifizierung.

Flops:

  • Bei allen anderen Pflanzenölen wie Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl gibt es hingegen keine Zertifizierungen. Das heißt, diese Produkte werden möglicherweise ohne soziale oder ökologische Anforderungen hergestellt.
  • Raps- und Sonnenblumenöl sind heimische Produkte. Für die Herstellung von Industrieeis werden diese aber oft aus Australien, den USA und Lateinamerika importiert.

Die bessere Wahl: Bio-Eis oder Eis selber machen

Der Bericht des WWFs zeigt, dass sich auch bei Eis ein Blick auf die Zutatenliste lohnt. Wer Speiseeis ohne schlechtes Gewissen genießen möchte, dem empfiehlt die Natur- und Umweltschutzorganisation Eis in Bio-Qualität oder aus der Eisdiele.

Oder noch besser: Eis selber machen ohne Eismaschine. Denn die selbstgemachte Variante kommt meistens ohne Pflanzenöle aus. Viele Rezepte beweisen zudem, dass selbstgemachtes Eis auch ohne Eismaschine gelingt und schon mit wenigen Zutaten ein köstlich erfrischender Genuss wird.