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Neu: Soforthilfen für pflegende Angehörige bis 30.09.2020

Die Corona-Krise belastet auch Familien von Pflegebedürftigen schwer. Damit sie in der aktuellen Situation Pflege und Beruf besser vereinbaren können, hat der Bundestag jetzt Soforthilfen für pflegende Angehörige beschlossen.

Entlastung für pflegende Angehörige

In Deutschland sind rund 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig, drei Viertel davon werden zu Hause gepflegt. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kümmern sich etwa 2,5 Millionen Berufstätige um die Pflege und Betreuung eines Familienmitglieds zu Hause.

Für viele pflegende Angehörige ist besonders problematisch, dass aufgrund der Krise aktuell zahlreiche Einrichtungen der Tagespflege geschlossen sind. Um Berufstätige zu entlasten, die momentan coronabedingt pflegen oder die Pflege kurzfristig neu organisieren müssen, hat der Bundestag am 14. Mai einer gesetzlichen Anpassung in der Pflege zugestimmt.

Soforthilfen für pflegende Angehörige – das ändert sich konkret:

  • Bisher konnten sich Beschäftigte in einer akut auftretenden Pflegesituation bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. Mit der Neuregelung haben sie jetzt Anspruch auf bis zu 20 Arbeitstage. Das gilt jedoch nur, wenn eine pandemiebedingte akute Pflegesituation besteht, weil zum Beispiel die Tagespflegeeinrichtung geschlossen ist oder der ambulante Pflegedienst nicht wie gewohnt arbeitet.
  • Für den kurzzeitigen Arbeitsausfall aufgrund einer akuten Pflegesituation haben Beschäftigte bisher bis zu zehn Arbeitstage Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung erhalten. Ab sofort bekommen Angehörige bis zu 20 Arbeitstage Pflegeunterstützungsgeld, wenn pandemiebedingt ein Engpass in der Betreuung entsteht und sie diesen selbst auffangen.
  • Stimmt der Arbeitgeber zu, dürfen Beschäftigte ab sofort die Familienpflegezeit und Pflegezeit flexibler nutzen. Wenn sie den gesetzlichen Rahmen für die Auszeiten (sechs Monate Pflegezeit, 24 Monate Familienpflegezeit) bisher nicht ausgeschöpft haben, können Beschäftigte die Restzeiten kurzfristig nutzen. Um die Familienpflegezeit beim Arbeitgeber anzukündigen, reichen vorübergehend zehn Tage statt acht Wochen aus. Auch die Mindestarbeitszeit der Familienpflegezeit von 15 Wochenstunden kann vorübergehend unterschritten werden.
  • Um die Familienpflegezeit zu finanzieren, können pflegende Angehörige ein zinsloses Darlehen des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufnehmen. Dieses passt sich den aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt an. Haben Beschäftigte eine pandemiebedingten Einkommensausfall, wird dieser bei der Ermittlung der Darlehenshöhe berücksichtigt.

Die Erleichterungen und Soforthilfen für pflegende Angehörige gelten vorerst bis 30. September 2020.