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Zuviel Schlaf ist schlecht bei einer Depression

Schlaf und Stimmung hängen eng zusammen. Das zeigt einmal mehr eine Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Teilnehmer protokollierten mithilfe einer App Bettzeiten und depressive Symptome. Das Ergebnis: Ein längerer Aufenthalt im Bett steht bei Depressiven mit einer Verschlechterung ihrer Erkrankung in Verbindung.

Schlecht geschlafen?

Wer über längere Zeit Probleme mit dem Ein- oder Durchzuschlafen hat, fühlt sich tagsüber oft kraftlos und zermürbt. Permanenter Schlafmangel drückt aufs Gemüt und kann eine depressive Phase einläuten. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich – wer sich in den Schlaf flüchtet, der verstärkt seine depressiven Symptome unter Umständen noch mehr. Depressive Menschen kennen das: Man wacht morgens auf, fühlt sich kraftlos und ist nicht in der Lage, aufzustehen. Wer diesem Gefühl nachgibt und weiter liegen bleibt, erreicht unter Umständen genau das Gegenteil – man fühlt sich danach nicht erholt, sondern verstärkt vorhandene depressive Symptome.

Weit verbreitet: Schlafstörungen

Jeder dritte Bundesbürger, so das Robert-Koch-Institut, hat zumindest einmal unter Schlafstörungen gelitten. Auslöser können Lebensumstände sein, wie Stress bei der Arbeit, in der Beziehung oder in der Familie. Aber auch Schicksalsschläge wie Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod eines geliebten Menschen können für einen schlechten Schlaf sorgen. Meist verschwinden solche Störungen wieder von selbst.

Oft helfen kleine Veränderungen in der Schlafroutine. Tipps, wie man besser ein- und durchschläft haben wir für dich hier zusammengetragen.

Sollten die Probleme jedoch über Wochen und Monate anhalten, dann ist es Zeit, einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Gründe für schlechten Schlaf

Schläft man nicht gut, dann lässt sich dies grundsätzlich entweder auf psychische oder körperliche Probleme zurückführen. So können Schmerzen den Schlaf rauben. Liegen die Ursachen eher im Seelischen, kann eine Depression dahinter stecken. Menschen mit depressiver Verstimmung neigen zu Gedankenkreisen, die sich unproduktiv immer weiterdrehen. Betroffene grübeln dann häufig auch nachts über ein Problem, das auf diese Weise nicht zu lösen ist, und treiben sich so immer tiefer in die Erkrankung hinein.

Ein Teufelskreis entsteht: Schlafstörungen können sowohl Ursache als auch Folge von Depressionen sein. Denn Schlafprobleme gelten als ein Symptom und zugleich ein Risikofaktor für diese psychische Erkrankung. So die Einschätzung von Dr. Axel Steiger, Oberarzt und Leiter der Ambulanz für Schlafmedizin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München-Schwabing. 

Zu viel Schlaf ist auch nicht gut

Eine neue Studie des Forschungszentrums Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unterstreicht die Erfahrung, dass zu viel Zeit im Bett die Stimmung ungünstig beeinflusst. Das im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Pilotprojektes (STEADY-Projekt) zeigt anhand digitaler Tagesbücher, dass zu viel im Bett verbrachte Zeit direkten Einfluss auf depressive Patienten hat. Die Forscher entwarfen hierfür gemeinsam mit IT-Partnern eine App. In dieser Anwendung dokumentierten 22 an Depression erkrankte Studienteilnehmer über fast ein halbes Jahr ihre Bett- und Schlafzeiten sowie ihre depressiven Symptome.

Schlaf kürzen kann helfen

Es zeigte sich, dass bei der Hälfte der Studienteilnehmer eine längere Bettzeit direkt zu einer Verschlechterung ihrer Krankheit führte. Bei sechs Probanden schien der lange Schlaf die depressiven Symptome sogar verursacht zu haben. „Wenn Betroffene bei sich den Zusammenhang zwischen Depression und Bettzeit verstehen, dann können in Rücksprache mit dem Behandler daraus ganz individuelle Therapieempfehlungen abgeleitet werden. Beobachtet ein Patient beispielsweise, dass er sich nach langer Zeit im Bett noch erschöpfter fühlt, so kann eine Verkürzung auf circa acht Stunden sinnvoll sein“, empfiehlt Prof. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Universität Frankfurt/Main.

Darum hilft ein kurzer Schlafentzug

Während schlechter Schlaf über längere Zeit zermürbt und entnervend wirkt, ist das bei einer einzigen durchwachten Nacht ganz anders. Der Körper bildet kurzfristig sogar viele stimmungsaufhellende Stoffe wie Serotonin und Tryptophan. Einmaliger Schlafentzug – vor allem in der zweiten Nachthälfte – wird in der Psychatrie daher als Therapie eingesetzt.

Denn das wirke sehr schnell antidepressiv, so Dr. Axel Steiger vom Max-Planck-Institut: „Wir praktizieren das an der Klinik mit Patientengruppen zweimal pro Woche. Die Teilnehmer stehen um halb drei in der Früh auf und gehen in Begleitung von Studenten spazieren. Dabei unterhalten sie sich oder verbringen die Zeit bis zum Morgen mit Gesellschaftsspielen“, schildert der Oberarzt des Max-Planck-Instituts. Am folgenden Abend dürften die Patienten wieder wie gewohnt ins Bett.

Empfehlung: Selbstbeobachtung

Schlafstörungen können also eine komplizierte Angelegenheit sein: Einerseits sind sie über längere Zeit ein Risikofaktor für Depressionen, auf der anderen Seite kann kurzfristiger Schlafentzug als Stimmungsaufheller von Depressiven genutzt werden, damit es ihnen besser geht.

Solltest du unter einer Depression leiden und das Gefühl haben, zuviel Zeit im Bett zu verbringen, dann führe am besten mal Tagebuch. Hierfür kannst du täglich in einer Tabelle auflisten, wie lange du im Bett gelegen hast und wie du deine Stimmung am nächsten Tag einschätzt. Studienleiter Prof. Ulrich Hegerl sieht es für Patienten als hilfreich an, es tatsächlich Schwarz auf Weiß zu sehen, dass die Stimmung meist schlechter ist, wenn man länger im Bett bleibt. Es komme zumindest auf einen Versuch an, mit dem Arzt zu klären, ob es sinnvoll sei, die Bettzeit auf circa acht Stunden zu begrenzen. Und trotz Erschöpfungsgefühl später ins Bett zu gehen und morgens zeitiger aufzustehen.