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Kinder: Psychische Probleme in Zeiten von Krieg und Krise

Erst die Corona-Pandemie, jetzt der Krieg in der Ukraine. Was macht das mit der Psyche von Kindern und Jugendlichen? Und was können Erwachsene tun?

Psychische Probleme nehmen zu

In den vergangenen Jahren haben psychische Probleme in fast allen Altersstufen zugenommen: Laut DAK-Gesundheit hat es 2021 einen Höchststand an Arbeitsausfällen durch psychische Erkrankungen gegeben. Auch auf die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hatte die Corona-Pandemie inklusive Lockdown, Homeschooling und Social Distancing einen enormen Einfluss.

Untersuchungen wie die COPSY-Studie zeigen: In der ersten Welle der Pandemie 2020 sind psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen wie etwa Ängste und Depressionen, aber auch Konflikte mit Gleichaltrigen sprunghaft angestiegen. Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen empfinden weniger Lebensqualität als vor der Pandemie. Depressive Verstimmungen und psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen zählen dazu. Zwar hat sich dass allgemeine Befinden mit den Corona-Lockerungen leicht gebessert, typische Stresssymptome wie Gereiztheit, Einschlafprobleme und Niedergeschlagenheit haben aber nach aktuellen Zahlen eher noch zugenommen.

Angst vor Krieg

Zu den Ängsten vor Krankheit und Gefahr, die sich in der Pandemie entwickelt haben, kommt sich jetzt eine weitere Bedrohung: der Krieg in der Ukraine. Kaum jemand kann sich derzeit der Bilder- und Informationsflut entziehen, die über Fernseh- und Computerbildschirm oder das Smartphone-Display schwemmt. Erwachsene – Eltern, Bezugspersonen, Pädagoginnen und Pädagogen – sind jetzt besonders gefordert. Sie müssen Sicherheit geben, ohne zu beschönigen oder Ängste klein zu reden. Und dabei noch eigene Ängste im Zaum halten. Keine leichte Aufgabe.

Ernst nehmen und begleiten

Ob Virus oder Krieg: Fachleute wissen, es ist wichtig, Kinder und Jugendliche da abzuholen, wo sie stehen und ihnen altersgerecht zu erklären, was passiert. Was das Filtern von Infos angeht, hier einige Tipps:

  • Sachlich bleiben und erklären – auch wenn die eigenen Emotionen beim Schauen der Nachrichten hochkochen. Denn je kleiner Kinder sind, umso mehr versetzen sie die ungefilterten Ängste oder Gefühlsausbrüche der Eltern in Panik. Die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit Medien macht!“ hat einige Informationen zusammengestellt, die Eltern dabei unterstützen, Nachrichten altersgemäß zu erklären
  • Tun, was man tun kann. Manchmal hilft es Kindern und Jugendlichen auch, aktiv zu werden. Mit Kindern Bilder zu malen oder Brief zu schreiben, in denen sie ausdrücken können, was sie bewegt. Mit Älteren kann man Hilfsorganisationen unterstützen, Spenden sammeln, Mahnwachen halten – alles, was das Gefühl stützt, Gutes zu tun und nicht in Ohnmacht und Machtlosigkeit zu versinken.
  • Wenn möglich – Fake News identifizieren. Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene nehmen häufig Aussagen oder Bilder für bare Münze, die im Internet kursieren. Hier ist wichtig, Ruhe zu bewahren und zu überprüfen, woher die Informationen stammen.

Tipp: Bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) finden Eltern und Jugendliche Rat und Unterstützung. Aus gegebenem Anlass bieten die bke-Jugendberatung und die bke-Elternberatung aktuell auch "offene Gruppenchats in besonderen Zeiten" an. Termine und Anmeldung über die jeweiligen Seiten.

Psychische Probleme? Hier gibt’s Hilfe!

Ist es jetzt „nur“ die Pubertät oder ist die seelische Gesundheit in Gefahr? Sind die Bauch- oder Kopfschmerzen beim Schulkind „normal“ oder stecken doch psychische Probleme dahinter? Manchmal ist es für Eltern oder Umfeld gar nicht so einfach, herauszufinden, was mit dem Nachwuchs los ist. Wichtig: Mögliche Probleme nicht aussitzen, sondern frühzeitig aktiv werden.

  • Erste Anlaufstelle sind die behandelnde Kinderärztin beziehunsgweise der behandelnde Kinderarzt.
  • Informationen zu psychischen Erkrankungen bietet das Portal www.psychenet.de
  • Gehts um Psychotherapie und Nervenerkrankungen, dann sind auch die Neurologen und Psychiater im Netz eine gute Anlaufstelle.