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Mehr psychische Erkrankungen infolge der Corona-Krise

Sorge um die Gesundheit, Angst um den Job, jede Menge Stress zu Hause und wenig Ausgleich. Kein Wunder, dass psychische Erkrankungen während der Corona-Krise zugenommen haben. Das belegen jetzt auch Auswertungen der Krankenkassen.

Corona-Stress kann psychische Erkrankungen auslösen

Corona hat unseren Alltag ganz schön umgekrempelt. Zu der Sorge, sich mit dem neuartigen Virus anzustecken, kamen Existenzängste, Kontaktbeschränkungen und die Belastung durch die Kinderbetreuung zu Hause – von Homeschooling und Homeoffice ganz zu schweigen.

Nach wie vor ist es schwer absehbar, welche Folgen die Pandemie haben wird und wie lange die „neue Normalität“ angesichts steigender Fallzahlen noch tragbar ist. Kurz: Wir leben in unsicheren Zeiten und das bedeutet Stress – vor allem für unsere Psyche.

Viele Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen

Das macht sich auch in der Zahl der Krankmeldungen bemerkbar, wie eine Auswertung der Versichertendaten der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt. Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hat deutschlandweit rund 1,7 Millionen Mitglieder. Allein für das erste Halbjahr 2020 verzeichnet sie rund 26.700 Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen – 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Eltern und Kinder gestresst von Homeschooling

Dass die Corona-Krise uns seelisch belastet, zeigen auch andere Studien. Die DAK hat zum Beispiel im Juni eine Auswertung dazu veröffentlicht, wie Kinder und Familien mit Schulschließungen und Homeschooling zurechtkommen. Die Daten basieren auf einer Befragung von 1.005 Erwachsenen und jeweils einem dazugehörigen Kind im Alter zwischen zehn und 17 Jahren, durchgeführt im Mai dieses Jahres.

  • 90 Prozent der befragten Eltern machten sich demnach Sorgen darüber, wie sich die Krise auf ihr Familienleben auswirkt. Jeder Zweite fühlte sich beinahe täglich gestresst und erschöpft, während die Schulen geschlossen waren. Mütter sind davon etwas häufiger betroffen als Väter.
  • Auch die Kinder erlebten eine angespannte Zeit: 37 Prozent der Befragten im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren klagten über Stress, etwa ein Drittel erlebte häufiger Streit in der Familie und etwa jedes vierte Kind fühlte sich traurig. Das ging auch den 16- bis 17-Jährigen so. Unter Stress und Streit litten sie der Studie zufolge jedoch seltener.

Kinderärzte beobachten Verhaltensänderungen

Insbesondere Kinder ab sechs Jahren litten darunter, dass die Schulen geschlossen wurden und kaum Kontakt zu Gleichaltrigen möglich war. Das ist ein Ergebnis der Studie „Homeschooling und Gesundheit 2020“ im Auftrag der Betriebskrankenkasse pronova BKK. 150 Kinderärzte gaben dafür ihre Einschätzungen ab. Jeder Zweite berichtet davon, dass die Kinder ihr Verhalten verändert hätten, reizbar und antriebslos waren oder sogar unter Angststörungen litten.

All diese Befunde zeigen: Die Corona-Pandemie beeinflusst nicht nur, wie oft wir Sport machen oder was wir essen, sondern hat an vielen Stellen Auswirkungen auf unser seelisches Gleichgewicht.

Psychische Erkrankungen: Corona kann Symptome verstärken

Besonders anfällig für psychische Erkrankungen sind Menschen, die schon vor der Krise mit seelischen Problemen und Belastungen zu kämpfen hatten. Insbesondere Depressionen und Angsterkrankungen treten dann vermehrt auf, haben Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen beobachtet.

Einige dieser Ängste sind real, nicht krankhaft und treffen auf viele von uns zu: beispielsweise Angst davor, selbst an Covid-19 zu erkranken, den Job nicht wie gewohnt ausüben zu können oder das Gefühl, der ganzen Situation hilflos gegenüber zu stehen. Wenn Menschen vorher schon unter Ängsten litten, kann sich ihr Zustand in Krisenzeiten tendenziell verschlechtern.


Stress, Ängste und Depressionen: Hat dir Corona auch zu schaffen gemacht?

Tipps für den Umgang mit psychischem Stress

Was also können wir tun, um nicht in eine Spirale aus Sorgen und Ängsten zu geraten? Unser psychisches Immunsystem stärken. Experten nennen das Resilienz.

Die Gießener Mediziner geben Tipps, wie sich Krisen besser meistern und psychische Erkrankungen vermeiden lassen ­– und das nicht nur in Zeiten von Corona:

  • Gebt eurem Tag eine Struktur. Gewohnheiten helfen durch unsichere Zeiten.
  • Esst regelmäßig und schlaft genug.
  • Überfordert euch nicht mit zu hohen Ansprüchen an euch selbst.
  • Macht euch klar, wo eure Stärken liegen, was ihr besonders gern macht und probiert das mal wieder aus.
  • Pflegt soziale Kontakte, entweder persönlich oder per (Video-)Anruf, Chat etc.
  • Setzt euch nicht zu intensiv mit dem Thema auseinander, das Stress verursacht. Ablenkung ist erlaubt und wichtig.
  • Macht möglichst viel von dem, was euch guttut. Ob spazieren, malen, kochen, ein Bad nehmen oder Sport machen, das darf jeder selbst herausfinden.
  • Auch wenn es nicht immer möglich ist: Nehmt euch Raum und Zeit für euch selbst, wenn ihr ihn braucht.
  • Sprecht mit dem Partner, Eltern oder Freunden über eure Sorgen und Ängste – möglichst bevor aufgestaute Gefühle einen Streit hervorbrechen lassen.
  • Kommt ihr alleine nicht weiter, sucht euch professionelle Unterstützung!