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Ist Haare waschen ohne Shampoo besser?

Mit oder ohne Shampoo, also No Poo? Haare waschen mit Roggenmehl? Prof. Ulrike Heinrich vom Institut für Experimentelle Dermatologie an der Universität Witten/Herdecke ist Expertin für Haut und Haar und klärt über die Mythen des Haarewaschens auf.

Im Trend: No Poo – Shampoo nein danke

„No Poo“ ist die Abkürzung von „No Shampoo“. Die „No Poo“-Bewegung besteht vor allem aus jungen Frauen, die den Gebrauch von Shampoo ablehnen und auf „natürliche“ Produkte schwören. Sie waschen ihre Haare statt mit Shampoo nur noch mit Wasser oder mit Produkten aus der Speisekammer wie beispielsweise Roggenmehl oder Apfelessig. Was sich ökologisch sinnvoll anhört und zur Nachhaltigkeit beiträgt, wird aus Sicht von Dermatologen aber auch kritisch gesehen.

Bürste statt Shampoo für die Haarpflege?

Manche „No Poo“-Vertreterinnen verzichten sogar ganz aufs Haarewaschen und bürsten stattdessen nur noch. Beweggrund ist zum einen, den Verbrauch von Plastikverpackungen zu reduzieren und damit zur Nachhaltigkeit beizutragen. Zum anderen besteht die Vorstellung, durch Bürstenstriche das Fett des Haaransatzes bis in die Haarspitzen zu verteilen und so die Haare mit körpereigenen Ölen zu pflegen. Man möchte auch verhindern, dass die Waschkraft des Shampoos die Haare immer schneller nachfetten lässt.

Verzichte man auf Shampoos, könne sich überschüssige Talgproduktion der Kopfhaut wieder von selbst regulieren. So die Vorstellungen der „No Poo“-Anhänger. Prof. Ulrike Heinrich kann das medizinisch nicht nachvollziehen. Für die Expertin ist Haare waschen mit waschaktiven Substanzen unbedingt erforderlich.

Haare nur mit Wasser waschen?

Für die Hautärztin Prof. Ulrike Heinrich vom Institut für Experimentelle Dermatologie an der Universität Witten/Herdecke tut Haare waschen mit einem Shampoo nicht nur gut. Es erfüllt auch einen wichtigen hygienischen Zweck: „Die Haare werden von Schmutz, Schweiß, Gerüchen und überschüssigem Hautfett sowie abgestorbenen Hautschüppchen und Stylingrückständen befreit. Die verwendeten Inhaltsstoffe werden hierbei ganz auf die jeweiligen Haar- und Kopfhautbedürfnisse abgestimmt und unterliegen umfassenden gesetzlichen Bestimmungen, damit sie für die Verbraucher gesundheitlich unbedenklich sind“. Außerdem sei locker fallendes, duftiges Haar ein Wohlfühlfaktor und nicht zuletzt auch ein wichtiges Zeichen für ein gepflegtes Äußeres.

Macht häufiges Haarewaschen die Haare fettiger?

Wenn Haare ausschließlich mit warmem Wasser gewaschen werden, spült sich nur ein Teil der abgestorbener Hautschuppen ab und das meiste Fett verbleibt im Haar. Es ist auch keineswegs nachgewiesen, dass die fettproduzierenden Talgzellen Fett auf der Kopfhaut wahrnehmen und ihre Produktion darauf einstellen, um sie womöglich zu drosseln. Denn, so Ulrike Heinrich: „Da die Talgdrüsen auf der Kopfhaut nicht darauf reagieren können, ob man sich die Haare mit oder ohne Shampoo wäscht – sie besitzen hierfür nämlich keine Sensoren – lässt sich die Fettproduktion der Kopfhaut durch „No Poo“ nicht verändern.“ Damit widerlegt die Expertin nicht nur den Mythos, dass Waschen mit Shampoo die Haare fettiger mache, sondern auch dass häufiges Haarewaschen die Fettproduktion anrege.

Wie häufig sollte man Haare waschen?

Wie oft man sich die Haare waschen sollte, hängt von individuellen Bedingungen ab. Beispielsweise wie groß die körpereigene Talgproduktion ist, so die Expertin. Das kann täglich sein oder einmal die Woche. Man sollte je nach Haarzustand und nach dem Wohlbefinden entscheiden, ob eine Haarwäsche notwendig ist. Ein weiterer Faktor ist die Art des Shampoos. Stark entfettende Mittel nicht täglich anwenden, sonst leidet die Kopfhaut. Bei milden Shampoos kann man auch täglich waschen. In der kalten Jahreszeit, wenn Mützen getragen werden, sollte man mit bedenken, dass das Haar besonders strapaziert und abgenutzt wird. Da ist es besser, nicht ganz so oft zu waschen.

Kann das Haar sich selbst reparieren?

Den Zustand des Haares kann man an der Geschlossenheit der Schuppenschicht erkennen. In der Nähe der Kopfhaut ist diese noch nahezu geschlossen. Die Schuppenschicht öffnet sich mit zunehmender Länge des Haares und kann an den Haarenden völlig verloren gegangen sein. Dann splissen und spalten sich die Haare. Entstandene Schäden kann das Haar nicht selbst reparieren. Auch, wenn man die Haare nicht mehr wäscht und das produzierte Haarfett in den Haaren verteilt, hilft das nicht. Hilfe muss von außen kommen. Es gibt Pflegemittel, die das Haar in einem gewissen Maße vor Schäden schützen. Hauptziel jeder Haarpflege ist es, den Naturzustand des frisch nachgewachsenen Haares über einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten oder zumindest annähernd wiederherzustellen. Wichtig für gesundes Haar ist auch eine ausgewogenen Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Welche Faktoren beeinflussen die Haarfett-Produktion?

Wie viel Fett gebildet wird, dafür sind viele Faktoren zuständig, beispielsweise der Hormonhaushalt, die Ernährung, äußere Umwelteinflüsse oder Stress. Liegt eine Veranlagung zu fettigen Kopfschuppen oder gereizter Kopfhaut vor, könnten sich die Beschwerden sogar noch verstärken, wenn Reinigungs- und Pflegeprodukte weggelassen werden und auf Haare waschen verzichtet wird.

Welches Shampoo sollte man verwenden?

Auch das hängt vom Haartyp und der jeweiligen Talgproduktion ab. Auf keinen Fall ist, so Ulrike Heinrich, die tägliche Anwendung von speziellen Anti-Fett-Shampoos ratsam. Denn diese neigen dazu, die Kopfhaut auszutrocknen. Werden sie zu häufig eingesetzt, könne sich sogar ein sogenannten Trockenheitsekzem bilden. Milde Shampoos hingegen entfetten sanft.

Haare waschen ohne Shampoo – gibt es Alternativen?

Fürs gesunde und nachhaltige Haarewaschen muss es nicht unbedingt das Shampoo aus dem Supermarkt sein. Es gibt durchaus Alternativen, die man unter anderem auch selbstmachen kann. Wichtig ist nur, dass die Ersatzprodukte waschaktive Substanzen enthalten, die Kopfhaut und Haar reinigen und entfetten. Am besten, man testet es einfach mal aus. Jeder Haartyp reagiert anders aufs Haarewaschen. Es gibt keine Shampoo-Variante, die auf jeden Kopf passt. Alternativen zum Haarshampoo können beispielsweise Haarseifen sein.