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Mutterpass: in Zukunft digital

Es gibt ihn seit 60 Jahren. Er ist das erste Dokument, das Frauen nach Feststellung der Schwangerschaft in die Hand bekommen: der Mutterpass. 2022 soll er digital werden. Wo liegen die Vorteile?

Gesundheit im Blick

„Herzlichen Glückwunsch – Sie bekommen ein Baby!“ Wenn Frauenarzt oder -ärztin oder die Hebamme eine Schwangerschaft festgestellt haben, bekommt die werdende Mama einen Mutterpass ausgestellt. In diesem hellblauen Untersuchungsheft werden alle Untersuchungsergebnisse dokumentiert, die im Laufe der Schwangerschaft, nach der Geburt und im Wochenbett gemacht werden: Gewichtsentwicklung, Blutuntersuchungen wie z. B. zur Schwangerschaftsdiabetes, Wachstumskurven, Ultraschalle, der voraussichtliche Geburtstermin und vieles mehr.

Alles auf elektronisch?!

Krankenkassen und ärztliche Vereinigungen beschäftigen sich derzeit mit der Entwicklung medizinischer Informationsobjekte (MIO). Darunter fallen die elektronische Patientenakte (ePA) sowie die digitale Krankschreibung. Auch den gelben Impfpass und eben den Mutterpass soll es ab 2022 in einer elektronischen Version geben.

Was bringt ein E-Mutterpass?

Der digitale Mutterpass soll als App von der jeweiligen Krankenkasse der Schwangeren zum kostenfreien Herunterladen angeboten werden. Untersuchungsergebnisse können dann direkt in der frauenärztlichen Praxis in die digitale Version eingetragen werden. Gespeichert werden sollen die Daten in einer gesicherten Cloud. Die gesamte Telematik-Infrastruktur einshcließlich Cloud wird derzeit von Fachleuten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aufgebaut. Der Berufsverband der Frauenärzte sieht bei der E-Version sowohl Vor- als auch Nachteile.

Vorteile:

  • Alle Daten sind immer da – was beim Verlust des gedruckten Mutterpasses nicht der Fall ist.
  • Die Daten können von allen anderen ärztlichen Praxen oder Kliniken ausgelesen werden. So der Plan.
  • Die werdende Mama kann den Mutterpass am Smartphone, Computer, Tablet usw. aufrufen.
  • Der elektronische Mutterpass wird in die elektronische Patientenakte integriert. Wer die Daten außer Frauenarzt bzw. -ärztin oder Hebamme noch einsehen darf, darüber entscheidet die Schwangere.

Nachteile:

  • Doppelte Buchführung nicht: Die Schwangere muss sich zwischen elektronischer und gedruckter Version entscheiden.
  • Hebammen sind derzeit noch nicht an die Telematik-Systeme der Krankenkassen angebunden und könnten demnach auch keine Daten in den elektronischen Mutterpass eintragen.
  • Private Krankenversicherungen sind ebenfalls noch nicht an das System angebunden.
  • Die Datenweitergabe funktioniert nur zwischen Ärzten und Krankenkassen innerhalb Deutschlands – bei Auslandsreisen könnte das zum Problem werden.
  • Die Datenweitergabe beim Krankenkassenwechsel und die Aufbewahrungspflicht der Daten ist ebenfalls noch nicht geregelt.

Ein Dokument für die Ewigkeit

Im Laufe der Zeit vergisst man viele Dinge. Auch wenn man sich nicht vorstellen kann, jemals etwas aus dieser eindrucksvollen Schwangerschaftsphase je aus dem Gedächtnis verlieren zu können. Dann ist es gut, einen Blick in den Mutterpass zu werfen – zum Beispiel, weil ein neues Baby unterwegs ist. Wir erläutern dir hier einige medizinische Fachwörter, die darin stehen.

  • Anamnese: Das ist die deine Krankengeschichte. Hier vermerken Arzt oder Ärztin bzw. Hebamme schwere Krankheiten, Behinderungen oder Erbkrankheiten in der Familie oder in der des Partners, Operationen, frühere Fehlgeburten, vorangegangene Entbindungen sowie besondere psychische und soziale Belastungen.
  • Besondere Befunde: Hier geht es um eine regelmäßige Medikamenteneinnahme oder mögliches Suchtverhalten. Oder körperliche Besonderheiten wie Blutungen in der Schwangerschaft, vorzeitige Wehen, zu hohen Blutdruck oder Mehrlingsschwangerschaften.
  • Blutuntersuchungen/Labortests: Dazu zählt beispielsweise die Bestimmung der Blutgruppe, der Rhesusfaktor, Antikörper-Suchtests und vieles mehr.
  • Gravidogramm: Hier tragen Arzt bzw. Ärztin oder Hebamme nach jeder Vorsorgeuntersuchung u. a. die aktuellen Werte des Schwangerschaftsverlaufs (Blutdruck, Gewicht, Nierenfunktion) und die Entwicklung des Babys ein (Lage, Bewegungen, Herztöne des Kindes, Größe und Lage der Gebärmutter).
  • Kardiotokographie (CTG) – Herzton-Wehen-Aufzeichnung! Anhand der kindlichen Herztonkurve kann der Arzt bzw. Ärztin oder Hebamme feststellen, ob es dem Baby gut geht. Wehen zeigen sich dort auch.
  • Epikrise: dokumentiert die Abschlussuntersuchung nach der Geburt (Geburtsverlauf, Besonderheiten im Wochenbett sowie die gemessenen Gesundheitswerte des Babys nach der Geburt)