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Mundhygiene macht stark gegen Corona

Ein entzündetes Zahnfleisch erleichtert Coronaviren den Eintritt in den Körper. Betroffene haben – das zeigen Untersuchungen – vermehrt schwere Verläufe mit COVID-19. Ganz wichtig ist daher ein gesundes Zahnfleisch durch eine gute Mundhygiene.

Im Mund beginnt die Immunabwehr

Eine Studie der Universität Leeds zeigt, wie wichtig eine gesunde Mundhygiene im Kampf gegen das Coronavirus ist. Denn danach haben Menschen mit geschwollenem oder blutendem Zahnfleisch ein um bis zu 70 Prozent höheres Risiko, an einer COVID-19-Infektion zu versterben. Es ist bekannt, dass das Coronavirus hauptsächlich über kleine Verletzungen in Mund- und Rachenraum in den Körper eindringt. Daher sind eine starke Immunabwehr der Mundhöhle und eine gesunde Mundschleimhaut die erste Hürde für die Viren.

Eine chinesische Forschungsgemeinschaft unterstreicht den Stellenwert der Mundhygiene für die Gesundheit. Oft lässt sich eine schlecht gepflegte Mundhöhle als Quelle für Infektionen und Erkrankungen ausmachen. Das zeigen Untersuchungen in chinesischen Krankenhäusern. Ist das Zahnfleisch entzündet, dann steigt das Risiko für eine weitere bakterielle Infektion. Betroffene erkranken überproportional häufig an einer Lungenentzündung oder versterben im schlimmsten Fall an einer Sepsis (Blutvergiftung).

Eine weitere Studie mit fast 100.000 Menschen hat sogar über einen Zeitraum von zwölf Jahren den engen Zusammenhang von Mundhygiene und Lungenentzündung belegt. Durch eine Zahnfleischbehandlung konnte das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, um 31 Prozent gesenkt werden; durch eine intensivierte Therapie sogar um bis zu 66 Prozent. Für Patienten, die neben einer Zahnfleischentzündung auch Diabetes hatten, war das Risiko, eine Lungenentzündung zu entwickeln, sogar um 78 Prozent erhöht.

Weniger Komplikationen durch orale Prävention

„Die orale Prävention stärkt die Immunkompetenz am Entstehungsort der Virusinfektion und hilft über diese Fitmacherfunktion, sie zu vermeiden oder ihren Verlauf abzumildern“, so Professor Dr. Roland Frankenberger von der Universität Marburg in einer Veröffentlichung der Mundgesundheitsstiftung (DMS). Zusammen mit dem Mainzer Diabetologen Professor Dr. Andreas Pfützner fordert er, die aktuellen Empfehlungen zur Prävention von SARS-CoV-2 um die Behandlung des Mund- und Rachenraumes für eine ausreichende Mundhygiene zu erweitern. Ganz wichtig sei daher: Patienten sollten auch während der Corona-Pandemie ihre Termine zur Zahnprophylaxe keinesfalls verschieben oder absagen! Die Bemühungen um ein gesundes Zahnfleisch müssten eher verstärkt werden.

DMS – Die Mundgesundheits-Stiftung

Die Mundgesundheitsstiftung setzt sich für die interdisziplinäre Verknüpfung von Medizin und Zahnmedizin ein. Hauptanliegen der Stiftung ist es, Patienten über die Zusammenhänge zwischen allgemeiner und oraler Gesundheit aufzuklären. Ganz wichtig ist dabei auch das Thema Mundhygiene. Die Stiftung organisiert Informationsveranstaltungen für Mediziner, Zahnmediziner und Patienten. Sie trägt so aktiv zur interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Motivation von Patienten bei, um die Prävention oraler und systemischer Erkrankungen zu verbessern. Auch im Kampf gegen COVID 19 ergreift die Mundgesundheitsstiftung die Initiative und bündelt die Erfahrung von Experten vor Ort (Zahnarztpraxen), Industrie sowie Vereinen und Verbänden.

Hygiene-Tipps, wenn Besuch kommt

Zurzeit sind Besucher aufgrund der Kontaktbeschränkungen rar und treten – wenn überhaupt – nur vereinzelt auf. Was aber machen, wenn tatsächlich mal jemand die Wohnung betritt. Wie schützt man sich und seinen Besuch vor dem Coronavirus? Neben der üblichen AHA-Regel ist auch für Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow, Honorarprofessor für Krankenhaushygiene an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, die orale Immunbarriere einer der wichtigsten Bausteine beim Schutz vor dem Virus. Seine Empfehlungen lauten:

  1. Mundspülung: Eine Desinfektion der Mundhöhle mit medizinischer Mundspülung zur Mundhygiene ist ein gutes Mittel, Coronaviren abzutöten oder zu inaktivieren. Die Viruslast nimmt nach Spülung von Mund- und Rachenbereich deutlich ab. Der Mediziner schätzt die Wirkung sogar höher ein als das Lüften, was deshalb aber keinesfalls entfallen sollte.
  2. Lüften: Wenn Besuch in der Wohnung ist, dann lüften Sie ausgiebig davor und währenddessen – am besten alle 20 Minuten. Besser ist es natürlich, sich draußen zu treffen. Da ist die Infektionsgefahr deutlich niedriger.
  3. Geschirr reinigen: Coronaviren werden ab 70 Grad vernichtet. Im Geschirrspüler wird diese Temperatur meist erreicht. Hinzu kommt, dass Geschirrspüler-Tabs recht wirksam gegen Fett sind. Das Corona-Virus hat eine Fetthülle, die sich mit Fettlösern durchbrechen lässt. Dann geht es dem Virus an den Kragen.
  4. Bad und Toilette reinigen: Sollte der Besuch das Bad benutzen, genügt es, mit üblichen Reinigungsmitteln Waschbecken und Toilette zu putzen. Eine besondere Desinfektion ist nicht erforderlich.