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Mikroplastik in Babyflaschen – was Eltern beachten sollten

Was ist mit Mikroplastik in Babyflaschen? Sind Babyflaschen aus Plastik gesundheitsschädlich? Bisher gaben Experten auf die Fragen besorgter Eltern weitestgehend Entwarnung. Jetzt sorgt ein Experiment am irischen Trinity College für neuen Zündstoff.

Irische Studie zeigt: zu viel Mikroplastik in Babyflaschen

Glasflasche oder Plastikflasche? Wer sein Baby nicht – oder nicht mehr – stillt, steht vor der Qual der Wahl. Das Ergebnis eines Experiments des AMBER-Forschungszentrums des Trinity College in Dublin könnte jetzt den Daumen zugunsten der Glasflasche heben.

Die irischen Forscherinnen und Forscher haben getestet, was passiert, wenn sie sich bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung in Kunststoff-Flaschen an die gängigen Hygieneempfehlungen halten (zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation WHO). Demnach sollen Babyflaschen zunächst mit kochendem Wasser ausgespült werden, bevor darin dann die Säuglingsnahrung mit 70 Grad Celsius heißem Wasser aufgegossen und angeschüttelt wird. Der Grund: Durch die hohen Wassertemperaturen werden gesundheitsschädliche Keime abgetötet.

Je heißer das Wasser, desto mehr Mikroplastik wird freigesetzt

Ihr Experiment führten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an zehn gängigen Babyflaschen aus Polypropylen (PP) beziehungsweise Flaschen mit PP-Anteilen durch. Flaschen aus oder mit Polypropylen machen mehr als 80 Prozent der weltweit verkauften Babyflaschen aus. Mittels Laser-Spektroskopie und Rasterkraftmikroskopie maßen sie anschließend im Wasser der Fläschchen die Menge der Kunststoffpartikel. Das Ergebnis: Die Menge der Plastikteilchen im Wasser war extrem hoch und lag zwischen 1,3 und 16,2 Millionen Mikroplastikpartikeln pro Liter. Zum Vergleich: Im normalen Trinkwasser liegt die Konzentration bei maximal 1.000 Partikeln pro Liter.

Die hohen Werte an Mikroplastik in Babyflaschen schwächten sich auch durch einen längeren Gebrauch nicht ab und waren auch nach drei Wochen gleichbleibend hoch. Zudem stieg der Anteil der Mikroplastikteile mit der Temperatur des eingefüllten Wassers an – je heißer das Wasser, desto mehr Partikel. Die größte Anzahl von Partikeln gaben dabei die Flaschen aus reinem Polypropylen ab.

Gesundheitliche Auswirkungen sind noch nicht erforscht

Die Plastikbelastung im Körper sei vermutlich sogar noch weitaus höher, schätzen die Forscherinnen und Forscher. Denn Nanopartikel wurden in diesem Experiment gar nicht berücksichtigt. Sie sind kleiner als 0,8 Mikrometer und wurden von den Filtern nicht erfasst. In Stichproben des Babyfläschchen-Wassers fand das Dubliner Team jedoch Billionen rund 100 Nanometer kleiner Plastikpartikel.

Ob das Mikroplastik in Babyflaschen für Kinder gesundheitliche Folgen haben kann und wenn ja, welche, darüber sagt dieses Experiment nichts aus. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.

Babyfläschchen – wie sterilisieren und abkühlen?

Wer nicht auf die – durchaus praktischen und bruchsicheren – Plastikflaschen verzichten möchte, kann die Mikroplastikbelastung senken. Das Dubliner Team um den Wissenschaftler Dunzhu Li empfiehlt, die Fläschchen nach dem Sterilisieren abkühlen zu lassen. Danach sollte man sie drei Mal mit abgekochtem, kaltem Wasser ausspülen und die Milchnahrung in einem gesonderten Gefäß (nicht aus Plastik!) mit 70 Grad heißem Wasser anrühren, abkühlen lassen und erst dann in die Flasche füllen.

Babynahrung zubereiten: Empfehlungen aus Deutschland

Unabhängig von den Erkenntnissen der irischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rät das Netzwerk „Gesund ins Leben“ Eltern hierzulande, Säuglingsnahrung wie folgt zuzubereiten:

  • Trinkwasser aus der Leitung verwenden: Einfach ablaufen lassen, bis es kühl ist, dann nur auf 30 – 40 °C erwärmen. Abkochen ist nicht nötig.
  • Kein Wasser verwenden, das mit dem Boiler erwärmt wurde. Auch Wasserfilter eignen sich wegen ihres hohen Keimgehaltes nicht.
  • Trinkwasser aus der Leitung sollte nur dann nicht genommen werden, wenn im Haus alte Bleirohre liegen. Auch Trinkwasser aus Hausbrunnen sollte nur nach Bestätigung einer einwandfreien Wasserqualität verwendet werden.
  • Bei ungeklärter Wasserqualität empfiehlt sich abgepacktes, stilles Wasser mit der Kennzeichnung „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“.
  • Die Fläschchennahrung nach Anweisung auf der Packung und erst kurz vor dem Füttern zubereiten.
  • Reste wegschütten und nicht noch mal verwenden.
  • Auf Hygiene achten: Vor der Zubereitung immer die Hände gründlich mit Seife waschen und rohe Lebensmittel nicht gleichzeitig in der Nähe zubereiten. Babyflaschen und Sauger müssen nach jeder Mahlzeit gründlich gereinigt werden –  Gummisauger gelegentlich auskochen, bei Silikonsaugern ist dies nicht erforderlich.

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