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Mehr Fehltage und psychischer Druck

Krankenkassen sehen mehr Fehltage und Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen in der Corona-Pandemie. Die COPSY-Studie zeigt, wie sehr speziell Kinder und Jugendliche unter der seelische Belastung leiden.

Je länger, umso schlimmer

Seit über einem Jahr wird unser öffentliches und privates Leben durch COVID-19 bestimmt. Kamen wir anfangs noch ganz gut durch die Pandemie, zehren die immer wiederkehrenden Lockdowns mittlerweile an den Nerven. Bereits nach sechs Monaten zeigte sich, wie sehr die Pandemie psychisch belastet. Dieser Effekt scheint sich nun weiter verstärkt zu haben. In ersten Linie betroffen sind Mütter sowie Kinder und Jugendliche, deren Alltag durch das Virus auf den Kopf gestellt wird.

Eine weitere Gruppe von Menschen, die bereits vor Corona psyschisch erkrankt waren, leidet verstärkt unter sozialer Isolierung und der Angst, sich mit COVID-19 zu infizieren. „Unsere aktuelle Analyse zeigt, wie gerade Menschen mit psychischen Problemen unter den Pandemie­einschränkungen und -belastungen leiden“, sagte Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

Häufigste Ursache der Krankschreibungen mit 56 Prozent mehr Fehltage im Vergleich zum vorangegangen Jahr waren psychische Erkrankungen. Wichtigste Ursache: Depressionen. Bei den sogenannten Anpassungsstörungen, einer speziellen Form der Depression, gab es den größten Zuwachs, nämlich acht Prozent.

Mehr Fehltage vor allem bei Frauen

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse hatte bereits für das erste Halbjahr 2020 über mehr Fehltage und einen Anstieg bei den Krankschreibungen berichtet. Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen stiegen laut KKH im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum sogar um 80 Prozent.

Für den Psychreport hat das Berliner IGES Institut Daten von mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten ausgewertet. Eingegangen sind alle Fehlzeiten, für die eine Arbeitsunfähig­keits­bescheinigung mit einer psychischen Diagnose an die Kasse geschickt wurde. Es waren vor allem Frauen, die mehr Fehltage meldeten. Bei den Männern konnte kein signifikanter Anstieg gefunden werden. Ein psychischer Krankheitsfall dauerte im Jahr 2020 überdurchschnittlich lang und zwar 39 Tage.

COPSY-Studie

COPSY ist bundesweit die erste und international eine der wenigen Längsschnittstudien ihrer Art. In der COPSY-Studie untersuchen Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf seelische Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Von Mitte Dezember 2020 bis Mitte Januar 2021 wurden mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche sowie mehr als 1.600 Eltern mittels Online-Fragebogen befragt.

Leiden stark: Kinder und Jugendliche

So lassen sich die Ergebnisse der COPSY-Studie zusammenfassen: Kinder und Jugendliche leiden psychisch weiterhin stark unter Corona-Pandemie. Ihre Lebensqualität und psychische Gesundheit hat sich im Verlauf der Corona-Pandemie weiter verschlechtert. Nach einem Jahr seit Beginn der Pandemie zeigen sich fast bei jedem dritten Kind psychische Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste der Jüngsten haben noch einmal zugenommen, auch depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden lassen sich verstärkt beobachten. Vor allem Kinder und Jugendliche aus wirtschaftlich schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund betroffen.

Hilfe finden

  • Einsamkeit überwinden: Die besten Strategien.
  • Psychotherapeuten finden: Tipps und Hilfen.
  • Kostenlose Telefonseelsorge der Katholischen und Evangelischen Kirche: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123 oder online.
  • Spezielle Hilfsangebote bei Depression findet ihr unter anderem auf der Seite ifightdepression, einer länderübergreifenden Informationsseite zum Thema.