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Cybermobbing: Immer mehr Kinder betroffen

Ausgeschlossen, gedemütigt und beleidigt werden via Internet: Fast zwei Millionen Schülerinnen und Schüler kennen das Problem aus eigener Erfahrung. Hier finden Betroffene Hilfe zur Selbsthilfe.

Cybermobbing: Und raus bist du!

Immer mehr Schülerinnen und Schüler werden Opfer von Demütigungen im Netz. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch verschärft. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie „Cyberlife III – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern“. Sie wurde vergangenen November vom „Bündnis gegen Cybermobbing“ und der Techniker Krankenkasse (TK) durchgeführt. Rund 6.000 Eltern, Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche haben darin ihre Erfahrungen mit dem Phänomen geschildert.

Ergebnis: Fast zwei Millionen Schülerinnen und Schüler sind – so die Schätzung – heute Opfer von Cybermobbing. Seit 2017 ist die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen um 37 Prozent gestiegen. Waren es 2017 noch rund 13 Prozent, denen Hass und Häme aus dem Netz entgegenschlug, stieg die Zahl 2020 auf 17,3 Prozent. Mädchen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Jungen (42 Prozent zu 33 Prozent).

Zudem werden die gemobbten Kinder offensichtlich immer jünger: Laut Elternaussagen erleidet derzeit jedes 10. Grundschulkind Mobbing im virtuellen Raum – nach Angaben der befragten Schülerinnen und Schüler liegt der Anteil bei den 13- bis 17-Jährigen sogar bei rund 25 Prozent. 

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing oder auch Cyberbullying ist die virtuelle Form von Mobbing: Da werden Mitschülerinnen und Mitschüler ausgegrenzt, es wird sich über sie lustig gemacht, sie werden beleidigt und bedroht – nur eben nicht face-to-face, sondern via Smartphone, in Chats oder Communitys auf diversen Plattformen im Internet.

Laut Angaben der in der Studie befragten Kinder und Jugendlichen drückt sich virtuelles Mobbing am häufigsten in Form von Beschimpfungen und Beleidigungen aus (72 Prozent), gefolgt von Lügen und Gerüchten, die verbreitet werden (58 Prozent). Die Ausgrenzung erfolgt beispielsweise durch das Ablehnen von Kontaktanfragen in sozialen Netzwerken. 30 Prozent der Betroffenen geben auch an, dass peinliche Fotos oder Filme geteilt beziehungsweise verschickt werden. Aber auch Erpressung und Bedrohung gehören dazu.

Cybermobbing und seine fatalen Folgen

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt und auch kein Verhalten, mit dem sich Betroffene abfinden dürfen. Denn die gesundheitlichen Folgen können nachwirken. Wer so drangsaliert wird, leidet lange. „Mobbing kann massive Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben“, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Dr. Jens Baas. „Dazu gehören zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen und Depressionen. Gerade Kinder und Jugendliche sind emotional besonders verletzlich. Nicht selten leiden die Betroffenen noch jahrelang an den Spätfolgen.“ Bei fast einem Viertel der Cybermobbingopfer, also bei rund 450.000 Schülerinnen und Schülern, führt das sogar zu Selbstmordgedanken. Ein Fünftel greift zu Alkohol oder Tabletten.

Dass sich das Cybermobbing in Zeiten von Corona und Lockdown verstärkt, liegt für die Initiatoren der Studie auf der Hand: Kinder und Jugendliche haben ihre Aktivitäten und sozialen Kontakte zwangsläufig ins Internet verlagert.

Was denken sich Mobber?

Was geht eigentlich im Kopf von Leuten ab, die andere via Internet persönlich beleidigen, bloßstellen, Unwahrheiten verbreiten und sie fertig machen wollen? Gefragt nach ihren Motiven, gaben die Mobber an, dass „die Person es verdient habe“ oder weil sie „Ärger mit der Person hatten“. Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing: „Die Zahlen zeigen uns auch, dass sich das gelernte „negative Verhalten“ der Jugendlichen nicht verändert hat, weil es nicht sanktioniert wurde. Die Täter kommen fast immer ungestraft davon. In vielen Fällen ist vor allem die Anonymität im Netz das Problem.“

Hilfe für Betroffene

Kinder und Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, brauchen Hilfe und Unterstützung. Die bekommen sie zum Beispiel hier: