Kategorien
News

Long-COVID bei Kindern eher selten

Die Ergebnisse einer aktuellen englischen Studie lassen vermuten, dass Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen viel seltener eine Rolle spielt als bei Erwachsenen – zumindest, wenn es um die ersten Virus-Varianten geht. Könnte das auch Auswirkung aufs Impfen haben?

Nach sechs Tagen symptomfrei

Kinder, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, haben die Krankheit durchschnittlich nach sechs Tagen überwunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine englische Studie, die Anfang August im Fachmagazin „The Lancet Child & Adolescent Health“ veröffentlich wurde. Forscherinnen und Forscher unter anderem des King’s College haben dabei die Daten von 1.734 Kindern im Alter zwischen 5 und 17 Jahren ausgewertet.

Eltern oder andere Erziehungsberechtigte hatten mittels einer App die Symptome der Kinder festgehalten, nachdem diese positiv auf Corona getestet wurden. Sie beendeten ihre Aufzeichnungen, wenn die Kinder genesen waren. Insgesamt lag der Zeitraum der Studie zwischen 1. September 2020 und 22. Februar 2021.

Typische Symptome bei Kindern

Die Studie zeigt, dass Kinder insgesamt durchschnittlich drei typische COVID-19-Symptome hatten, allen voran Kopfschmerzen (62 Prozent) und Müdigkeit („Fatigue“, 55 Prozent). Zeitweise verloren viele auch ihren Geruchs- und Geschmackssinn. Insgesamt jedoch waren die jüngeren Kinder nach fünf Tagen wieder symptomfrei, die Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren nach sieben Tagen.

Long-COVID bei Kindern?

Doch wie sieht es bei den Langzeitfolgen für die jungen Patientinnen und Patienten aus? Hier zeigte sich, dass 4,4 Prozent der Kinder nach vier Wochen noch über Müdigkeit (Fatigue), Kopfschmerzen und den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns klagten. Fatigue betraf dabei etwas mehr Kinder (84 Prozent) als Kopfschmerzen oder der den Verlust des Geruchs- beziehungsweise Geschmackssinns (77,9 Prozent). Nach zwei Monaten konnten über 98 Prozent der betroffenen Kinder keine Langzeitfolgen mehr spüren. Auch hier waren die Jüngere schneller wieder fit als die Älteren.

Kinder impfen oder nicht impfen?

Das ist hier die Frage, mit der Familien derzeit konfrontiert sind. Zwar gibt bereits zugelassene Impfstoffe für Kinder ab 12 Jahre. Bisher werden diese jedoch von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) nur für Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen empfohlen. Seitens der Politik, der Sächsischen Impfkommission (SIKO) oder dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wird hingegen empfohlen, dass alle Kinder und Jugendlichen dieses Angebot wahrnehmen. Auch hinsichtlich einer angestrebten Herdenimmunität sei das wichtig, sagen viele Expertinnen und Experten.

Dennoch hat die STIKO bisher aufgrund noch auszuwertender Datensätze keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen. Warum? Weil eine Impfung für die Geimpften immer im Verhältnis zu dem Gesundheitsrisiko steht, das durch die mögliche Infektion mit der Krankheit besteht.

Die Daten der aktuellen Studie aus England zu Long-COVID bei Kindern scheinen eine schwere Gefährdungslage der Kinder derzeit nicht zu stützen. Allerdings, so Fachleute, ist in dieser Studie noch nicht die neue Delta-Variante des Coronavirus berücksichtigt. Studien über deren Auswirkung stehen derzeit aber noch aus.