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Lebensmittel retten beginnt beim Einkauf

Ein großer Teil der Lebensmittelabfälle entsteht zu Hause. Welche davon sind unnötig und wie lassen sich Lebensmittel retten? Zu diesen Fragen läuft aktuell ein Forschungsprojekt, an dem alle teilnehmen können. 

Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten

Insgesamt landen in Deutschland etwa 12 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr in der Tonne. Mehr als die Hälfte der Abfälle entsteht zu Hause in der eigenen Küche. Das sind umgerechnet etwa 75 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Rund 40 Prozent davon könnten vermieden werden – so das Ergebnis einer Tagebuchstudie des Marktforschungsunternehmens GfK SE.

In einem weiteren Projekt, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt wird, soll nun untersucht werden, wie sich diese Abfälle reduzieren lassen und welche Maßnahmen Lebensmittel retten. Das Besondere an diesem Projekt: Alle Bürgerinnen und Bürger können mitmachen und zu Forschenden werden.

„Citizen Science“: Deutschland rettet Lebensmittel

Das sogenannte Citizen Science-Projekt geht der Frage nach, wie sich Lebensmittelabfälle in der eigenen Küche reduzieren und Lebensmittel retten lassen. Das Projekt wird im Rahmen des „Dialogforums private Haushalte“ durchgeführt. Hintergrund ist die im Februar 2019 beschlossene „Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung„. Die Leitung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin, des europäischen Ecologic Instituts sowie der Initiative Slow Food Deutschland.

Wer mitmachen möchte, braucht kein Vorwissen, nur ein Smartphone oder einen internetfähigen Computer. Und so läuft das Ganze ab:

  • Phase 1: Die Anmeldung ist ab sofort und bis spätestens zum 21. September 2022 möglich. Zuerst bekommt ihr Zugang zu einem Online-Fragebogen, den ihr ausfüllen müsst. Dann beginnt die Forschungswoche. In einem digitalen Küchentagebuch haltet ihr fest, welche und wie viele Lebensmittelabfälle jeden Tag und in der Woche entstehen. 
  • Phase 2: Während der bundesweiten Aktionswoche vom 29. September bis 6. Oktober 2022 laufen viele Aktionen, die helfen sollen Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Wer mag, kann sich eine Aktion aussuchen, mitmachen und die Maßnahmen im Alltag umsetzen.
  • Phase 3: Ihr bekommt wieder einen Online-Fragebogen und ein digitales Küchentagebuch. Im Zeitraum vom 8. bis 31. Oktober 2022 könnt ihr erneut eine Woche lang eure Lebensmittelabfälle messen und aufschreiben, wie sich euer Umgang mit Lebensmitteln durch die Aktion verändert hat. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin erhalten im Anschluss die anonymisierten Daten aus den Fragebögen und Tagebüchern und werten diese aus. Sie wollen herausfinden, welche Maßnahmen am besten geholfen haben und Lebensmittel retten.

Ihr wollt mitmachen und Lebensmittel retten? Hier geht es zum Citizen Science-Projekt.

Welche Lebensmittel landen besonders häufig in der Tonne?

In der repräsentativen GfK-Studie aus dem Jahr 2020 wurde auch untersucht, welche Lebensmittel zu Hause vor allem weggeworfen werden. Hier die Top 5 der vermeidbaren Lebensmittelabfälle: 

  1. Obst und Gemüse (35 Prozent)
  2. zubereitete Speisen (15 Prozent)
  3. Brot & Backwaren (13 Prozent)
  4. Getränke (12 Prozent)
  5. Milchprodukte (9 Prozent)

Die weggeworfenen Lebensmittel waren entweder verdorben oder schlecht geworden. Weitere Gründe waren: Die Lebensmittel sahen alt und unappetitlich aus. Es wurde zu viel gekocht und zu viel gekauft. 

Lebensmittel retten und teilen

  • Wer zu viele Lebensmittel gekauft hat oder in Urlaub fährt, kann diese über die Plattform foodsharing.de mit anderen teilen.
  • Mit der App Too Good To Go  kann man Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien und Restaurants kaufen, die übrig geblieben sind und sonst vernichtet werden müssten. Meistens ist es eine Wundertüte zum reduzierten Preis.

Planvoll einkaufen

Lebensmittel retten? Das fängt bereits beim Einkaufen an. Denn wer nur das kauft, was gebraucht wird, hat später nicht zu viel im Kühl- und Vorratsschrank. Ein Wochenplan hilft dabei.

Ein weiterer Tipp: Nicht hungrig in den Supermarkt gehen. Sonst landet oft mehr im Einkaufswagen als man eigentlich wollte. Sonderangebote und große Packungen – wenn man sie nicht braucht – besser liegen lassen. Die Preisersparnis ist zwar verlockend, aber was zu viel gekauft wird, landet später wahrscheinlich im Müll. Lieber die Einkaufsliste im Blick behalten. 

Lebensmittel richtig lagern

Damit Obst, Gemüse & Co. nicht zu schnell verderben, müssen sie richtig gelagert werden. Auch so lassen sich Lebensmittel retten. Zu Hause angekommen solltet ihr den Einkauf also gut verstauen.

  • Zuerst den Kühl- und Tiefkühlschrank einräumen.
  • Darauf achten, dass die Produkte, die zuerst gegessen werden müssen, vorne stehen. Die länger haltbaren Lebensmittel nach hinten stellen.
  • Salat, Kräuter und Spargel in ein feuchtes Tuch einschlagen und ins Gemüsefach legen.
  • Als Faustregel für Obst gilt: Heimisches Obst wie Äpfel, Kirschen und Pflaumen lagern im Kühlschrank gut. Exotische Früchte mögen es lieber wärmer. Hier sollte man nur Feigen und Kiwis in den Kühlschrank räumen.
  • Viele Gemüsearten wie zum Beispiel Möhren, Spinat, Blumenkohl oder Brokkoli sind im Gemüsefach des Kühlschranks optimal aufgehoben. Stark wasserhaltige Gemüsearten wie Paprika, Gurke und Tomaten lieber nicht in den Kühlschrank packen. Tomaten können an Aroma verlieren, Gurken weich werden.