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Krankschreibung per Videosprechstunde bald möglich

Wer arbeitsunfähig ist, muss künftig nicht mehr unbedingt in die Arztpraxis kommen. Unter bestimmten Umständen ist auch eine Krankschreibung per Videosprechstunde erlaubt. Eine Anpassung der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie macht es möglich.

Neue Regeln erlauben Krankschreibung auf Distanz

Ein Besuch beim Arzt ist für einige Patienten schwierig – entweder, weil es der körperliche Zustand nicht zulässt oder weil die Praxis schwer zu erreichen ist. Hinzu kommen mitunter lange Wartezeiten und die Sorge, sich anzustecken oder selbst ansteckend zu sein.

Gute Nachrichten für kranke Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Sie müssen künftig nicht unbedingt zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu erhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen soll auch eine Krankschreibung per Video möglich sein. Hintergrund ist eine Anpassung der sogenannten Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits Mitte Juli beschlossen hat – allerdings nicht mit Blick auf die Corona-Pandemie, wie die Verantwortlichen betonen.

Die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie regelt die Feststellung und Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit. Sie ist für Ärztinnen und Ärzte sowie ­für Krankenhäuser, zum Beispiel im Rahmen des sogenannten Entlassmanagements, verbindlich. Grundsätzlich gilt, dass die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und ihrer voraussichtlichen Dauer sowie die Ausstellung der Bescheinigung nur aufgrund einer ärztlichen Untersuchung erfolgen darf.

Wann ist eine Krankschreibung per Video möglich?

Für eine Krankschreibung per Videosprechstunde müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehören:

  • Der behandelnde Arzt muss die Patientin oder den Patienten kennen.
  • Die Erkrankung muss eine Untersuchung per Videosprechstunde zulassen.
  • Patientinnen und Patienten können sich per Videosprechstunde maximal sieben Kalendertage arbeitsunfähig schreiben lassen.
  • Nur wer zuvor durch eine persönliche Untersuchung krankgeschrieben wurde, kann dies per Videosprechstunde verlängern lassen.

Das geht nicht:

  • Sich von einem bisher unbekannten Arzt per Video krankschreiben lassen.
  • Auch wer nur mit der Praxis telefoniert oder seine Krankheit per Chat oder Online-Fragebogen schildert, bekommt keine AU-Bescheinigung.

Kein Anspruch auf Krankschreibung per Video

Der neue Weg kann für viele Erkrankte eine Erleichterung bringen, einen Anspruch darauf haben sie jedoch nicht. „Als Standard für die Feststellung von Arbeitsunfähigkeit gilt weiterhin die unmittelbare persönliche Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt“, stellt Dr. Monika Lelgemann vom Gemeinsamen Bundesausschuss klar. „Im Einzelfall soll aber die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit über eine Videosprechstunde möglich sein, ganz unabhängig von Pandemiegeschehnissen.“

Was ist eigentlich der Gemeinsame Bundesausschuss?

Etwa 73 Millionen Menschen sind in Deutschland gesetzlich krankenversichert. Sie haben Anspruch auf eine „ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung“. So will es der Gesetzgeber. Was das konkret bedeutet, regelt der Gemeinsame Bundesausschuss. Er legt zum Beispiel fest, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden und kümmert sich um die Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung.

Immer mehr Arztpraxen bieten Videosprechstunde an

Videosprechstunden sind grundsätzlich auf dem Vormarsch, wie die repräsentative Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2020“ zeigt: Rund die Hälfte der 2.128 im Mai befragten Ärztinnen und Ärzte bietet diesen Service bereits an. Etwa jede zehnte Praxis plant, die Videosprechstunde kurzfristig einzuführen. Das ist ein enormer Zuwachs. Noch vor drei Jahren boten weniger als zwei Prozent eine Videosprechstunde an. Rund drei Prozent gaben an, sie künftig nutzen zu wollen.

Wissenswertes zum Thema Medizin

Apropos krank: In unserer Rubrik Medizin erfährst du, wie dein Körper funktioniert, was es mit bestimmten Symptomen auf sich hat und was du tun kannst, um gesund zu werden beziehungsweise gesund zu bleiben.