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Krätze kommt wieder

Krätze ist die Ratte von Harry Potters Freund Ron? Stimmt! Aber sie ist auch eine Hautkrankheit, die sich derzeit immer weiter verbreitet.

Zu Pandemiebeginn rückläufig

Wer Krätze hat, leidet meistens unter einem starken Hautjucken. Auch rote Quaddeln können erste Anzeichen dafür sein. Hervorgerufen wird diese Hautkrankheit durch Krätzmilben (Skabiesmilben). Sie kann uns alle treffen, auch wenn die Ansteckung bei Kindern, Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und im Seniorenalter tendenziell etwas häufiger zu sein scheint. Nach aktuellen Veröffentlichungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) seien die Erkrankungszahlen zu Beginn der COVID-19-Pandemie zwar kurzfristig rückläufig gewesen. Jetzt nähme diese Hautkrankheit wieder Fahrt auf, so das Forschungsteam.

Krätze ist ansteckend

Wie viele Menschen derzeit bundesweit an Skabies erkrankt sind, wird nicht zentral erfasst. Denn Krätze ist keine meldepflichtige Erkrankung. Doch laut DDG gibt es immer wieder lokale Ausbrüche der Krankheit. Aufgrund von Diagnosedaten und Medikamentenverschreibungen, die einzelne Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen und Apotheken ausgewertet haben, gehen die Fachleute von mehreren Tausend Erkrankungsfällen im Jahr aus. Auch das Robert Koch-Institut zählt Krätze zu den verbreiteteren Infektionskrankheiten.

Besonders betroffen sind Familien oder Wohn- und Betreuungseinrichtungen, in denen viel Haut-zu-Haut-Kontakt besteht. Dabei gilt: Je mehr Krätzmilben die Haut bevölkern, umso größer ist die Ansteckungsgefahr. Sind die Krätzmilben allerdings von ihrem Wirt (Menschen) getrennt, überleben sie maximal zwei Tage. Vorausgesetzt, die Raumtemperatur liegt bei 21 Grad und die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 80 Prozent. Bei höheren Temperaturen sterben sie schneller.

Gründe für den Anstieg

Warum Krätze derzeit wieder gehäuft auftritt, darüber gibt es nur Vermutungen. Laut Professor Cord Sunderkötter, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie Halle, spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Dazu zähle, dass bei Erwachsenen generell sexuell übertragbare Krankheiten wieder zunähmen. Zudem würde die Krankheit bei Kindern oft übersehen und könne so weitergetragen werden.

Areale, die Krätzmilben lieben

Krätzmilben dringen dabei in die oberste Hautschicht des Menschen ein und graben dort kleine Tunnel zur Ei-Ablage. Beliebt sind Areale, an denen die Haut dünn ist und die warm und feucht sind:

  • Zwischenräume bei Fußzehen und Fingern
  • Handkanten und Fußränder
  • Ellbeugen und Ellbogen
  • Achselhöhlen
  • Brustwarzenhof
  • Bauchnabelregion
  • Po- und Analfalte
  • Leistengegend
  • Penisschaft

Juckreiz – die Immunantwort

Wer sich mit Krätze ansteckt, merkt meistens erstmal – nichts. Oft vergehen Wochen, bis sich die ersten Symptome der Krätze zeigen: Ein starkes Jucken, besonders nachts im warmen Bett. Auch Ekzeme treten auf. Beim genaueren Hinsehen lassen sich kleine längliche Knötchen und Erhabenheiten an der Haut erkennen, wo die Krätzmilben ihre Tunneleingänge „gegraben“ haben. Die Krätzmilben selbst kann man nur mit dem Horoskop erkennen.

Krätze wirkungsvoll behandeln

Gegen Krätze gibt es spezielle Medikamente, die auf die Haut aufgetragen (Cremes, Sprays, Salbe) oder eingenommen werden (Tabletten). Sie töten die Milben, Larven und Eier ab. Wichtig ist, die Behandlung sorgfältig und so lange wie nötig durchzuführen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Hautkrankheit wieder ausbricht. Alle Menschen, die mit dem oder der Erkrankten Hautkontakt hatten, sollten sicherheitshalber mitbehandelt werden. In dieser Zeit sollte man Körper- beziehungsweise Hautkontakt zu anderen vermeiden, so die ärztliche Empfehlung.

„Auch in Pandemiezeiten sollten die Menschen schnell zu Hautärztin oder Hautarzt gehen, wenn sie Anzeichen einer Krätze bemerken!“

Professor Dr. med. Peter Elsner (DDG)

Hygiene ist wichtig

Um die Ausbreitung von Krätze zu verhindern, ist Sorgfalt bei der Hygiene gefragt.

  • Bettwäsche und Handtücher täglich wechseln.
  • Bettwäsche, Handtücher, Kuscheltiere und Schmusedecken bei 60 Grad Celsius waschen.
  • Geht das nicht, Gegen­stände und Tex­tilien in Plastik­säcke einpacken und 72 Stunden bei mindestens 21 Grad Celsius lagern. Textilien, die nicht waschbar sind, gegebenenfalls chemisch reinigen.
  • Polstermöbel mit einem starken Staubsauger absaugen und Filter und Staubsaugerbeutel entsorgen.
  • Hautkontakt während der Behandlung vermeiden.