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Kopfhörer im Straßenverkehr

Ja, es ein alter Hut, aber sein Hintergrund wurde jetzt wissenschaftlich abgesichert: Wer Kopfhörer im Straßenverkehr trägt, erhöht seine Unfallgefahr. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Reaktionszeit durch das akustische Abgeschottetsein um durchschnittlich mehr als vier Sekunden erhöht.

Vier Sekunden sind eine Ewigkeit

Nein, das ist nicht wieder eine Meldung, die jeden Spaß an der Musik und der Freiheit draußen beim Sport verderben möchte. Ganz im Gegenteil. Es ist einfach notwendig, mal wieder den ein oder anderen Aspekt zu thematisieren, damit es spaßig bleibt. Oder hättest du gedacht, dass In-ear-plugs die Reaktionszeit im Straßenverkehr um mindestens vier Sekunden verzögern?

Was eine Verzögerung von vier Sekunden bedeutet, kann man sich ganz einfach ausrechnen. Fährt ein Auto mit 50 Kilometern pro Stunde in der Stadt, dann legt es auf seinem Weg in jeder Sekunde 15 Meter zurück. Bei vier Sekunden sind das 60 Meter! Wenn ich also beim Joggen oder Radfahren mit Kopfhörern im Straßenverkehr unterwegs bin und verzögert reagiere, dann kann in vier Sekunden Lebensgefahr entstehen.

Der Hörsinn schützt uns

„Schallereignisse spielen eine entscheidende Rolle bei der Erfassung unserer direkten Umwelt – wir hören sehr oft wichtige Dinge um uns herum, bevor wir sie sehen“, erklärt Dr. Maria Chait, Professorin für auditive kognitive Neurowissenschaften, University College London. „Während Kopfhörer für uns in vielen Situationen von Vorteil sein können, blockieren sie auf der Straße auch wichtige akustische Warnhinweise. Dies bedeutet, dass wir möglicherweise nicht in der Lage sind, Fahrzeuge oder Verkehrsteilnehmer in der Nähe wahrzunehmen, was sie und uns möglicherweise in Gefahr bringt“, so die Forscherin weiter.

„Share the Road: Safe and Sound“

Das Ford-Projekt „Share The Road“ möchte dazu beitragen, den Verkehr im urbanen Raum sicherer zu machen. Mehr als 2.000 Freiwillige aus fünf europäischen Ländern haben an dem virtuellen Forschungsprojekt teilgenommen. Ziel war es, die Auswirkung, die Kopfhörer im Straßenverkehr haben, messbar zu machen.

Dabei wollte man natürlich nicht aus reiner Forscherneugier Menschen einer gesundheitsgefährdenden Situation aussetzen. Vielmehr wurde speziell für die Studie eine App entwickelt: „Share the Road: Safe and Sound“, so der Name der Applikation. Sie ermöglicht es, gefährliche Situationen des Straßenverkehrs zu simulieren, beispielsweise ein sich von hinten näherndes Einsatzfahrzeug, und die Reaktionsfähigkeit der Testpersonen zu messen.

Diese waren übrigens in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste hatte Musik auf den Ohren, die andere nicht. Das Ergebnis: Teilnehmende der ersten Gruppe reagierten durchscnittlich 4,2 Sekunden langsamer auf die simulierten Gefahrensituationen als die Vergleichsgruppe.

Testerinnen und Tester überrascht

In den Nachbefragungen zu den Versuchen gaben viele Probanden an, dass sie nicht mit einem solch klaren Ergebnis gerechnet hätten – mit klaren Konsequenen für ihr künftiges Verhalten im Straßenverkehr. 58 Prozent wollten demnach künftig überhaupt keine Kopfhörer im Straßenverkehr mehr tragen. 64 Prozent meinten, dass sie insgesamt seltener Musik über Kopfhörer hören möchten, wenn sie künftig unterwegs seien.

Wenn Kopfhörer im Straßenverkehr, dann …

… wähle Kopfhörer, die Außengeräusche noch durchlassen:

  • beispielsweise Muschelkopfhörer mit einem schalldurchlässigen Ohrkissen oder
  • Half In-ear Kopfhörer, denn sie werden nur locker in die Ohrmuschel eingehängt.

Nicht geeignet sind: Earbud-Hörer, denn sie werden direkt in den Gehörgang eingeführt und dichten alles schalldicht ab.

Fahrradhelm ist ebenso lebensrettend

Auch ein leidiges Thema, aber genauso wichtig: der Fahrradhelm. Denn, so mahnt das Statistische Bundesamt, die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren, hat zugenommen. Allein im Jahr 2020 waren es über 100.000. Am sichersten ist es übrigens, einen Helm mit Kopfairbag zu wählen. Der bläst sich bei einem Aufprall auf und schützt nicht nur Kopf, sondern auch Nacken, Halswirbelsäule, Kiefer und Gesicht.