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KoNaSchu: Schmerzen von Kopf bis Schulter

Kopfschmerzen sind bereits unangenehm, wenn dann aber auch noch Nacken und Schultern streiken, leidet man unter „KoNaSchu“. Im Interview verrät unser Experte Dr. David-Christopher Kubosch was hilft, um den Schmerz-Dreiklang in den Griff zu bekommen.

Was ist KoNaSchu?

Bei KoNaSchu handelt es sich um ein besonders unangenehmes Schmerz-Phänomen. Der Dreifachschmerz betrifft Kopf, Nacken und Schultern gleichermaßen – daher der Name beziehungsweise die Abkürzung. Er belastet Betroffene umfänglich und hindert sie, wie gewohnt am Alltag teilzunehmen. Die Schmerzgeplagten fühlen sich unbeweglich und regelrecht krank.

Rückenbeschwerden auf dem Vormarsch

Die vergangenen zwei Jahren sind für viele durch Homeoffice und wenig Bewegung bestimmt gewesen. Das hat seine Spuren hinterlassen. Verspannte Nacken und Schultern sind ebenso wie etwa Arthrose oder Bandscheibenvorfälle häufige Folgen von Dauersitzen, Fehlhaltung und permanenter Bewegungslosigkeit.

Eine orthopädische „Todsünde“ sei stundenlanges Verharren in derselben Sitzposition, weiß der Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist Dr. David-Christopher Kubosch. In heutigen Zeiten stelle das stundenlange Starren auf Handys ebenfalls eine extreme Belastung der Nackenmuskulatur dar. Kommen noch Stress oder Mehrfachbelastungen hinzu, so steige das Risiko für KoNaSchu-Beschwerden erheblich, so der Experte.

Interview: Was tun bei KoNaSchu?

Dr David Kubosch1
© Thomas Hansmann


Privatdozent Dr. David-Christopher Kubosch, leitender Orthopäde und Wirbelsäulenchirurg der Gelenk-Klinik Gundelfingen kennt das Beschwerdebild KoNaSchu nur zu gut aus seiner Praxis.


Weshalb sind bei KoNaSchu Kopf, Nacken und Schultern gleichzeitig betroffen?

Dr. David-Christopher Kubosch: „Kopf, Nacken und Schultern sind über Muskeln und Nerven miteinander verbunden. Sehr häufig verursachen etwa Muskelverhärtungen im Nackenbereich (sogenannte Triggerpunkte) auch Kopfschmerzen. Ebenso belastet beispielsweise eine permanente gesundheitsschädliche Kopfhaltung nicht nur die Nackenmuskulatur stark – auch die Halsmuskeln können dadurch überdehnen. Mögliche Folgen: ein steifer Nacken und Kopfschmerzen.“

Was kann man vorbeugend tun?

Dr. David-Christopher Kubosch: „Präventiv wirken kann Ausdauersport, beispielsweise regelmäßiges Schwimmen. Diese Sportart hat den Vorteil, dass sie die Brust- und Schultermuskulatur stärkt und man den Körper relativ kontrolliert bewegt. Dadurch beuge ich Nackenschmerzen vor – vorausgesetzt, man hält den Kopf nicht ständig über Wasser. Bewährt haben sich auch systematische Entspannungsmethoden wie etwa die Progressive Muskelrelaxation. Hilfreich sind zudem des öfteren kleine praktische Übungen zwischendurch. Ein Beispiel: Setzen Sie sich aufrecht hin und drücken Sie die linke Hand ganz leicht gegen Ihr linkes Ohr. Nach ein paar Sekunden das Ganze mit der anderen Seite wiederholen. Durch diese und ähnliche Übungen entspannt die Nackenmuskulatur. Und noch ein guter Tipp für den besseren Handy-Gebrauch: Halten Sie das Gerät möglichst stets so hoch, dass der Kopf in aufrechter Position bleibt.“

Was hilft bei akuten KoNaSchu-Beschwerden?

Dr. David-Christopher Kubosch: „Aufgrund der vielfältigen Symptome benötigt eine fundierte ärztliche Diagnose meist einige Zeit. Die Therapie umfasst eine medikamentöse Behandlung ebenso wie physiotherapeutische und eventuell psychologische Unterstützung. Bei akuten Beschwerden helfen Schmerzmittel. Selbst kann ich auch einiges bewirken. In erster Linie, indem ich regelmäßig für eine Stärkung und gezielte Entspannung der Muskulatur von Schultern, Nacken und Rücken sorge. Dehnungsübungen (beispielsweise durch Öffnen und Schließen des Mundes) sowie Lockerungsübungen für den Nacken sind ein wichtiger Schritt.“

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Dr. David-Christopher Kubosch: „Tritt nicht innerhalb von zwei Wochen eine Besserung ein, so sollte der Orthopäde aufgesucht werden. Dieser klärt, ob hinter den Beschwerden eventuell eine behandlungsbedürftige Erkrankung steckt. Nehmen die Schmerzen zu oder kommt es zu weiteren erheblichen Beschwerden (wie etwa akuten Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen), so ist umgehende ärztliche Hilfe erforderlich. Je nach Symptomatik bietet die Kooperation von Orthopäden und Neurologen eine bestmögliche Behandlung.“

Kann KoNaSchu chronisch werden?

Dr. David-Christopher Kubosch: „Ja, um dies zu verhindern, ist eine frühzeitige Behandlung sehr empfehlenswert.“

Erste Hilfe bei KoNaSchu

Das hilft, wenn sich zum Kopfschmerz auch noch Nacken- und Schulterverspannungen gesellen:

  1. Wärme: Ein warmes Bad fördert die Entspannung der Nacken- und Schultermuskulatur.
  2. Bewegung: Grundsätzlich sind Kraftsport, Gymnastik, Ausdauertraining sowie das Erlernen von Methoden zu Stressbewältigungs hilfreich.
  3. Locker machen: Zum Beispiel mit gezielten Übungen für den Nacken und die Schultern. Langsam die Schultern hoch- und runterziehen. Mit kleinen Bewegungen starten, die zunehmend größer werden. Dabei unbedingt auf die Atmung achten: Beim Hochziehen der Schultern ein- und beim Absenken ausatmen. Das ganze 10 bis 15 Mal durchführen und nach einer Pause von etwa 60 Sekunden die Übung zweimal wiederholen.