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Hochdosierte Jodtabletten? Danke, nein, danke!

Aus Angst vor einer atomaren Verseuchung versorgen sich immer mehr Menschen mit Jodtabletten. Warum das keine gute Idee ist.

Jod – ein lebenswichtiges Spurenelement

Viele Menschen in Deutschland kennen Jodtabletten im Zusammenhang mit ihrer Schilddrüse: Jod ist ein wichtiges Spurenelement, das der Körper benötigt, um gesund und funktionsfähig zu bleiben. So ist Jod für den Aufbau der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin zuständig. Diese Hormone tragen dazu bei, dass Körperwachstum, Knochenbildung, Energiestoffwechsel und die Entwicklung des Gehirns einwandfrei funktionieren.

Problem: Im Fall einer nuklearen Verseuchung kann sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ablagern. Dann besteht die Gefahr, dass sich durch die fortwährende Strahlung im Körper schwere Krankheiten wie Krebs entwickeln.

Mit Jodtabletten gegen Radioaktivität?

Damit sich im Fall einer nuklearen Verseuchung kein radioaktives Jod in der Schilddrüse festsetzen kann (Jodblockade), gibt es hochdosierte Jodtabletten, medizinisch korrekt auch Kaliumiodid-Tabletten genannt. Diese werden im Katastrophenfall von den Behörden ausgegeben.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) haben unlängst darüber informiert, dass in Deutschland rund 190 Millionen hochdosierte Jodtabletten vorrätig sind. Genug also, um die Menschen hierzulande im Krisenfall zu versorgen. Die Menschen – das ist die Bevölkerung unter 45 Jahren, vor allem Babys, Kleinkinder, Jugendliche unter 18 Jahren und Schwangere. Wer über 45 Jahre alt ist, sollte nach Einschätzung der Strahlenschutzkommission aus medizinischen Gründen kein hochdosiertes Jod einnehmen.

Warum keine hochdosierten Jodtabletten für Ü-45-Jährige?

Bei älteren Menschen besteht die Gefahr, dass bei einer so hohen Jod-Dosierung der gesamte Stoffwechsel außer Tritt kommt. Da sich Strahlenschäden im Zusammenhang mit Jod vor allem als Langzeitschäden äußern, ist die Gefahr einer lebensgefährlichen Überdosierung bei Älteren größer als der gesundheitliche Nutzen.

Wann nimmt man Kaliumiodid-Tabletten ein?

Hochdosierte Jodtabletten sind gut für den Katastrophenfall. Sie sind aber völlig ungeeignet, um sich vorsorglich zu schützen. Denn tatsächlich wirkt die Jodblockade nur, wenn hochdosiertes Jod innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gegeben wird – und zwar wenige Stunden vor oder nachdem man einer nuklearen Wolke ausgesetzt war. Sonst nimmt die Schutzwirkung ab: Schluckt man die Tablette beispielsweise 48 Stunden vor Eintreffen der Strahlung, liegt die Wirkung bei 80 Prozent, bei 72 Stunden vorher nur bei 50 Prozent. Wichtig: Diese Tabletten sollten nur nach ausdrücklicher Aufforderung der Katastrophenschutzbehörden in der jeweils empfohlenen Dosis eingenommen werden.

Jodtablette ist nicht gleich Jodtablette

Wer jetzt auf die Idee kommt, einfach die Dosierung seiner Schilddrüsentabletten zu erhöhen – Finger weg! Denn auch hier gilt: Eine falsche Dosierung kann gesundheitlichen Schaden anrichten.

Generell dürfen Kaliumiodid-Tabletten nicht mit den Präparaten verwechselt werden, die zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verordnet werden. Die Menge an Jod ist in diesen Präparaten viel zu gering, um sie zur Jodblockade einzusetzen. Gleichzeitig dürfen die hochdosierten Tabletten, die zur Jodblockade eingenommen werden, wegen ihrer hohen Jodkonzentration nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verwendet werden.

Jod für die Schilddrüse

Bei einem Jodmangel kann es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse kommen. Dieser kann sich in Symptomen wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Nervosität, verstärktes Schwitzen zeigen. Bei einer Überfunktion bildet sich mit der Zeit ein Kropf unterhalb des Kehlkopfes.

Da Deutschland generell ein Jodmangelland ist, empfehlen Fachleute vom Arbeitskreis Jodmangel, jodiertes Speisesalz zu nutzen. Für Kinder gilt ein Jodbedarf von 100 bis 180 Mikrogramm täglich, bei Jugendlichen liegt er bei 180 bis 200 Mikrogramm täglich.