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Jugendliche, WhatsApp und gelungene Kommunikation

Jugendliche und WhatsApp: Sich über Textmessenger auszutauschen ist Teil des Teenagerlebens. Eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zeigt, wie sich das auf die Rechtschreibung auswirkt. Eltern dürften überrascht sein.

Schultexte und Textnachrichten

Jugendliche und WhatsApp, Telegram, etc. – wie schreiben Teenager heute? Und welchen Einfluss hat diese Form der schriftlichen Kommunikation auf Schulaufsätze? Der Linguist Dr. Florian Busch wollte das genauer wissen. Für seine Dissertation hat er 200 Schülerinnen und Schüler befragt, wie sie Medien nutzen, hat mehr als 19.000 ihrer Textnachrichten und rund 80 ihrer Schulaufsätze analysiert. Interessante Erkenntnis: Auch wenn bei Nachrichten über WhatsApp und Co. andere Regeln gelten, kennen und beachten Jugendliche die Rechtschreib- und Zeichensetzungen in Schulaufsätzen sehr wohl.

Manche Fehler sind peinlich

Florian Busch erläutert dieses Ergebnis: „Es zeigt sich, dass Jugendliche oft sehr wohl über Rechtschreibkompetenz verfügen, in der digitalen Kommunikation aber andere Normen gelten, die ein persönlicheres, adressatengerechtes Kommunizieren ermöglichen.“ Dabei werden manche Rechtschreibfehler aber auch in Textnachrichten durchaus als peinlich wahrgenommen. „Darauf weisen sich die Jugendlichen mitunter gegenseitig hin und korrigieren einander“, so der Experte. „Ihnen ist wichtig, nicht ungebildet zu sein.“

Herzchen, Herzchen, Zwinkersmiley

Ein wesentlicher Unterschied zwischen offizieller Schulrechtschreibung und digitaler Kommunikation ist die enorme Vielfalt an Emojis, die in Textnachrichten eingesetzt werden. Denn sie eröffnen der schriftlichen Kommunikation viel mehr Möglichkeiten. Knapp ein Viertel aller untersuchten Messages habe Emojis enthalten, so Busch: „Entgegen zahlreicher Behauptungen werden Emojis aber in der Regel nicht dafür genutzt, ganze Wörter oder Sätze zu ersetzen.“ Eher dienen sie als Interpretationshilfe, um die Botschaft deutlicher zu machen. Emojis ergänzen also die bisherigen Satzzeichen. Busch: „An die Stelle von klassischen Satzzeichen tritt hier eine große Zeichenvielfalt, die eine erfolgreiche digitale Kommunikation ermöglicht.“

Sprachliche Stolperfallen

Wer jetzt denkt, dass die Kommunikation mittels Messanger einfacher wird, täuscht sich offenbar. Denn durch diese Form des schriftlichen Miteinanders ändern sich auch die Regeln. „Das Schreiben in der Schule wird von manchen Jugendlichen als eindimensionaler und in diesem Sinn als einfacher wahrgenommen, weil es mit der Standardsprache nur ein Regelwerk gibt, an dem sie sich orientieren müssen“, sagt Busch. Textnachrichten über WhatsApp sind da vielfältiger: „Hier gibt es mehr Möglichkeiten und Nuancen, mit denen Bedeutung transportiert werden kann“. Und diese könnten dann auch zu Fehlinterpretationen auf Seiten der Adressatinnen und Adressaten führen.