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JIM-Studie: Beleidigungen im Netz nehmen zu

Der Ton im Netz wird rauer: Jugendliche sind Hasskommentaren, Verschwörungstheorien und Fake News häufiger ausgesetzt als noch vor einem Jahr. Das ist eines der Ergebnisse der JIM-Studie 2021, die diese Woche veröffentlicht wurde.

Hassbotschaften und Verschwörungstheorien

Videos schauen, chatten, spielen – all das machen Jugendliche online. 88 Prozent der Befragten zwischen 12 und 19 Jahren surfen täglich im Netz. Das zeigt die aktuelle JIM-Studie (JIM steht dabei für Jugend, Information, Medien). Doch das Internet ist nicht nur unterhaltsam. Es bietet auch Raum für Hatespeech, Cybermobbing und Fake News.

Die Studien-Daten zeigen, mit welchen dieser Aspekte die Jugendlichen im Monat vor der Erhebung konfrontiert waren:

  • Hassbotschaften (58 Prozent)
  • extreme politische Ansichten (56 Prozent)
  • Verschwörungstheorien (51 Prozent)
  • beleidigende Kommentare (47 Prozent)
  • Fake News (42 Prozent)

Nur knapp ein Viertel der Befragten hatte im vergangenen Monat keine Erfahrung mit diesen unerfreulichen Seiten der Onlinewelt gemacht. Verglichen mit Daten der vorigen JIM-Studie nehmen vor allem Verschwörungstheorien, beleidigende Kommentare und Fake News zu. Hier ist ein Anstieg von bis zu zehn Prozentpunkten zu verzeichnen.

Jüngere häufiger betroffen

Insgesamt zeigt sich, dass jüngere Mediennutzer von solchen Aspekten häufiger betroffen sind als ältere. Woran das liegt, ist für die Autoren der JIM-Studie nicht klar auszumachen. Eine Gewöhnung an Hassbotschaften und Co. bei Älteren könnte ein Faktor sein. Möglich sei auch ein riskanteres Nutzungsverhalten bei den jüngeren Mediennutzern, so die Forschenden.

Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es in diesen kritischen Punkten kaum. Was auffällt: Jugendliche auf Haupt- und Realschulen haben häufiger Kontakt zu extremen politischen Ansichten als Schülerinnen und Schüler, die ein Gymnasium besuchen (63 Prozent vs. 51 Prozent).

Vier Stunden täglich online

Das Internet ist fest verankert in der Lebenswelt der Jugendlichen: Rund vier Stunden verbringen sie täglich damit. Das ist etwa eine Viertelstunde weniger als im Vorjahr. In der JIM-Studie 2020 hatte die Onlinezeit mit 258 Minuten täglich ihren bisherigen Höchststand erreicht. Dass die Jugendlichen aufgrund der Corona-Pandemie weniger Freizeitangebote wahrnehmen konnten, spielte dabei bestimmt eine Rolle.

  • Die absolute Mehrheit der befragten Jugendlichen surft per Smartphone im Netz (93 Prozent).
  • Gut die Hälfte nutzte ein Notebook/Laptop.
  • Etwas mehr als ein Drittel ging per internetfähigem TV-Gerät ins Internet.

Smart-Speaker werden beliebter

Jugendliche haben in ihrem Umfeld Zugriff auf viele verschiedene Mediengeräte und -dienste. Rund 4 von 5 Jugendlichen haben zu Hause Zugang zu einem Videostreaming-Dienst. Fast alle wachsen mit einem Smartphone oder einem Laptop beziehungsweise Computer auf. 7 von 10 haben einen Smart-TV mit Internetzugang. Deutlich seltener sind E-Book-Reader und Smart-Speaker. Sie finden sich nur in gut einem Drittel der Haushalte. Doch Smart-Speaker scheinen auf dem Vormarsch. Die JIM-Studie verzeichnet einen Anstieg von neun Prozentpunkten im Vergleich zu 2019.

Jeder Dritte liest Bücher

Trotz des breiten Angebots an digitalen Medien: Die Jugendlichen lesen nach wie vor gedruckte Bücher. Etwa ein Drittel beschäftigt sich aus eigenem Antrieb damit. Hier geht es also nicht ums Lesen für die Schule oder die Ausbildung. Das Bücherlesen ist damit das dritte Jahr in Folge stabil. Mädchen greifen weiterhin häufiger zu gedruckten Büchern als Jungen. Formal höhergebildete lesen eher als Haupt- oder Realschüler.

Freunde hoch im Kurs

Neben der Mediennutzung erfragt die JIM-Studie, was Jugendliche in ihrer Freizeit machen.

  • Am beliebtesten ist nach wie vor das Treffen mit Freunden. 63 Prozent machen das mindestens mehrmals in der Woche.
  • Auf Platz zwei steht der Sport. Etwa die Hälfte gibt an, mehrmals wöchentlich Sport zu machen.
  • Etwa jeder Dritte Jugendliche unternimmt etwas mit der Familie.

Sport und Familienunternehmungen wurden im vorigen Jahr häufiger genannt. Das liegt sicher auch daran, dass damals noch weitreichendere Einschränkungen durch die Corona-Pandemie galten. Die Befragung für die aktuelle JIM-Studie fand im Juni/Juli dieses Jahres statt. Damals waren die Beschränkungen regional unterschiedlich, aber vielerorts lockerer als aktuell.