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Ist Stress ansteckend?

Jemand, der dir nahesteht, ist sichtlich gestresst. Und plötzlich wirst auch du irgendwie hektisch? Das ist keineswegs ungewöhnlich, denn Anspannung kann sich übertragen. Dass Stress ansteckend ist, zeigt unter anderem eine Studie der Universitäten Gießen und Wien.

Ich fühl das!

Zeitdruck, Hektik, Stress: Viele Menschen stehen dauerhaft unter Strom. Das ist nicht nur für die Betroffenen belastend, sondern auch für die Menschen, die ihnen nahestehen, also für Familie, Freunde … Denn die leiden oft mit und fühlen sich früher oder später selbst gestresst. Soll heißen: Ihr Körper schüttet ebenfalls Stresshormone aus – sozusagen aus Solidarität.

Anspannung kann sich übertragen. Da sind sich Expertinnen und Experten einig. Auch diverse Studien belegen das Phänomen, dass Stress ansteckend ist. So konnte unter anderem ein wissenschaftliches Team der Universitäten Gießen und Wien zeigen, dass Menschen sich vor allem dann von der Anspannung anderer anstecken lassen, wenn die Betroffenen ein „Wir-Gefühl“ verbindet.

Ein echt stressiges Experiment

Die Psychologinnen und Psychologen teilten die Teilnehmenden in Kleingruppen von jeweils vier oder fünf Personen ein. Bei der Hälfte der Gruppen wurde ein „Wir-Gefühl“ erzeugt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer saßen gemeinsam an einem Tisch, wurden als Gruppe angesprochen und sollten überlegen, was sie als Gruppe verbindet und welche Gemeinsamkeiten sie mit den anderen im Raum haben. In den übrigen Kleingruppen wurde kein solches „Wir-Gefühl“ erzeugt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer saßen an Einzeltischen, wurden einzeln angesprochen und sollten überlegen, was sie als Individuen auszeichnet und was sie von den anderen Teilnehmenden unterscheidet.

Aus jeder Gruppe wählten die Fachleute dann zufällig eine Versuchsperson aus. Diese musste in einem nachgestellten Bewerbungsgespräch mit zwei strengen Interviewern überzeugen. Und als wäre das nicht schon stressig genug, hatten sie anschließend auch noch anspruchsvolle Kopfrechenaufgaben zu lösen.

Die anderen Probandinnen und Probanden beobachteten das Ganze. Währenddessen wurden bei ihnen regelmäßig Speichelproben genommen. Diese wurden dann später im Labor auf das Stresshormon Cortisol untersucht.

Wann Stress ansteckend ist

Tatsächlich konnte auch bei den Beobachtergruppen Cortisol nachgewiesen werden, obwohl diese selbst nicht unmittelbar unter Druck standen. Daraus lasse sich schließen, dass sie mit Stress angesteckt wurden, so die Autoren der Studie.

Zudem zeigte sich, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer deutlich häufiger das Stresshormon Cortisol ausschütteten, wenn sie zuvor ein „Wir-Gefühl“ mit der Person aufgebaut hatten, die dem Stress ausgesetzt wurde. War kein solches „Wir-Gefühl“ vorhanden, war ein Mitfühlen und Mitleiden nur selten nachzuweisen.

Fachleute gehen davon aus, dass Menschen sich noch deutlich stärker mit Stress anstecken, wenn sie Personen beobachten, mit denen sie mehr als nur ein ein kurzzeitiges „Wir-Gefühl“ verbindet, also bei Familienmitgliedern oder engen Freunden. Logisch: Je länger und intensiver man jemanden kennt, desto stärker fühlt man mit.

Entspann dich!

Ob der Stress ansteckend ist oder nicht: Wenn wir dauerhaft unter Druck stehen, leidet nicht nur die Psyche, sondern auch der Körper. Magen und Darm rebellieren, wir schlafen schlechter, die Abwehrkräfte schwinden und sexuell läuft auch nicht mehr viel. Depressionen oder schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls die Folge von zu viel Stress sein. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig für Entspannung zu sorgen und sich kleine (und große) Auszeiten zu gönnen.

Tipp: Was ganz konkret in stressigen Phasen hilft und was im Körper passiert, wenn wir angespannt sind, erfährst du in unserem Beitrag „Tschüss Stress: Tipps für mehr Entspannung„.