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Schmerzen im Iliosakralgelenk?

Das Iliosakralgelenk, kurz ISG, kann Rückenschmerzen verursachen, die einem Bandscheibenvorfall ähneln. Wie man dies auseinanderhält und was wirklich hilft, erklärt Neurochirurg Dr. Michael Schaefer.

Rückenprobleme nehmen zu

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden hierzulande. Im Jahr 2021 waren sie sogar für die meisten Krankschreibungen veranwortlich. Das melden Krankenkassen, wie beispielsweise die AOK in ihrem aktuellen Fehlzeitenreport. So haben Muskel-Skelett-Erkrankungen die Atembeschwerden in der Statistik auf Platz zwei verwiesen. Schuld daran sind vor allem der Bewegungsmangel in Corona-Zeiten und das viele Sitzen – unter anderem im Homeoffice.

Wenn es zieht im unteren Rücken

Sobald sich der untere Rücken mit Schmerzen meldet, tippen die meisten Betroffenen auf die Bandscheibe oder glauben, einen Hexenschuss zu haben. Das muss aber nicht so sein. Ursache kann auch das Iliosakralgelenk sein, kurz ISG genannt. Es befindet sich im Becken zwischen Kreuzbein und Darmbein. Fachleute schätzen, dass bei gut einem Viertel aller Rückenprobleme besagtes Kreuz-Darmbein-Gelenk beteiligt ist.

Eine genaue Diagnose des so genannten Iliosakralgelenk-Syndroms ist oft nicht einfach, da sich viele Symptome gleichen. Dabei kann eine unzureichende Behandlung zu dauerhaften Schmerzen im Bereich des Gelenks führen.

Wofür ist das Iliosakralgelenk zuständig?

Dr. Michael Schaefer gibt Tipps fürs Iliosakralgelenk.

„Das ISG unterstützt uns dabei, dass wir aufrecht gehen können und beispielsweise nicht im Becken nach vorne kippen“, erklärt Dr. Michael Schaefer. Er ist Neurochirurg am Wirbelsäulenzentrum Würzburg. Stabilität erfährt das Gelenk dabei durch Bänder und Muskeln. Bei einer ISG-Blockade verkanten sich die Gelenkflächen oder sie stehen nicht richtig zueinander.

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, welche Kräfte täglich auf die kleine Schnittstelle zwischen Kreuz- und Darmbein wirken. „Bei diversen alltäglichen Aktivitäten dient das ISG als eine Art Stoßdämpfer, indem es eintreffende Kräfte abfedert und an die Wirbelsäule weiterleitet“, weiß der Experte. „In vielen Beschwerdefällen stellt das Gelenk allerdings auch einen unerkannten Schmerzauslöser dar, weshalb eine genaue Diagnose bei Schmerzen im unteren Rücken besonders wichtig ist.“

Warum macht das IGS Probleme?

Unterstützt von straffen Bändern hält das Iliosakralgelenk Wirbelsäule und Darmbein zusammen. Aufgrund seiner eingeschränkten Beweglichkeit, die nur minimale Seitwärts- und Beugebewegungen zulässt, führen bereits kleine Fehlhaltungen oder falsche Bewegungen zu einer Verschiebung des Gelenks.

Vor allem für die Regulierung der Beckenweite spielt das IGS eine wichtige Rolle, beispielsweise um eine Ausdehnung bei der Geburt zu unterstützen. Bereits während der Schwangerschaft dehnen sich deshalb die umliegenden Bänder. Kein Wunder, dass werdende Mütter besonders anfällig für ISG-Beschwerden sind.

Wie unterscheidet man ein ISG-Syndrom von Bandscheibenbeschwerden?

„Mittlerweile gibt es fünf Provokationstests, die eine genaue Diagnostik der Beschwerden zulassen“, erklärt Dr. Schafer. Die Patientinnen und Patienten liegen dabei in Seiten- oder Rückenlage, während die behandelnde Ärztin oder der Arzt Druck auf den Beckenbereich ausübt. Fallen mindestens drei der Tests positiv aus, und zwar durch einen spürbaren Schmerz, bestätigt sich der Verdacht eines Iliosakralgelenk-Syndroms.

Was hilft dem Iliosakralgelenk ?

Um einem ISG-Syndrom entgegenzuwirken, empfehlen Fachleute physiotherapeutische Übungen, die die Mobilität des Gelenkes unterstützen und Schmerzen lindern. Hinzu kommen medikamentöse Therapien mithilfe von Schmerzmitteln. Darüber hinaus können Wärmetherapien sowie Akupunktur die Beschwerden lindern. Klagen Betroffene jedoch weiterhin über anhaltende und starke Schmerzen, reduzieren auch lokale Injektionen direkt ins Gelenk kurzzeitig auftretende Probleme. „Erst wenn alle konservativen Methoden ausgereizt sind und keinerlei Wirkung erzielen, raten wir zu einem operativen Eingriff“, erklärt Dr. Schaefer.

iFuse-Implantate

Früher kamen zur Stabilisierung des Gelenks bei IGS-Beschwerden spezielle Schraubsysteme zum Einsatz. Heute finden immer öfter iFuse-Implantate Anwendung. Die Langzeit-Outcome-Studie LOIS konnte einen nachhaltigen Erfolg der speziellen Dreiecksimplantate bestätigen.

Das iFuse-Implantat-System sorgt in einer circa 45-minütigen, minimalinvasiven Operation für die erneute Stabilisierung des ISG sowie eine sofortige Schmerzlinderung. Durch die dreieckig Form der iFuse-Implantate erhält das Gelenk seine Rotationsstabilität zurück. Aufgrund ihrer speziellen porösen Oberflächenbeschaffenheit verwachsen sie zudem schonend mit dem umliegenden Knochengewebe. Die Kosten für den Eingriff übernehmen in der Regel die Krankenkassen.

Probleme? Am besten lässt du dich in einer orthopädischen Praxis oder Klinik beraten. Dort kann auch abgeklärt werden, ob tatsächlich ein Problem mit dem Iliosakralgelenk vorliegt und wenn ja, welche Maßnahmen zunächst angesagt sind.