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Viele hormonelle Verhütungsmittel sind ungeeignet

Antibabypille, Spirale, Pflaster, Spritzen, Implantate: Die Stiftung Warentest hat 141 hormonelle Verhütungsmittel bewertet. Mehr als die Hälfte davon fiel bei den Tests durch.

Hormonelle Verhütungsmittel im Test

Die Arzneimittelexpert*innen der Stiftung Warentest haben 141 hormonelle Mittel zur Empfängnisverhütung untersucht, darunter mehr als einhundert Antibabypillen. Aber auch Vaginalringe, Pflaster, Implantate, Spiralen und Spritzen wurden von den Tester*innen unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht und sind ernüchternd: „Nicht einmal die Hälfte der Mittel ist geeignet“, schreibt die Stiftung in einer Mitteilung. Das Problem ist dabei nicht die Wirksamkeit der Präparate, sondern ihre Verträglichkeit.

Was sind hormonelle Verhütungsmittel?

Hormonelle Verhütungsmittel enthalten künstlich hergestellte Hormone, die den Monatszyklus der Frau beeinflussen. Sie unterdrücken in der Regel den Eisprung oder verhindern, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet.

Alle hormonellen Verhütungsmittel sind verschreibungspflichtig und gelten als sehr sicher. Da sie jedoch in den natürlichen Hormonhaushalt eingreifen, können sie zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Unterleibschmerzen oder Zwischenblutungen führen. Auch Stimmungsschwankungen kommen vor. Außerdem erhöhen östrogenhaltige Kombinationspräparate das Risiko, dass Blutgerinnsel (Thrombosen) entstehen.

Thrombose-Risiko ist das Problem

Das beliebteste hormonelle Verhütungsmittel ist nach wie vor die Antibabypille – allerdings mit sinkender Tendenz. Nutzten 2011 noch etwa 72 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Pille, waren es 2019 nur noch 56 Prozent. Dies geht aus einer repräsentativen Untersuchung der Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Weltverhütungstags hervor. Grund für die steigende Skepsis vor allem bei jungen Frauen und Männern ist die Verträglichkeit der Pille und das erhöhte Thrombose-Risiko.

Doch das ist keineswegs bei allen Pillen gleich. Vielmehr sind sowohl die Dosierung als auch die enthaltenen Stoffe entscheidend. So raten die Tester*innen der Stiftung Warentest bei der Antibabypille zu Präparaten mit einem möglichst niedrigen Östrogengehalt sowie den Gestagenen Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat. Denn bei diesen sei das Thrombose-Risiko geringer als bei anderen Gestagenen. Noch niedriger ist es bei der Minipille mit Levonorgestrel. Allerdings muss die immer pünktlich eingenommen werden, um verlässlich zu wirken.

Und andere hormonelle Verhütungsmittel?

Verhütungspflaster und Vaginalringe wirken ähnlich wie die Pille. Die Stiftung Warentest bewertet sie ebenfalls als wenig geeignet, weil es auch hier Hinweise auf ein erhöhtes Thrombose-Risiko gibt. Hinzu kommt, dass die Pflaster allergische Reaktionen auslösen können, während die Ringe Scheidentzündungen begünstigen.

Auch Dreimonatsspritze und Implantate sind hormonelle Verhütungsmittel. Sie kamen bei den Tests ebenfalls nicht gut weg. Bei beiden lasse sich das Thrombose-Risko nicht ausreichend beurteilen, so die Tester*innen. Bei den Implantaten handelt es sich um hormonhaltige Stäbchen, die in den Oberarm eingesetzt werden und kontinuierlich Gestagene freisetzen. Sie sind mitunter nur schwer zu entfernen. Auch die Hormonspritze hat unerwünschte Nebenwirkungen. Außerdem dauert es nach dem Absetzen oft lange, bis Frauen wieder schwanger werden können.

Etwas anders sieht es bei Spiralen aus. Sie gibt es mit Kupfer und Hormonen. Nach Angaben der Stiftung Warentest sind sie zur Empfängnisverhütung geeignet, weil sie das Thrombose-Risiko nicht erhöhen. Aufgrund ihrer eher langfristigen Wirkung sind sie jedoch eher für Frauen zu empfehlen, die bereits Kinder haben.

Verhütung ohne Hormone

Wenn Paare eine ungewollte Schwangerschaft verhindern wollen, kommen sie am Thema Verhütung nicht vorbei. Auch bei den nichthormonellen Mitteln ist die Bandbreite inzwischen groß.

  • Chemische Verhütungsmittel: Sie sind in Form von Zäpfchen, Tabletten, Gels oder Cremes erhältlich und werden unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt. Zudem enthalten sie spermizide Substanzen, also Stoffe, die Samenzellen abtöten oder deren Beweglichkeit hemmen. 
  • Mechanische Verhütungsmittel: Sie werden auch Barrieremethoden genannt, weil sie verhindern, dass Spermien in den Köper gelangen und die Eizelle befruchten. Neben dem Kondom gehören auch Diaphragma, Portioklappe oder Femidom (Kondom für die Frau) zu den mechanischen Verhütungsmitteln.
  • Natürliche Verhütung: Hierbei beobachten Frauen ihre Körpersignale, um die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen zu unterscheiden. Wichtig dafür sind die Körpertemperatur und das Scheidensekret (Zervixschleim). Natürliche Verhütungsmethoden eignen sich für Frauen, die ihren Körper gut kennen und einen regelmäßigen Zyklus haben.
  • Sterilisation: Dabei werden bei der Frau in einem operativen Eingriff die Eilter durchtrennt oder beim Mann die Samenleiter. Eine Sterilisation kann in der Regel nicht rückgängig gemacht werden, deshalb sollte sie nur in Betracht kommen, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist.

Die passende Verhütung finden

Ob hormonelle Verhütungsmittel oder ohne: Trotz der großen Auswahl gibt es keine Verhütungsmethode, die für alle Frauen und Paare gleichermaßen geeignet ist. Denn die Wahl der passenden Verhütung hängt nicht allein davon ab, wie sicher und verträglich sie ist. Sie muss vor allem zur jeweiligen Lebenssituation passen und den inviduellen Bedürfnissen entsprechen.

Und: Die meisten Verhütungsmethoden nach wie vor Frauensache. Männer können aktiv nur mit Kondomen verhüten oder sich sterilisieren lassen. Übrigens: Kondome sind auch die einzige Verhütungsmethode, die vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.