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Honeymoon-Zystitis: Wenn Sex eine Blasenentzündung verursacht

In den Flitterwochen ist viel Zeit für die schönste Nebensache der Welt – vorausgesetzt, eine Blasenentzündung verdirbt nicht den Spaß. Was es damit auf sich hat und warum die Honeymoon-Zystitis ein ziemlich weibliches Phänomen ist.

Eine Frage der Anatomie

Die Honeymoon-Zystitis (zu deutsch: Flitterwochen-Blasenentzündung) betrifft vor allem Frauen. Das liegt in der Natur des Körpers: Der Weg bis zur Blase ist bei Frauen deutlich kürzer als bei Männern. Krankheitserreger gelangen so leichter in die Blase und können sich dort in Ruhe vermehren. Meist sind die Übeltäter Darmbakterien (Echerichia coli), die an die Öffnung der Harnröhre gelangen und nach oben in die Blase wandern.

Frauen werden deshalb viermal häufiger von einer Blasenentzündung heimgesucht als Männer. Die „Mechanik“ beim Sex kann das noch beschleunigen, denn die Keime werden dabei förmlich zur Blase hin massiert. Oder sie werden durch den Partner übertragen. Wichtig zu wissen: Ein Echerichia-coli-Bakterium teilt sich jeweils einmal pro 20 Minuten – verdoppelt sich also. Schon in relativ kurzer Zeit tummelt sich so eine große Anzahl an Krankheitserregern in der Blase. Und schon ist die Entzündung da.

Kontrollorgan Blase

Der kleine Muskelbeutel sorgt dafür, dass das von den Nieren gefilterte „Abwasser“ kontrolliert aus dem Körper ausgeleitet wird.

  • Ihre Füllmenge beträgt bei Frauen rund 500 Milliliter, bei Männern etwa 700 Milliliter.
  • Bis zu acht Mal am Tag „Pipi machen“ ist normal.
  • Frauen leiden vier mal häufiger unter Blasenentzündungen als Männer.
  • Die weibliche Harnröhre ist etwa vier Zentimeter lang, die männliche 20 Zentimeter.

Symptome der Honeymoon-Zystitis

Eine Blasenentzündung kündigt sich meist durch leichtes Ziehen beim Wasserlassen an. Das kann sich schnell zu einem sehr schmerzhaften Brennen mit krampfartigen Unterleibsschmerzen und ständigem Harndrang ausweiten. Auch ein starkes Krankheitsgefühl mit Schwäche, Fieber und Schüttelfrost kann sich einstellen. Der Urin verfärbt sich, manchmal flockt er auch aus oder ist blutig – dann nimmt er im schlimmsten Fall die Farbe von Kirschsaft an.

Bei solchen Anzeichen sollte man nicht mit einem Arztbesuch warten. Sonst kann der Infekt weiter aufsteigen und auch noch die Nieren befallen.

Medikamente bei Blasenentzündung

Machen sich erste Beschwerden bemerkbar, sollte man zunächst versuchen, die Bakterien durch viel Trinken herauszuspülen. In der Apotheke gibt es dazu auch spezielle Tees, zum Beispiel mit Bärentraubenblättern, die antibakteriell wirken.

Manche Blasenentzündungsgeplagte schwören zudem auf den Saft von Cranberries oder Preiselbeeren – die Säure soll das Bakterienwachstum verhindern. Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat unlängst veröffentlicht, dass die Einnahme von Cranberry-Präparaten zur Vorbeugung von wiederkehrenden Infekten der Blase offenbar Wirkung zeige. Auch spezielle Kombipräparate mit Kapuzinerkressekraut oder Meerettichwurzel können eine Blasenentzündung lindern.

Eine leichte Form der Zystitis kann man durch viel Trinken, Wärme und Schmerzmittel – mit ärztlicher Absprache – oft in den Griff bekommen. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von zwei Tagen oder verschlimmern sich sogar, ist ein Arztbesuch angesagt. Dort wird mit Hilfe eines Schnelltests gecheckt, ob eine bakterielle Entzündung vorliegt. Dann hilft oft nur noch ein Antibiotikum.

Gibt es eine Impfung?

Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen empfehlen einige Urologinnen und Urologen betroffenen Frauen, sich impfen zu lassen. Dabei wird den Patientinnen ein Wirkstoff aus verschiedenen abgetöteten Keimen gespritzt – meist mehrmals innerhalb weniger Wochen. Dadurch soll das Immunsystem angeregt werden, sich gegen entsprechende Bakterien zur Wehr setzen zu können. In der Regel muss die Impfung nach einem Jahr aufgefrischt werden. Da die Wirkung bisher nicht ausreichend wissenschaftlich bestätigt wurde, zahlen die Krankenkassen die Kosten für diese Behandlung von rund 50 Euro nicht.

Nach dem Sex aufs Klo

Okay, klingt jetzt nicht nach Romantik pur: Wer eine Honeymoon-Zystitis verhindern möchte, sollte nach dem Sex zur Toilette gehen. Denn mit dem Urinstrahl werden Bakterien in der Harnröhre gleich wieder herausgespült.

Übrigens: Sitzen auf kalten Steinen, kalte Füße oder nasse Badesachen können eine Blasenentzündung begünstigen. Denn durch die Kälte, die am Unterleib entsteht, wird die Harnwegsregion schlechter durchblutet. Das schwächt die Abwehrkräfte und Krankheitserreger haben ein leichteres Spiel. Deshalb diese Körperregion lieber trocken und warm halten.