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Homeschooling: Struktur und Feedback fehlen oft

Erste Ergebnisse einer wissenschaftliche Umfrage mit mehr als 1.000 Eltern zeigen ein zwiespältiges Bild des digitalen Lernens.

Nervthema Homeschooling

Seit Beginn der Corona-Einschränkungen gibt es etwas, dass Eltern mit schulpflichtigen Kindern mindestens genauso umtreibt wie das Corona-Virus selbst: das leidige Thema Homeschooling. Schließlich mussten Familien das neben Homeoffice und Co. auch noch irgendwie stemmen.

Daran hat sich auch durch die Lockerungen in den vergangenen Wochen nicht viel geändert. Denn der Unterrricht findet vielerorts nur tageweise oder sehr eingeschränkt statt. Viele Eltern sind genervt und fürchten um die Bildungschancen ihrer Kinder.

Homeschooling: Wie gut läuft es?

Mit welchen Konzepten arbeiten die Schulen? Und wie gut funktioniert der Unterricht zu Hause? Das wollten die beiden Professorinnen Ricarda Steinmayr von der TU Dortmund und Hanna Christiansen von der Philipps-Universität Marburg wissen. Sie führen derzeit eine bundesweite Online-Befragung zur Qualität des Homeschoolings durch.

Interessierte Familien können noch an der Studie teilnehmen.

Erste Ergebnisse der Online-Studie

Bisher haben bei der Befragung mehr als 1.000 Familien mitgemacht. Deren Kinder besuchten etwa jeweils zur Hälfte Grundschulen oder weiterführende Schulen. Wie bei Online-Studien oft der Fall, handelte es sich bei den Befragten überwiegend um sozial besser gestellte Mütter und Väter. Auf der Basis ihrer Antworten präsentierten die beiden Wissenschaftlerinnen kürzlich erste, vorläufige Ergebnisse.

Aufgaben werden geschickt

Mindestens die Hälfte der Kinder hatte nach Angaben der Eltern keinen persönlichen Kontakt mit den Fachlehrerinnen und Fachlehrern – weder am Telefon noch über andere Kommunikationskanäle. Zudem gab die überwiegende Mehrheit der Eltern an, ihr Kind habe bislang noch keinen Untericht per Videokonferenz gehabt (Mathe 74 Prozent, Deutsch 77 Prozent, Englisch 78 Prozent, Biologie bzw. Sachunterricht 85 Prozent).

Stattdessen gestalten die meisten Lehrkräfte das „Lernen auf Distanz“, indem sie Aufgaben versenden. Das geschieht mehrheitlich, zumindest in den Hauptfächern, einmal in der Woche.

Feedback gibt es nur selten

Anders sieht es bei den Lösungen der Aufgaben aus: Ungefähr ein Drittel der Eltern gab an, dass die Mathelehrer ihren Kindern bisher keine Lösun­gen geschickt hatten. In den Fächern Deutsch, Englisch, Biologie und Sachkunde waren es zwischen 43 und 53 Prozent.

Laut Aussagen der Eltern sollten 40 Prozent der Kinder in Deutsch und 56 Prozent in Biologie beziehungsweise im Sachunterricht auch keine Aufgabenlösungen an die Lehrkräfte schicken. Und wenn doch, gab es nur selten Feedback: Zwischen 59 Prozent (Deutsch) und 74 Prozent (Biologie/Sachunterricht) der Eltern berichteten, dass ihr Kind noch kein Feedback von Lehrkräften zu den Lö­sun­gen der Aufgaben bekommen habe.

Das sagen die Expertinnen

„Der in vielen Fällen nicht stattfindende Unterricht und der fehlende Kontakt zu Lehrkräften kann für den Lernfortschritt von Kindern und Jugendlichen, aber auch für ihr Wohlbefinden negative Konsequenzen haben“, kommentiert Studienleiterin Ricarda Steinmayr die Ergebnisse.

Insbesondere für Kinder mit Lernschwierigkeiten sei eine fehlende Ansprache und Struktur fatal, ergänzt ihre Kollegin Hanna Christiansen. Die Professorin schließt nicht aus, dass die Angaben von weniger gut gestellten Eltern anders ausgefallen wären. „Die Schulen müssen bundesweit Lösungen finden, wie alle Kinder aus allen Schichten bestmöglich erreicht werden können, um strukturiert und ohne Benachteiligung unterrichtet werden zu können, so dass Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit vollumfänglich gewährleistet werden können.“


Homeschooling und Feedback: Wie sind eure Erfahrungen?