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Homeschooling – mehr so lala

Homeschooling und Distanzunterricht funktionierten auch im 2. Lockdown nicht wirklich erfolgversprechend, finden Eltern. Das zeigt eine aktuelle Studie des ifo-Instituts.

Lockdown und Homeschooling

Die Coronakrise hat Schulen und Familien im Frühjahr 2020 kalt erwischt. In Turbogeschwindigkeit mussten Mittel und Wege gefunden werden, um Schülerinnen und Schüler in Zeiten des 1. Lockdowns durch Distanzunterricht weiterhin beschulen zu können. Ein gewaltiger Kraftakt – der nach Ansicht der Bildungsforschenden des ifo-Instituts offenbar auch im 2. Lockdown nicht wirklich gut funktioniert hat.

Lern-Gap durch Homeschooling

Homeschooling und Distanzunterricht: Das Forscherteam um Studienleiter Ludger Wößmann befragte 2.122 Eltern, was im 2. Lockdown besser funktioniert habe als in der ersten Phase der Pandemie. Die Eltern gaben an, dass ihre Kinder rund 45 Minuten mehr Unterricht pro Tag als im 1. Lockdown bekommen hätten. Trotzdem lag die Lernzeit des Nachwuchses durchschnittlich nur bei 4,3 Stunden. Zum Vergleich: An üblichen Schultagen vor der Pandemie lernten Kinder etwa 7,4 Stunden täglich.

Das bedeute, dass im Homeschoooling jeden Tag rund drei Stunden Lernzeit verloren gingen. Bei manchen Kindern sei der Lernausfall dabei doch deutlich höher: „Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben“, so Wößmann. Die Corona-Krise sei damit eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und soziale Situation vieler Kinder.

Daddeln statt Lernen

Im 2. Lockdown verbrachten Schulkinder laut ifo-Institut mehr als viereinhalb Stunden täglich mit Fernsehen, Computerspielen und am Handy. Dagegen hätten nur rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler täglich im gemeinsamen Klassenunterricht per Video verbracht. Für 39 Prozent war dies sogar nur einmal pro Woche der Fall. 56 Prozent der Eltern waren darüber hinaus der Meinung, dass ihr Kind in einer Stunde Distanzunterricht weniger lerne als im regulären Unterricht an der Schule. 22 Prozent dagegen glaubt, dass das Kind im Distanzunterricht mehr lerne als in der Schule.

Leistungsschwächere benachteiligt

Die Studie zeigt: Auch wenn die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler zuhause Zugang zu Computer und Internet hat, sind die Lernerfolge ungleich verteilt. Nicht-Akademikerkinder und Leistungsschwächere hätten deutlich weniger effektiv gelernt. An Maßnahmen wie Förder- oder Nachhilfeunterricht oder Ferienkursen nahmen rund 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler seit Beginn der Schulschließungen teil.

Und: Die psychische Belastung der Kinder scheint im 2. Lockdown zugenommen zu haben: Mehr als 50 Prozent der Kinder fühlte sich nach Angaben der Eltern seelisch belastet. Im 1. Lockdown waren es nur rund 38 Prozent.

Bewegungsmangel deutlicher

Ein weiteres Problem sehen die Eltern darin, dass sich Kinder aufgrund der Lockdown-Beschränkungen immer weniger bewegen. Ein Drittel der Befragten gab an, dass der Nachwuchs deshalb an Körpergewicht zugelegt habe. Diese Angabe deckt sich mit den Ergebnissen einer Langzeit-Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT): Demnach betrug die durchschnittliche Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen während des 2. Lockdowns nur noch rund 75 Minuten. Das ist deutlich weniger als noch im 1. Lockdown, wo Kinder und Jugendliche noch rund 144 Minuten pro Tag bewegten.

Professor Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) am KIT: „Durch die höhere Inaktivität gab fast die Hälfte der Befragten nach eigener Einschätzung an, dass ihre Fitness stark gesunken sei. Bei knapp 30 Prozent sei das Gewicht gestiegen“. Eine bedenkliche Entwicklung, die dringend langfristiger Lösungen bedürfe, denn Bewegung fördere nicht nur die Fitness, sondern auch das eigene Wohlbefinden und letztlich auch die Abwehrkräfte – was in Zeiten einer Pandemie umso wichtiger sei.

Eigenständiges Arbeiten

Es gibt sie aber dann doch noch, die guten Nachrichten: In der ifo-Studie sagten mehr als die Hälfte der Eltern , dass ihre Kinder aufgrund der Umstände gelernt hätten, sich Unterrichtsstoff selbst zu erarbeiten. Zudem sahen zwei Drittel im Distanzunterricht noch einen weiteren Vorteil: Kinder hätten gelernt, besser mit den digitalen Techniken umzugehen. Gut ein Viertel der Eltern sind zudem der Meinung, dass die Schulschließungen ihren Kindern mehr genutzt als geschadet haben. Für Kinder, die in der Schule gemobbt und schikaniert würden, hätte der Lockdown für Entspannung gesorgt.

Schule nervt? Hilfe für Eltern!

Wenn das Thema Schule zuhause für Sprengstoff sorgt, hilft es, erstmal rauszufinden, wo der Schuh gerade drückt: Bocklos wegen Pubertät? Probleme mit Schulfreundinnen und -freunden? Kein Anschluss mehr an den Lernstoff? Manchmal hilft ein Gespräch mit Klassenlehrer:innen oder Vertrauenslehrer:innen, um Lösungen zu finden. Tipps und Unterstützung gibt auch die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.