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Hepatitis-Fälle bei Kindern: Was steckt dahinter?

Weltweit häufen sich die Fälle von Hepatitis bei Kindern. Was es damit auf sich hat, welche Ursachen die Erkrankungen haben könnten und was Eltern darüber wissen müssen. Ein Überblick.

Rätselhafte Leberentzündungen bei Kindern

Derzeit beschäftigen sich die Gesundheitsbehörden weltweit mit mysteriösen Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern. Los ging es Anfang April in Großbritannien, als die britische Gesundheitsbehörde UKHSA (UK Health Security Agency) eine ungewöhnliche Häufung von Leberentzündungen bei Kindern meldete. Bis Anfang Mai wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als ähnliche 220 Fälle in 20 Ländern bekannt, die meisten davon in Europa. Auch in Deutschland gibt es mindestens einen Verdachtsfall.

  • Die Erkrankungen traten bei Kindern im Alter von einem Monat bis 16 Jahren auf. Betroffen waren vor allem Kinder unter zehn Jahren, besonders oft Kinder unter fünf Jahren.
  • Die meisten kleinen Patientinnen und Patienten würden sich vollständig von der Infektion erholen, heißt es bei der WHO. Einige Hepatitis-Erkrankungen waren jedoch sehr schwer: Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen musste eine neue Leber transplantiert werden.
  • Bisher gab es einen Todesfall in den USA, drei weitere in Indonesien werden ebenfalls mit der Erkrankung in Verbindung gebracht.
  • Die große Mehrheit der betroffenen Kinder war vor der Erkrankung kerngesund. Zu den ersten Symptomen zählten Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Gelbsucht.

Hepatitis

Bei einer Hepatitis handelt es sich um eine Leberentzündung, oft ausgelöst durch eine Virus-Infektion. Verantwortlich dafür sind in der Regel die fünf Virustypen A, B, C, D und E. Während Hepatitis A meist folgenlos ausheilt, können Hepatitis B, C und D chronisch werden. Von chronisch spricht man, wenn die Leber länger als sechs Monate entzündet bleibt.

Am häufigsten sind Infektionen mit Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Viren. Die Ansteckung mit Hepatitis A findet meist in tropischen Regionen, aber auch in Ländern Süd- oder Osteuropas statt. Herrschen unhygienische Bedingungen, reichen schon kleinste Hautverletzungen, um sich mit Hepatitis B zu infizieren – etwa beim Trinken aus einem fremden Glas. Bei ungeschütztem Sex oder beruflichem Kontakt mit Sekret oder Blut ist eine Ansteckung ebenfalls möglich – auch hierzulande.

Gegen Hepatitis B empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung im Säuglingsalter. Sie schützt allerdings nicht vor Adenoviren, nicht gegen Hepatitis C oder E und auch nicht gegen verschiedene andere Viren, die eine Leberentzündung auslösen können. Eine Immunisierung gegen Hepatitis A wird besonders für Reisende und bestimmte Risikogruppen empfohlen.

Hepatitis bei Kindern: Weshalb sind Fachleute alarmiert?

Eine schwere akute Leberentzündung ist bei Kindern eher selten, vor allem bei kleinen Kindern. Die Häufung der Fälle und die weltweite Verbreitung ist daher ungewöhnlich. Auch die Ursache der Erkrankungen ist bisher unklar. Das heißt: Die bekannten Hepatitis-Erreger (A bis E, siehe Infobox) sind nicht für die Infektion verantwortlich.

Um die Situation genauer bewerten zu können, koordiniert das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control, kurz ECDC) alle weiteren Untersuchungen und gibt Empfehlungen für eine strukturierte Datenerhebung. Auch das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) bittet Ärztinnen und Ärzte um erhöhte Aufmerksamkeit bei unklaren Fällen von akuter Hepatitis oder Leberversagen bei Kindern unter 16 Jahren – und weist auf die Meldepflicht gemäß Infektionsschutzgesetz hin.

Was könnte die Ursache für die Infektionen sein?

Aktuell werden verschiedene Möglichkeiten untersucht. Ein Fokus liegt dabei auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den betroffenen Kindern: Haben sie sich in einer bestimmten Region aufgehalten? Waren Sie mit bestimmten Stoffen oder Belastungen konfrontiert? Hatten sie bestimmte Vorerkrankungen oder Virus-Infektionen? …

Im Zuge der Untersuchungen rückten unlängst die sogenannten Adenoviren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Viren, die häufig vorkommen und durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie können Erkältungssymptome, Erbrechen und Durchfall auslösen.

In der Regel sind Adenoviren harmlos und verursachen keine Hepatitis. Eine Leberentzündung kann jedoch in seltenen Fällen als Komplikation auftreten. Abgesehen davon wird in Großbritannien aktuell ein Anstieg der Adenovirus-Infektionen beobachtet – vor allem bei kleineren Kindern. Auch konnte das Virus bei etwa 75 Prozent der bestätigten Hepatitis-Fälle nachgewiesen werden, weshalb Fachleute einen möglichen Zusammenhang jetzt näher beleuchten.

Hat Corona etwas mit den Erkrankungen zu tun?

Aktuell schließen Expertinnen und Experten Corona-Impfungen oder eine COVID-19-Erkrankung als direkte Auslöser weitgehend aus, denn die Mehrheit der betroffenen Kindern war nicht gegen das Coronavirus geimpft. Auch hatten sich nur wenige von ihnen zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert.

Möglich ist jedoch, dass die Corona-Pandemie indirekt etwas mit den Lebererkrankungen zu tun hat. So könnten die Corona-Maßnahmen die Kinder insgesamt anfälliger für Viren gemacht haben, zum Beispiel weil sie längere Zeit kaum mit Keimen in Kontakt gekommen sind. Das muss jedoch ebenfalls noch näher untersucht werden. Außerdem gehen die Forschenden der Hypothese nach, dass die Kombination aus Adenoviren und SARS-CoV-2 eine Rolle spielen könnte.

Wie äußert sich eine akute Hepatitis bei Kindern?

Viele der betroffenen Kinder, zeigten zu Beginn Symptome einer Magen-Darm-Erkrankung wie Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen. Auch eine Gefärbung der Haut und des weißen Teils der Augen (Gelbsucht) wurde beobachtet, ebenso wie ein entfärbter, grauer Stuhl oder extreme Abgeschlagenheit. Fieber hatten die meisten Kinder laut WHO nicht. Allerdings fielen ihre hohen Leberenzymwerte auf. Sie sind ein Zeichen für eine Entzündung oder Schädigung der Leber.

Was können Eltern tun?

Aktuell gibt es hierzulande noch keine auffällige Häufung von Hepatitis-Fällen bei Kindern. Daher sollten sich Eltern grundsätzlich keine allzu großen Sorgen machen.

Generell können Hygienemaßnahmen wie Händewaschen oder der Verzicht auf unsichere Lebensmittel helfen, Infektionen vorzubeugen. Bei unklaren Magen-Darm-Beschwerden raten Fachleute besorgten Eltern auch Haut und Augen der Kinder zu beobachten. Verfärben sie sich gelblich oder verdunkelt sich der Urin oder der Suhlgang wird heller, sollte sie mit ihrem Kind umgehend eine ärztliche Praxis aufsuchen, um die Symptome abklären zu lassen.