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Test auf Hepatitis B und C jetzt kostenlos

Einmalig können sich gesetzlich Krankenversicherte künftig auf Hepatits B und Hepatitis C testen lassen. Die Leistung wird von den Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr übernommen – voraussichtlich ab Mitte 2021.

Leberschädigung vorbeugen

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 257 Millionen Menschen weltweit mit chronischer Hepatitis B infiziert. 71 Millionen leiden unter chronischer Hepatitis C.

Als chronisch wird eine Erkrankung bezeichnet, wenn sie im Gegensatz zum akuten Stadium lange andauert und auch nur schwer zu heilen ist. Chronische Verläufe der Hepatitis werden durch Viren, autoimmune Erkrankungen oder Alkoholmissbrauch verursacht. Sie können auch Begleiterscheinungen anderer Krankheitsbilder sein. Mögliche Folgen sind Narben und eine Zerstörung des Lebergewebes. Bei Erwachsenen verläuft Hepatits B in fünf bis zehn Prozent der Fälle chronisch und heilt nicht aus.

Das Tückische einer chronischen Leberentzündung ist, dass man im Anfangsstadium zunächst nichts bemerkt. Eine unbehandelte chronische Entzündung der Leber kann jedoch sehr schwerwiegende Folgen haben und eine Leberzirrhose oder auch Leberkrebs nach sich ziehen. Ein Test kann helfen, eine Infektion frühzeitig zu erkennen, also bevor schwerwiegende Leberschäden entstehen.

Hepatitis-Test künftig Krankenkassen-Leistung

Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen, hat jetzt den Weg für die Übernahme der Kosten des Hepatitis-Screenings durch die gesetzlichen Krankenkassen freigemacht. Das heißt: Künftig kannst du einmalig beim Hausarzt einen entsprechenden Test vornehmen lassen, wenn du das 35. Lebensjahr vollendet hast. Bis der Beschluss im Bundesanzeiger veröffentlicht ist – dies kann noch einige Wochen dauern – solltest du im Vorfeld Kontakt mit deiner Krankenkasse aufnehmen und klären, ob die Kosten tatsächlich übernommen werden.

Was ist Hepatitis?

Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Auslöser sind unter anderem Viren. Am bekanntesten sind Hepatitis A, B, C und D. Darüber hinaus gibt es noch weitere, seltener auftretende Formen, die zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle im Infektionsgeschehen spielen. Das Hepatitis-B-Virus wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen – meistens also beim Sex. Das Hepatitis-C-Virus wird ebenfalls durch Blut übertragen. Dies passiert vor allem beim Drogenkonsum durch verunreinigte Spritzen und Zubehör, mitunter aber auch beim Geschlechtsverkehr.

Das wird bei dem Test gemacht

Zunächst klärt der Arzt ab, ob du gegen Hepatitis B geimpft bist. Dann ist kein Test notwendig, weil du immun dagegen bist. Seit 1995 empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) die Impfung für Säuglinge und Kinder, seit 2013 auch für immungeschwächte Personen. Gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) gibt es bislang keine Impfung.

So wird das Blut getestet

Für den eigentlichen Test bekommst du Blut abgenommen. Das Labor untersucht deine Blutprobe dann auf Antigene und Antikörper.

  • Hepatitis B: Das Labor kann feststellen, ob du mit Hepatitis-B infiziert bist, weil man Bestandteile des Virus in deinem Blut nachweisen kann. Bist du geimpft oder hast du die Erkrankung bereits, dann sind Antikörper nachweisbar. Solltest du, ohne es zu wissen, noch aktiv infiziert sein, kann dich der Arzt aufgrund des Testes entsprechend behandeln.
  • Hepatitis C: Sind in der Blutprobe Hepatitis-C-Antigene nachweisbar, liegt eine aktuelle Infektion vor. Hast du eine Infektion unbemerkt überstanden, dann findet das Labor Antikörper, die dein Körper dagegen produziert hat. Es kann sein, dass die Erkrankung nicht ganz ausgeheilt ist, dann sind in der Blutprobe sowohl Antikörper als auch Genmaterial des Virus enthalten. Es stehen mittlerweile Medikamente auch gegen Hepatitis C zur Verfügung. Der Arzt empfiehlt dir eine entsprechende Therapie und kann so verhindern, dass deine Leber langfristig geschädigt wird.

Die wichtigsten Fragen zum Thema auf einen Blick:

1. Was ist eigentlich ein Screening?

Screening bedeutet, dass einer großen Anzahl von Menschen einer Altersgruppe eine bestimmte Untersuchung angeboten und in der gleichen Weise durchgeführt wird. Eine solche Reihenuntersuchung soll der Früherkennung dienen. Erkrankungen sollen bei Menschen aufgespürt werden, die sie bereits in sich tragen, ohne etwas davon zu merken. Beispiele für Screening-Verfahren sind das Neugeborenen-Screening oder das Mammograpie-Screening (Brustkrebs-Screening) oder auch der PSA-Test auf Prostatakarzinom.

2. Was sind Antikörper und Antigene?

Das Immunsystem bildet Abwehrstoffe (Antikörper) gegen fremde Eindringlinge (Antigene). Dies können Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder auch Chemikalien sein. Ziel der Antikörper ist es, den Organismus zu schützen. Antikörper werden vom Körper passend zu den entsprechenden Antigenen produziert.

3. Wann lasse ich den Test am besten machen?

Der Hepatitis-Test lässt sich gut mit dem Check-up, also der Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt kombinieren. Auch diese Untersuchung wird ab dem 35. Lebensjahr angeboten. Sprich einfach deinen Arzt beim nächsten Mal darauf an.
 

4. Wer sollte den Test machen?

Hat der Arzt bei einer Untersuchung den Verdacht, ein Patient könnte sich mit Hepatitis infiziert haben oder es besteht ein hohes Ansteckungsrisiko und kein Impfschutz, wird er zu einem Test raten. Ohne einen solchen Verdacht durch den Arzt, mussten Patienten den Test bislang selbst zahlen. Mit der Einführung des Hepatitis-Screenings ist es für Personen ab 35 Jahren nun zukünftig kostenlos, ihr Blut einmalig auf Hepatitis B und C untersuchen zu lassen.

5. Wer sollte sich gegen Hepatitis B impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die Hepatitis-B-Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder. Im Erwachsenenalter sollten sich besonders gefährdete Personengruppen impfen lassen. Dazu zählen Menschen mit bestimmten Erkrankungen, als auch solche mit erhöhtem Expositionsrisiko, beispielsweise HIV-Positive, Dialyse-Patienten, direkte Kontaktpersonen, Personen mit hohem Infektionsrisiko durch ihr Sexualverhalten sowie natürlich medizinisches Personal und Ersthelfer.

6. Ist nach einer Infektion noch eine Hepatitis-B-Impfung erforderlich?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) gibt es keine Hinweise, dass man sich nach einer durchgemachten Hepatitis-B-Infektion erneut anstecken kann. Sind Antikörper im Blut nachweisbar, ist eine Impfung also nicht notwendig.

7. Gibt es eine Impfung gegen Hepatitis C?

Bislang gibt es keine Hepatitis-C-Impfung. Auch eine durchgemachte Infektion stellt nach Angaben des RKI keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Ansteckung dar.