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Brennnessel: lecker und voller Heilkraft

Urtica dioica – zu Deutsch die „Große Brennnessel“ ist für viele das Unkraut schlechthin. Dass sie gerade zur Heilpflanze 2022 gekürte wurde, hat jedoch viele gute Gründe.

Brennnessel als Schutz vor Krankheiten

Bereits im antiken Griechenland schätzten Ärzte die frischen Triebe der Brennnessel. Hippokrates verwendete sie gegen Erkrankungen der Lunge und um die weibliche Menstruation zu regulieren. Die Germanen weihten die Brennnessel dem Donnergott Donar, der sich auch für Fruchtbarkeit und Potenz zuständig zeichnete. Junge Germanen aßen die Pflanze daher, um ihre Kraft für die Liebe zu steigern.

Im Mittelalter galt die Brennnessel als Schutz vor Krankheiten und bösem Zauber. Im Märchen „Die sieben Raben” strickte die Schwester sieben Hemden aus den Nesseln, um ihre Brüder, die sich in schwarze Vögel verwandelt hatten, zurück ins menschliche Dasein zu holen.

Hildegard von Bingen schätzte sie

Die Brennessel findet weitreichende Anwendung in der Volksmedizin. So werden ihr harntreibende Wirkung, Linderung von rheumatischen Beschwerden mit innerlicher oder äußerlicher Anwendung sowie Hilfe bei Verdauungsbeschwerden bescheinigt. Von Paracelsus ist übermittelt: „Wenn man sie kocht und mit Pfeffer oder Ingwer mischt und auflegt, hilft dies bei Gelenkschmerzen“.

Auch Hildegard von Bingen verwendete die Pflanze in ihrer Medizin und Küche: „Die Brennessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt”. Ungeeignet sind Brennnesselprodukte für Menschen, die unter Ödemen, also Wasseransammlungen infolge von Herz- oder Nierenerkrankungen leiden.

Vitamine und Mineralstoffe

Die Brennhaare enthalten unter anderem Ameisensäure, die bei Berührung in die Haut injiziert wird und Quaddeln bildet. Das macht die Pflanze übrigens nur, wenn man sie von oben noch unten streift. In umgekehrter Richtung gestrichen bleiben die Haare intakt und man spürt nichts.

Die Blätter lassen sich sowohl frisch als auch getrocknet verwenden. Die Wurzel nur in getrocknetem Zustand. Es gibt Tees, Extrakte und Salben auf Basis der Heilpflanze. Die Brennnessel enthält viele Vitamine, Mineralstoffen und Spurenelemente. Dazu zählen vor allem Eisen, Kalzium, Magnesium und Kalium.

Bennnessel im Garten

Für Gärtner ist die Pflanze nicht gerade ein Sympathieträger. Sie überwuchert gern alles, wo sie optimale Bedingungen finden. Und beim Berühren brennt es unangenehmen. Es gibt jedoch Schmetterlinge, die von den Nesselblättern im wahrsten Sinne abhängig sind. Ohne sie können sie nicht überleben. Dazu zählen der Kleine Fuchs und das Tagpfauenauge. Die Falter ernähren sich ausschließlich von ihr. Weitere Schmetterlinge haben sie als wichtige Nahrungsplanze auf dem Speiseplan stehen. Fehlt sie, geht es der Art an den Kragen.

Jeder Hobby-Gärtner sollte also eine kleine Ecke im Garten für die Brennnessel reservieren und sie dort auch wachsen lassen. Nimmt sie überhand, kann man sie zurückschneiden. Die Pflanzenteile aber nicht etwa entsorgen. Das wäre viel zu schade, denn: Man kann daraus Brennnesseljauche herstellen und gegen Läuse oder Schnecken einsetzen. Eins zu zehn verdünnt ist der Sud auch ein hervorragender Dünger für Rosen, Obstbäume und Gemüse, weil die Brennnessel viel Stickstoff enthält.

Lecker in der Küche

Der Geschmack des Krautes erinnert an Spinat. Für die Verwendung als Gemüse nimmt man vor allem junge Blätter sowie Triebspitzen.

  • Brennnesselgemüse: Hitze zerstört die Brennhaare. Die Blätter mit heißem Wasser überbrühen und klein schneiden. Mit Butter, kleingehackter Zwiebel dünsten. Etwas Sahne, Salz und Pfeffer sowie Muskat zugeben.
  • Brennnessel-Salat: Da man keine Hitze anwenden kann, muss man die Brennhaare auf andere Art unschädlich machen. Die Blätter in einem Küchentuch einschlagen und mit einem Nudelholz darüberrollen, bis die Brennwirkung nachlässt. Dann mit Essig, Öl, Pfeffer und Salz abschmecken.