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Umweltbundesamt: Fleischersatz ist besser für Umwelt und Gesundheit

Fleischersatzprodukte finden immer mehr Abnehmer im Supermarkt. Die Industrie legt sich derzeit ins Zeug, vegetarisches Fleisch zu produzieren, das man kaum noch vom tierischen Original unterscheiden kann. Aber wie schneiden Fleischalternativen in puncto Nachhaltigkeit und Gesundheit ab?

Trendprodukt Fleischersatz

Die größten Lifestyle-Bewegungen in Deutschland sind derzeit vegetarische und vegane Ernährungsformen. Nur noch 26 Prozent der Deutschen essen täglich Fleisch, so der Ernährungsreport 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Den einen geht es ums Tierwohl, andere entscheiden auf Basis von ökologischer Nachhaltigkeit. Wie gut diese pflanzlichen Ersatzprodukte tatsächlich für Umwelt und Gesundheit sind, hat das Umweltbundesamt jetzt untersucht.

„Fleischproduktion schadet nachweislich der Umwelt und trägt zur Erderwärmung bei“, sagt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes. Die Alternative dazu, Fleischersatzprodukte wie vegetarische Wurst oder die bekannten Beyond Meat Patties, liegen im Trend und werden als Fleischalternative zunehmend beliebter. Laut der Studie ist Fleischersatz außerdem nicht nur gesünder, sondern auch umweltschonender und trägt zur Nachhaltigkeit bei.

Doch da Fleisch meist günstiger ist, greifen immer noch zu viele Verbraucher lieber zu dem billigen Kotelett anstatt zum veganen Soja-Schnitzel. Das führt zu drastischen Folgen für die Umwelt: Laut UBA wird für die Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis 2,8 kg Treibhausgase ausgestoßen. Für Schweinefleisch beträgt der Ausstoß dagegen 4,1 kg, für Geflügel 4,3 kg und für Rindfleisch sogar 30,5 kg.

Fleischalternativen aus Pflanzen, Insekten oder In-Vitro-Fleisch

Pflanzliche Fleischprodukte auf der Basis von Weizen oder Soja schneiden in der Studie des Umweltbundesamtes am besten ab. Sie werden unter anderem direkt zur Ernährung genutzt und nicht erst als Futter verarbeitet, für deren Produktion Ackerfläche, Wasser und Energie erforderlich sind. Fleischalternativen aus Insekten-Erzeugnissen liegen auf Platz zwei in der Ökobilanz und in puncto Nachhaltigkeit. Sie schneiden schlechter ab als die Pflanzen-Produkte, haben aber im Vergleich zu echtem Fleisch einen niedrigeren Treibhausgasausstoß. Zudem enthalten sie oft mehr Eiweiß, können aber für Allergiker ungeeignet sein.

Bei der Fleischalternativen In-Vitro-Fleisch hält sich das UBA mit konkreten Aussagen zurück. Es gibt bislang nur theoretische Annahmen zu den Ökobilanzen. Demnach könnte In-Vitro-Fleisch beim Wasser- und Landverbrauch besser als konventionell produziertes Fleisch abschneiden, beim Energieverbrauch jedoch schlechter. Außerdem wird In-Vitro-Fleisch aktuell auf Nährmedien gewonnen, die fetales Kälberserum enthalten.

Nachhaltigkeit: ist vegetarisches Fleisch besser?

Fleischersatzprodukte könnten helfen, den Fleischkonsum von circa 60 kg pro Kopf und Jahr in Deutschland zu senken. Laut der EAT- Lancet-Kommission wären nur 15 kg gesund und trügen zur Nachhaltigkeit bei. Zwar sieht das UBA ein großes Potenzial in den Fleischersatzprodukten, jedoch überzeugen sie geschmacklich meist nicht. “Eine vollständige Imitation des sensorischen Spektrums von Fleisch ist bislang nicht zufriedenstellend gelungen, sodass nicht davon auszugehen ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt Fleisch durch pflanzenbasierte Ersatzprodukte substituieren werden”, heißt es. Vor allem bei Insekten sind viele Menschen skeptisch und greifen dann doch lieber zu Fleisch.

Sind pflanzliche oder tierische Proteine gesünder?

Auch wenn in Produkten tierischer Herkunft relativ mehr Proteine enthalten sind, heißt das aber nicht, dass Pflanzeneiweiße schlechter seien. In einer anderen aktuellen Studie von der medizinischen Universität in Teheran werden sie sogar als gesünder bewertet und mit einer längeren Lebenserwartung in Verbindung gebracht. Studienteilnehmer, die ihren Eiweißbedarf mit pflanzlichen Proteinen decken, haben im Vergleich zu Fleischessern häufiger einen gesunden Blutdruck und gute Cholesterin- und Blutzuckerwerte. Diese Faktoren gehen mit einem geringeren Risiko einher, am Herzen oder an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Pflanzliche Proteine findest du beispielsweise in Getreide, Hülsenfrüchten wie Kichererbsen und Linsen, Soja und Lupine, Nüssen und auch in Kartoffeln.

Sind vegetarische Fleischprodukte gesünder als Fleisch?

Diese Frage lässt sich prinzipiell vor dem Hintergrund der pflanzlichen Proteine mit ja beantworten, wobei es Einschränkungen gibt. Bei Fleischersatzprodukten werden oft viele Zusatzstoffe beigemischt, um den Fleischgeschmack zu imitieren. Je perfekter das Produkt nach Fleisch schmeckt und auch so aussieht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass nachgeholfen wurde. Bei pflanzlichem Fleisch sind viele Farbstoffe, Stabilisatoren und Säureregulatoren enthalten. In einigen Fleischalternativen wurden laut Studie des Umweltbundesamtes sogar Mineralölkohlenwasserstoffe gefunden, die der Gesundheit schaden könnten.

Wie viel Protein brauchen wir?

Wir müssen Eiweiße über die Nahrung aufnehmen. Im Gegensatz zu Kohlenhydraten oder Fetten kann unser Körper Proteine nicht in größeren Mengen speichern. 0,8 g Eiweiß pro Kilogrammkörpergewicht empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einem durchschnittlichen Erwachsenen als Tagesration. Das ist gar nicht mal so viel und lässt sich mit 200 g Hähnchenfleisch und einem Käsebrot bereits decken. Die meisten Menschen in Deutschland haben keinen Proteinmangel, sondern ernähren sich eher zu proteinlastig. Die größten Proteinlieferanten sind für uns Menschen Fleisch, Fisch, Eiern, Milch und Milchprodukten tierischer Herkunft.

Da Veganer auch keine Milchprodukte zu sich nehmen, müssen sie auf besonders gute Eiweißquellen als Fleischalternativen achten und geschickt kombinieren, damit sie von allen lebensnotwendigen Eiweißbausteinen (Aminosäuren) genug mitbekommen:

  • Vollkornnudeln und Linsen ergeben eine gute Proteinkombi.
  • Sojaprodukte oder Linsen lassen sich gut mit Quinoa oder Vollkornreis zubereiten.
  • Bestreiche dein Vollkornbrot mit Hummus und du bist gut versorgt.
  • Proteine aus Reis am besten mit Kichererbsen essen.