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Fitnesstracker erkennen Long-COVID

Viele Erwachsene nutzen Fitnesstracker, um ihr Bewegungsverhalten oder ihren Schlafrhythmus zu überwachen. Diese Geräte können auch genutzt werden, um Dauer und Symptome von Long-COVID zu erkennen. Das zeigen Untersuchungen in den USA.

Was sind Fitnesstracker?

Als Aktivitäts- oder Fitnesstracker bezeichnet man Armbänder oder Uhren, die Gesundheitsdaten erfassen. Sie messen die Herzfrequenz, zählen Schritte, berechnen Strecken und Kalorienverbrauch, analysieren den Schlaf …

Fitnessarmbänder und Smartwatches sollen dazu motivieren, sich mehr zu bewegen und den Alltag insgesamt gesünder zu gestalten. Dazu sind sie mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Die Daten werden nicht nur auf dem Tracker selbst erfasst, sondern auch auf Smartphones oder Tablets übertragen, die mit dem Gerät verbunden sind.

Gesundheitsdaten von Infizierten ausgewertet

Nicht nur bei uns in Deutschland, auch in den USA sind Fitnesstracker sehr beliebt. Bereits jeder und jede vierte Erwachsene trägt dort so ein Gerät am Handgelenk. Einige von ihnen nutzen eine spezielle App. Sie macht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das Scripps Research Translational Institute in Kalifornien möglich, auf die Gesundheitsdaten der Nutzerinnen und Nutzer zuzugreifen.

Die Forschung ist Teil der laufenden DETECT-Studie, die Daten von tragbaren Geräten nutzt, um virale Infektionen zu verfolgen. Von Ende März bis 2020 bis Ende Januar 2021 haben rund 37.000 Menschen auf diesem Weg ihre Daten übermittelt. 827 von ihnen teilten via App mit, dass sie sich wegen akuten Symptomen auf SARS-CoV-2 testen ließen. Bei 234 von ihnen fiel der Test positiv aus.

Mehr als eine Erkältung

Bei der Auswertung ihrer Daten fiel zunächst auf, dass die Infektion mit dem Corona-Virus deutlich stärkere und länger andauernde Auswirkungen auf die gemessenen Körperfunktionen hatte als zum Beispiel eine banale Erkältung. So stieg in der akuten Phase nicht nur die Herzfrequenz an, sondern auch die Schlafdauer. Gleichzeit nahm die Zahl der täglichen Schritte ab.

Anders als bei anderen Atemwegserkrankungen beobachteten die Forscherinnen und Forscher zudem eine vorübergehende „Bradykardie“. Als Bradykardie („brady“ bedeutet im Englischen so viel wie langsam) bezeichnet man bei Erwachsenen eine Herzfrequenz mit weniger als 60 Schlägen pro Minute. Bei Leistungssportler kommt das trainingsbedingt häufiger vor. Für alle anderen kann der langsame Herzschlag aber gefährlich werden, weil der Körper dann nicht ausreichend mit Sauersstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Die Bradykardie trat meist zwischen dem 9. und 15. Tag der Erkrankung auf. Danach stieg die Herzfrequenz wieder an – und zwar für längere Zeit.

Anzeichen für Long-COVID

Der Puls der Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, blieb im Schnitt 79 Tage lang über den Werten vor der Erkrankung. Dies deuten die Forscherinnen und Forscher als Hinweis auf Long-COVID. Die Dauer des Schlafes war bereits nach durchschnittlich 24 Tagen auf dem Niveau von vor der Erkrankung. Bei der Schrittzahl waren es 32 Tage.

Zudem konnten sie Zusammenhänge zwischen der Schwere der COVID-Symptome und der Dauer der Genesung herstellen. So benötigten Patientinnen und Patienten, bei denen der Ruhepuls 5 Schläge über dem Ausgangswert lag, durchschnittlich 133 Tage bis sich der Herzschlag wieder komplett normalisiert hatte. Sie hatten zudem in der Akutphase eher mit Symptomen wie Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Atemnot zu kämpfen.

„Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Schwere der frühen Symptome und eine größere anfängliche Ruhe-Herzfrequenz-Antwort auf COVID-19 ein Prädiktor dafür sein könnte, wie lange es dauert, bis sich Personen physiologisch von diesem Virus erholen“, fassen die Forscherinnen und Forscher ihre Ergebnisse zusammen.