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Fahrradhelme müssen sein

Viel zu wenige Radfahrer in Deutschland tragen einen Fahrradhelm. Darauf weisen Unfallchirurgen und Orthopäden hin. Bei Unfällen sind Kopfverletzungen mit zum Teil bleibenden Schäden häufig die Folge.

Die Mehrheit oben ohne

Gurt ja, Fahrradhelm nein. 99 Prozent aller Autofahrerinnen und Autofahrer legen einen Gurt an, bevor sie losfahren, so die Bundesanstalt für Straßenwesen. Aber wenn dieselben Menschen aufs Rad steigen, dann setzen 80 Prozent keinen Helm auf. Dabei hat gerade das Fahrrad keine schützende Hülle aus Blech. Vor allem junge Leute im Alter zwischen 17 und 30 Jahren sträuben sich dagegen, einen einen Helm zu tragen, so statista auf Basis einer Verkehrsbeobachtung mit 17.000 Radfahrerinnen und Radfahrern aus dem Jahr 2019. Nur acht Prozent griffen danach zum Kopfschutz.

Besser sieht es in der Altergruppe bis zu zehn Jahren aus. Über 80 Prozent der Kinder sind geschützt, wahrscheinlich weil die Eltern Wert auf den Helm legen. Leider häufig ohne selbst einen solchen zu tragen, so die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Bei den über 30-Jährigen steigt die Quote der Helmträger aus Eigenverantwortung wieder an, erreicht aber keine zufriedenstellende Quote.

Rennradler oder Mountainbiker sehen hingegen fast alle zum Glück selbst ein, dass ein Fahrradhelm wichtig ist. Sie schützen sich darüber hinaus auch noch mit weiteren Protektoren.

Wenn der Kopf betroffen ist, dann schwer

Laut Statistisches Bundesamt nahm die Zahl der Fahrradfahrer, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, in den vergangenen Jahren deutlich zu. Waren es 2017 noch 86.460, stieg die Zahl im Jahr 2020 auf über 100.000 an. Und das vor dem Hintergrund, dass die Gesamtzahl der Unfälle sank und zwar von 583.208 (2017) auf 491.342 im Jahre 2020.

Fahrradhelme könnten zwar Unfälle nicht vermeiden, aber die Anzahl schwerwiegender Verletzungsfolgen mit irreversiblen Gehirnverletzungen, so Michael Raschke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie in einer Pressemitteilung. Wie Daten aus dem TraumaRegister der DGU zeigten, hätten Fahrradfahrer oft nur leichte Verletzungen an Armen und Beinen. Sei aber der Kopf betroffen, dann handele es sich oft um schwere Verletzungen.

Warum tragen so wenige einen Fahrradhelm?

Sieht er nicht richtig cool aus, behindert er die freie Sicht beim Fahren oder denkt man einfach nicht dran, ihn aufzusetzen? Laut einer Befragung von statista (2019) gaben Helm-Unwillige folgende Gründe für ihre Aversion gegen den Kopfschutz an:

  • Helme sind unbequem zu tragen: 44 Prozent.
  • Fühle mich auch ohne Helm sicher: 37 Prozent.
  • Mit Helm schwitze ich zu sehr am Kopf: 30 Prozent.
  • Der Helm ist zu sperrig zu transportieren: 25 Prozent.
  • Sieht nicht gut aus / ist unästhetisch: 23 Prozent.
  • Meine Frisur geht dadurch kaputt: 20 Prozent.
  • Schäme mich damit: 18 Prozent.
  • Habe das Gefühl, dass er mich nicht schützt: 12 Prozent.
  • Zu teuer in der Anschaffung: 9 Prozent.
  • Weil ich nur tue, was ich muss: 8 Prozent.

Das Ranking der Gründe war unabhängig vom Alter der Befragten. Helmtragen ist nicht Teil der Straßenverkehrsordnung. Trotzdem stimmten 61 Prozent einer Helmpflicht zu, 32 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Achtung E-Bikes!

Rund 40 Prozent aller Fahrräder, also mehr als sieben Millionen Räder, sind in Deutschland mittlerweile E-Bikes. Auf ihnen sind die Fahrer mit bis zu 25 Stundenkilometern – so die offizielle Geschwindigkeitsgrenze – unterwegs. Eine besondere Gefahr stellen E-Bikes für ältere Menschen dar. Körperliche Einschränkungen bei höheren Geschwindigkeiten können zu Unfällen mit schweren Verletzungen vor allem am Kopf führen. Mit Helm oder Kopfairbag geschützt, sorgt ein E-Bike hingegen für mehr Lebensqualität und Gesundheit. Radfahren unterstützt die Gelenkbeweglichkeit insbesondere der Knie und stärkt die Muskelkraft.

Helm oder Kopfairbag

Ein Fahrradhelm kann Leben retten und die körperliche Unversehrtheit bewahren. Denn: Mit Helm kommt es bei Unfällen deutlich seltener zu schweren Kopfverletzungen. Bei einem Zusammenstoß werden die entstehenden Kräfte auf eine große Fläche verteilt und dadurch deutlich abgeschwächt.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) empfiehlt dringend einen Kopfschutz beim Radfahren. Das kann ein herkömmlicher Fahrradhelm sein. Eine Alternative bietet der Kopfairbag. Bei einem Aufprall bläst sich der um den Hals getragene Kragen wie ein Vollintegralhelm auf und schützt auch den Kopf. Vorteil gegenüber dem Fahrradhelm ist der gleichzeitige Schutz des Nackens, der Halswirbelsäule, des Kiefers und des Gesichts.