Kategorien
News

eSports und das Junk Food-Klischee

eSports – das bedeutet ein bisschen auf der Tastatur rumklappern und mit der Maus klicken. Gesunde Ernährung und Bewegung? Fehlanzeige. Das Bild des klassischen Zockers herrscht immer noch in vielen Köpfen vor. Tatsächlich ernähren sich eSportler*innen allerdings gesünder, als es der Großteil der Bevölkerung tut.

Studie zum Thema eSports und Ernährung

Das Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung der AOK Rheinland/Hamburg ein Studienprojekt zum Thema eSports und Ernährung durchgeführt. Dafür wurden rund 820 in Deutschland lebende eSportlerinnen und eSportler befragt. Sie gaben Auskunft zum Thema Ernährung und Bewegung.

Fazit: Die Netzathletinnen und -athleten ernähren sich gesünder als ein Großteil der deutschen Bevölkerung! Das Vorurteil vom Zocker, der den ganzen Tag vorm Bildschirm hockt, sich kaum bewegt und hauptsächlich von Junk Food lebt, dürfte damit widerlegt sein.

Die Gamer*innen kochen selbst

Bei den Gamer*innen ist stattdessen selbst kochen angesagt – und das an etwa fünf Tagen die Woche. Mehr als die Hälfte der Befragten nimmt so die eigene Ernährung selbst in die Hand. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Gruppe der eSportler*innen zu 86 Prozent aus Männern besteht, die laut bisherigen Studien eigentlich eher als Kochmuffel gelten. Auch Fast Food und Fertigprodukte kommen im Schnitt nur zweimal in der Woche auf den Tisch.

„Wer selbst kocht, entscheidet auch selbst, was im Kochtopf landet. Damit ist ein erster Schritt für eine gesunde und ausgewogene Ernährung getan.“


Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rhein-
land/Hamburg.

Junk Food kommt selten auf dem Gaming-Tisch

Egal, ob Limo oder Schokolade: eSportler*innen essen davon weniger als viele andere Bevölkerungsgruppen. Auch die Chipstüte bleibt – anders als vermutet – im Supermarktregal liegen. Umgerechnet essen die Gamer*innen eine Tafel Schokolade pro Woche und eine Müslischale voll Salzgebäck – und zeigen damit ein überdurchschnittliches Gesundheitsbewusstsein.

Energydrinks: nur Sponsoring?

Ein Klischee hat sich in der Studie jedoch bewahrheitet: Es werden viele Energydrinks getrunken. So greifen von den 820 Befragten rund 40 Prozent regelmäßig zur Dose. Doch daran ist das Marketing der Hersteller nicht ganz unschuldig. Oft übernehmen diese nämlich das Sponsoring von eSports-Veranstaltungen und haben so die Gamer*innen als Zielgruppe direkt im Visier.

Gesund ist das natürlich trotzdem nicht. Vor allem der hohe Zuckeranteil dieser Getränke sei aus gesundheitwissenschaftlicher Perspektive negativ zu bewerten, so Prof. Dr. Info Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln. Sein Tipp für einen alternativen Energieschub: leicht gesüßter Tee und eine Handvoll Nüsse.

Neben den bekannten Energydrinks sind inzwischen auch sogenannte Gaming Booster auf dem Markt. Diese werden meistens in Pulverform verkauft, mit Wasser in einem Shaker gemixt und getrunken. Gaming Booster haben einen niedrigeren Zuckeranteil als Energydrinks, allerdings ist der Anteil von Koffein und Taurin nahezu identisch. Sie sind daher laut Expert*innen ebenfalls als kritisch anzuzehen.

Fleisch ist auch das Gemüse der Gamer*innen

Noch eine weitere Ernährungssünde begehen die eSportler*innen – wie übrigens ein Großteil der Deutschen: Sie essen zu viel Fleisch. Während fast 14,8 Prozent der Befragten vegetarisch oder vegan leben, essen die anderen Befragten fast täglich Fleisch. „Insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch, das mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit assoziiert wird, sollte entsprechend reduziert werden“, so Prof. Dr. Info Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln

Kein negativer Einfluss durch Corona

Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem, dass sich die Corona-Pandemie kaum auf das Gesundheitsverhalten auswirkt hat. So liegt die durchschnittliche körperliche Aktivität der eSportler*inenn mit neuneinhalb Stunden nach wie vor über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch die Gesundheit und das eigene Wohlbefinden wurden von fast allen Befragten als gut beurteilt.

„Wir hätten erwartet, dass sich die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen negativ auf die eigene Gesundheitseinschätzung und das Wohlbefinden auswirken würden“, so Froböse. „Stattdessen konnte die Zielgruppe das Niveau der Vorjahre aufrechterhalten und teilweise sogar verbessern.“

eSports-Studie

Mehr Infos zur Studie findet ihr auf den Seiten der Deutschen Sporthochschule Köln. Aufgrund der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie wurden die Daten der eSports-Studie 2021 übrigens nicht auf eSports- Events, sondern komplett online erhoben.


3 Fragen an die Presseabteilung von Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen hat nicht nur eine Abteilung im Profifußball, sondern mischt auch mit einem eSports-Team in der Virtual Bundesliga (VBL) mit. Wir wollten wissen, ob sich die Erfahrungen des Vereins mit den Ergebnissen der Studie decken und haben bei der Presseabteilung von Bayer 04 Leverkusen nachgefragt.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Ernährungsplänen für eSportler und Fußballer?

Bayer 04 Leverkusen: Ja, die gibt es. Die Ernährungspläne der Fußballer sind wesentlich ’strenger‘ und stärker individualisiert als die für unsere eSportler, da die körperliche Belastung eines Fußballprofis wesentlich höher ist. Im Grundsatz stützen sich die Pläne beider Sportler-Gruppen auf eine gesunde, sportlergerechte Ernährung.

Wie sieht es bei euren Spieler*innen mit Energydrinks aus?

Bayer 04 Leverkusen: Grundsätzlich versuchen wir das zu vermeiden. Der kurze Aufschwung, den man durch solch einen Energydrink erhält, endet kontraproduktiv. Die Konzentration und Aufnahmefähigkeit nehmen rapide ab. Interessant sind sogenannte ‚Gaming Booster‘, wobei wir hier noch in der Testphase sind.

Laut der Studie essen eSportler zu viel Fleisch. Achtet ihr bei den Ernährungsplänen darauf oder ist das vor allem ein privates Problem?

Bayer 04 Leverkusen: In den privaten Bereich greifen wir als Verein nicht ein. Selbstverständlich setzen wir bei Bayer 04 auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Wir nutzen viel Obst und Gemüse, aber verzichten im Gegenzug nicht gänzlich auf Fleisch.