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Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Du bist auf der Suche nach einem Psychotherapeuten? Psychotherapie ist mittlerweile kein Tabu mehr. Mehr Menschen als noch vor einigen Jahren trauen sich, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unser Experte Dr. Hagemann zeigt dir, wie du einen passenden Therapeuten findest.

Welche Art von Psychotherapeut nehme ich?

Einen guten Orthopäden oder Zahnarzt kennt fast jeder. Sucht man hingegen einen Psychotherapeuten, so halten sich die Empfehlungen meist in Grenzen. „Es ist zwar längst kein Tabu mehr, bei psychischen Krisen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber offen darüber sprechen tun die wenigsten“, weiß Dr. Andreas Hagemann, Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik in Eschweiler bei Aachen.

Für Verwirrung bei der Expertensuche für eine psychische Erkrankung sorgt oftmals auch die Vielzahl der Berufsbezeichnungen. Alle Experten im Überblick:

  • Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sind Ärzte, die sich oft auf die Verordnung von Medikamenten spezialisiert haben, vom Grundsatz her das psychotherapeutische Arbeiten erlernt haben.
  • Fachärzte für psychosomatische Medizin sind Ärzte, die die Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen in den Fokus stellen und sehr oft auch psychotherapeutisch vorgehen.
  • Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie sind Fachärzte verschiedener Richtungen, die für sich erkannt haben, dass viele Erkrankungen in ihrer ärztlichen Praxis auf psychische Ursachen zurückzuführen sind. Aus diesem Grund haben sie sich in der Psychotherapie weitergebildet.
  • Psychologische Psychotherapeuten sind Psychologen, die sich im Gegensatz zu etwa Psychologen in der Wirtschaft intensiv mit der Behandlung psychischer Erkrankungen beschäftigt haben.
  • Heilpraktiker haben eine Prüfung abgelegt, die sie befähigen soll, psychotherapeutisch tätig zu werden.

Welche Therapie passt zu mir?

Die verschiedenen Therapieangebote beziehungsweise methodischen Schwerpunkte stellen viele vor eine Herausforderung: Benötige ich eine Verhaltenstherapie oder sind eher die systemische, die tiefenpsychologisch-fundierte oder die analytische Vorgehensweise das Richtige?

„Bei einigen Erkrankungen kann dies relativ eindeutig beantwortet werden,“ sagt Dr. Hagemann. So lassen sich beispielsweise Phobien erfahrungsgemäß gut und zuverlässig in einer Verhaltenstherapie behandeln. „Bei anderen Erkrankungen ist dies jedoch nicht so eindeutig und die verschiedenen Therapieschulen gleichen sich immer mehr an“, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Hilfreiche Aspekte der Verhaltenstherapie beispielsweise finden sich in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wieder und umgekehrt.“

Wenn es eilt: Akutsprechstunden beim Psychotherapeuten

Doch egal, welche Therapie gewünscht wird, generell ist es bis zur ersten Sitzung in der Regel ein langer Weg. Wartezeiten von drei bis vier Monaten sind üblich. Wer nicht so lange warten will oder kann, dem empfiehlt sich als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ die vor einigen Jahren eingeführte „Akutsprechstunde beim Psychotherapeuten“. Der Vorteil: „Betroffene können kurzfristig mit einem Therapeuten über ihre Probleme sprechen und sich über geeignete Therapiemöglichkeiten beraten lassen“, berichtet Dr. Hagemann. Der Nachteil: Da ungefähr zehn Prozent der therapeutischen Kapazität durch die Akutsprechstunden gebunden werden, dauern die Wartezeiten für eine reguläre Therapie oftmals noch länger. Zudem müssen sich Betroffene nach der ersten Entlastung nicht selten jemand Neuem anvertrauen.

Termin für Akutsprechstunde ausmachen

Termine für die Akutsprechstunde vermitteln die sogenannten Terminservicestellen. Sie sind zentrale Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten und rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche erreichbar. Die bundesweit einheitliche Notdienstnummer lautet: 116117.

In besonders akuten Fällen werden Betroffene auch während der Sprechstundenzeiten an Arztpraxen, Notfallambulanzen oder auch an Krankenhäuser vermittelt. Die Wartezeit auf eine psychotherapeutische Akutbehandlung darf maximal nur zwei Wochen betragen.

So sicherst du dir einen regulären Sprechstunden-Termin

Einen Überblick über alle kassenärztlich zugelassenen Therapeuten der Region und deren Behandlungsmethoden bieten die Krankenkassen (gegebenenfalls auch deren Internetseiten). Bei der Suche nach einem geeigneten Experten helfen auch die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen weiter. Sie sollten innerhalb von vier Wochen einen regulären Sprechstunden-Termin vermitteln.

Grundsätzlich sollten sich Interessenten auf die Wartelisten mehrerer Therapeuten setzen lassen. „Das erhöht die Chance auf einen schnellen Therapiebeginn“, betont Dr. Hagemann. Und steht trotz belastender Symptomatik kein Therapieplatz in Aussicht, so können Tages- beziehungsweise Fachkliniken eine gute Alternative sein. Dabei gilt: „Egal, ob Angsterkrankung, Burn-out oder Depression – je früher die Therapie beginnt, desto effizienter und schneller erfahrungsgemäß der Behandlungserfolg.“

Passt der Therapeut zu mir?

Wichtiger als die passende Therapiemethode und ein kompetenter Experte ist der zwischenmenschliche Aspekt: „Ohne gegenseitige Passung wird eine vertrauensvolle, konstruktive Zusammenarbeit schwierig“, betont Dr. Hagemann. „Deshalb sollten Patienten im Erstgespräch unbedingt darauf achten, ob ‚die Chemie‘ stimmt.“

  • Drückt sich der Experte so aus, dass ich ihn verstehe?
  • Geht er auf meine Fragen und Bedürfnisse ein?
  • Wo liegen dessen therapeutische Schwerpunkte?
  • Und entspricht auch das Ambiente der Praxis meinen Vorstellungen?
  • Kurzum: Fühle ich mich dort wohl?

All diese Fragen sollte man sich vor dem ersten Gespräch gut überlegen (und sich eventuell entsprechende Notizen machen). „Nicht unerheblich ist auch die Frage, ob ich mich einer Therapeutin oder einem Therapeuten anvertrauen möchte – oder ob dies eher keine Rolle spielt“, weiß Dr. Hagemann aus jahrelanger Praxis.

Stellt sich wider Erwarten nach den ersten Sitzungen heraus, dass man die falsche Wahl getroffen hat, so ist ein Therapeutenwechsel normalerweise kein Problem – vorausgesetzt, es ist alternativ auch ein Therapieplatz vorhanden. Die ersten fünf Sitzungen werden daher auch probatorische Sitzungen genannt. „In dieser Zeit können Patient und Behandler feststellen, ob sie zueinander passen“, so der Experte.

Bestehen Zweifel über die empfohlene Therapieform, ist es ratsam, einen anderen Experten um eine Zweitmeinung zu bitten.