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Was bringt ein Monat ohne Alkohol?

Immer mehr Menschen verzichten im Januar auf Alkohol. „Dry January“ heißt der Trend, der aus Großbritannien zu uns rübergeschwappt ist. Was ein paar Wochen ohne Alkohol bringen und warum Alkoholfasten Sinn macht.

Dry January: Was hat es damit auf sich?

Nüchtern bleiben, abstinent sein, auf Alkohol verzichten … Das gehört zu den beliebtesten Vorsätzen fürs neue Jahr. Auch beim „Dry January“ (auf Deutsch „trockener Januar“) geht es darum, ab Silvester einen Monat komplett ohne Alkohol auszukommen. Dabei soll sich der Körper ein bisschen erholen – nach all den Feier- und Festtagen, an denen erfahrungsgemäß viel Alkohol konsumiert wird.

Der Trend, der hierzulande immer mehr Anhängerinnen und Anhänger findet, stammt ursprünglich aus Großbritannien. Eine Gesundheitsorganisation rief 2014 zum ersten Mal dazu auf – und das aus gutem Grund. Denn auf der Insel gehört Alkohol zur häufigsten Todesursache bei den 14- bis 49-Jährigen. Die Idee mit der vorübergehenden Abstinenz kam gut an und wurde zum Selbstläufer. Inzwischen ist der „Dry January“ sogar Teil der offiziellen britischen Gesundheitskampagne.

Alkoholkonsum in Deuschland

Nicht nur in Großbritannien, auch in der Bundesrepublik erfreut sich Alkohol einer fragwürdigen Beliebtheit. Laut einer Statista-Umfrage wurden 2019 hierzulande 12,8 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken. Damit übertraf der Konsum in Deutschland den weltweiten Durchschnittswert von 5,8 Litern um mehr als das Zweifache.

Während der Alkoholkonsum weltweit steigt, ist die Tendenz in Deutschland gegenüber den Vorjahren allerdings leicht rückläufig (Jahresbericht der Drogenbeauftragten 2021). Dennoch landen wir im internationalen Vergleich immer noch ganz weit oben. Spitzenreiter laut Statista-Ranking ist Tschechien mit einem durchschnittlichen Konsum von 14,3 Litern, gefolgt von Lettland (13,2) und Litauen, wo mit 12,8 Litern pro Kopf und Jahr ebenso viel getrunken wird wie bei uns.

Gesellschaftsdroge Alkohol

Wir trinken bei Partys, in der Kneipe, zum Abendessen, beim Fußball schauen, mit der Familie, mit Freunden, mit Kollegen, manchnal auch mit Fremden, aus Gewohnheit, aus Frust, aus Langeweile oder weil es einfach dazugehört … Das große Problem beim Alkohol: Im Gegensatz zu anderen Suchtmitteln ist er gesellschaftlich anerkannt und jederzeit zu haben. Und so wird aus dem „Gläschen in Ehren“ schnell mal das ein oder andere „Gläschen zu viel“. Das zeigen auch die Zahlen aus dem Epidemiologischen Suchtsurvey 2018, die das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Website nennt:

  • 6,7 Millionen der Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren konsumieren demnach Alkohol in gesundheitlich riskanter Form.
  • 1,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger in besagter Altersgruppe gelten als alkoholabhängig.

Neben der Abhängigkeit birgt übermäßiger Alkoholkonsum aber noch weitere Gefahren: So ist Alkoholmissbrauch ein entscheidender Risikofaktor für zahlreiche chronische Krankheiten, darunter beispielsweise Krebs, Erkrankungen der Leber sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden. Von Unfällen ganz zu schwiegen. Untersuchungen gehen von etwa 74.000 Todesfällen jährlich aus, die mit dem Konsum von Alkohol in Verbindung stehen.

Wieviel Alkohol ist eigentlich okay?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) liegt der gesundheitlich unbedenkliche Alkoholkonsum bei gesunden erwachsenen Frauen bei 0,3 Litern Bier oder 125 ml Wein pro Tag. Das entspricht etwa einem kleinen Glas. Für gesunde erwachsene Männer liegt die Grenze bei 0,5 Litern Bier oder 250 ml Wein pro Tag. Das entspricht zwei kleinen Gläsern. Für alle gilt: An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte überhaupt kein Alkohol getrunken werden!

Weniger trinken ist immer gut

Alkohol ist streng genommen ein Nervengift. Ein bisschen Abstinenz scheint also keine schlechte Idee zu sein, egal ob zum Jahreswechsel, in der traditionellen Fastenzeit oder im Sommer. Doch was bringt der Verzicht? Ein paar Wochen ohne Alkohol können ja nicht alle Abstürze der letzten Monate wettmachen. Ein „Freifahrtschein“ für den Rest des Jahres ist so eine kleine „Trockenzeit“ ebenfalls nicht.

Das stimmt. Tatsächlich ist das Alkoholfasten aber eine gute Gelegenheit, das eigene Trinkverhalten kritisch zu hinterfragen und ein Umdenken anzustoßen. So wirst du schnell feststellen, wie leicht oder schwer es dir fällt, ohne Alkohol auszukommen. Und du wirst merken, in welchen Situationen du gerne zur Flasche greifen würdest.

Gesünder leben ohne Alkohol

Nicht zu unterschätzen sind auch die positiven Auswirkungen, die der Alkoholverzicht auf deinen Körper hat:

  • Die Leber wird entgiftet.
  • Magen und Darm erholen sich.
  • Dein Schlaf ist erholsamer.
  • Das Immunsystem wird gestärkt.
  • Du kannst dich besser konzentrieren.
  • Das Hautbild verbessert sich.
  • Herzbeschwerden lassen nach.
  • Kopfschmerzen verschwinden.
  • Du nimmst weniger Kalorien zu dir und verlierst vielleicht ein paar Kilo.
  • Du hast insgesamt mehr Energie.

Hilfe bei Suchtproblemen

Wenn dir der Verzicht sehr schwerfällt, hast du möglicherweise schon eine Sucht entwickelt. In dem Fall kann das Infotelefon zur Suchtvorbeugung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter der Rufnummer 0221 89 20 31 eine Hilfe sein. Suchtberatungsstellen in deiner Nähe findest du auch über das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).