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Ernährungstrends: das Menü der Zukunft

Was essen wir morgen? Wie werden Lebensmittel zukünftig produziert? Wie sieht eine klimafreundliche Ernährung aus? Über 100 Ernährungsexpertinnen und -experten haben das „Menü der Zukunft“ entworfen.

Gut für uns und gut fürs Klima

Das „Menü der Zukunft“ ist eine Vision für die Ernährung in Deutschland. Sie beschreibt, wie das Essen zu Hause sowie die Ernährung in Städten und Gemeinden idealerweise aussehen sollte und wie Lebensmittel in Zukunft hergestellt werden. Das Menü soll schmecken und gut sein – für uns, für das Klima und die Gesellschaft. Ziel ist es, eine Orientierung zu geben, die die Menschen inspirieren kann.

Für das Zukunfts-Menü haben Nutrition Hub, das größte Netzwerk für Ernährung in Deutschland, und das Bundeszentrum für Ernährung insgesamt über 100 Ernährungsexpertinnen und -experten befragt. Mit dabei war auch unsere Kollegin Brigitte Raab. Das macht das „Menü der Zukunft“ aus.

1. Regional und pflanzlich

Zu Hause genießen wir gutes Essen – mit Lebensmitteln, die aus der Region stammen und gerade Saison haben. Die Fachleute sehen hier hauptsächlich pflanzliche Produkte auf dem Speiseplan. Fleisch, Fisch und Milchprodukte gibt es nur noch zu besonderen Anlässen und sind dann ein besonderer Genuss. Alle Produkte sind hochwertig und werden fair und ethisch vertretbar produziert. Tierwohl ist wichtig.

Zudem machen digitale Tools das Leben einfach. Sie zeigen, welche Lebensmittel für jeden persönlich gut sind und schlagen klimafreundliche und gesunde Rezepte vor. Und: Die Mahlzeiten sind Entschleunigung. Sie finden gemeinsam mit der Familie oder Freunden statt, aber auch gerne allein. Kinder lernen in Kitas und Schulen das Kochen.

2. Nachhaltige Herstellung

Unternehmen und Handel wirtschaften nachhaltig. In den Supermärkten, so die Zukunftsvision, stehen vor allem regionale und pflanzenbasierte Lebensmittel in den Regalen. Je nach Saison ist das Angebot unterschiedlich.

Herkunft und Herstellung sind dabei stets transparent. Die Verbraucherinnen und Verbraucher können dies digital nachvollziehen: Nährwerte, Verarbeitungsgrad und der ökologische Fußabdruck sind auf den ersten Blick sichtbar. Anerkannte Siegel schaffen darüber hinaus Vertrauen in Unternehmen, Marken und Produkte.

Weiterhin sind unverpackte Lebensmittel und wiederverwendbare Lösungen wichtig. Verpackungen und Wasserflaschen aus Plastik gehören der Vergangenheit an. Außerdem: Es gibt keine an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt.

3. Gemüse auf Dächern

Städte versorgen sich selbst. Auf den Dächern und sogar an Hauswänden sehen die Fachleute Gemüse und Obst wachsen. Die Pflege läuft automatisiert.

In Community-Gärten und kleinen Stadtfarmen treffen sich Menschen, um gemeinsam zu pflanzen, zu ernten und zu kochen. Ist die Ernte groß, dann wird geteilt. Digitale Anwendungen helfen dabei.

Lebensmittel werden geschätzt und nicht weggeworfen. Außerdem wollen die Menschen wissen, wie und wo Lebensmittel produziert werden. Solidarische Wirtschaftsgemeinschaften mit Landwirtinnen und Landwirten entstehen.

4. Fast-Healthy statt Fast Food

Wer unterwegs ist oder wenig Zeit zum Kochen bekommt in Fast-Healthy-Restaurants gesunde und nachhaltige Mahlzeiten. Diese Angebote gibt es fast überall, zum Beispiel in Bahnhöfen und Raststätten. Klassische Fast-Food-Ketten mit fettreichen Gerichten existieren kaum noch.

Auch in Mensen, Kantinen von Unternehmen und Restaurants stehen vor allem gesunde und nachhaltige Gerichte auf der Speisekarte. Für Kinder gibt es in Schulen und Kitas frisch zubereitetes Essen – für alle kostenfrei.

Utopie oder Wirklichkeit?

Das „Menü der Zukunft“ ist eine Vision. „An Zahlen und fundierten Ergebnissen fehlt es uns nicht. Was uns fehlt ist eine Vorstellung, wohin uns das führen kann. So entstand die Idee für das Menü der Zukunft“, erläutert Dr. Simone Frey von Nutrition Hub.

Wenn die Vision Wirklichkeit wird, profitieren alle: die Menschen und ihre Gesundheit, die Gesellschaft und natürlich die Umwelt. Die Zahlen und Fakten dazu haben die Expertinnen und Experten des Zukunft-Menüs ebenfalls parat:

  • 25 Prozent aller klimawirksamen Emissionen stammen aus dem Lebensmittelsektor.
  • Eine ausgewogene und pflanzenbasierte Ernährung kann das Leben eines jeden um bis zu 10 Jahre verlängern.
  • Die Umstellung auf diese Ernährungsweise kann die durch Lebensmittel entstehenden Treibhausgase um 73 Prozent senken. 

So entstand das „Menü der Zukunft“

Expertinnen und -experten des Netzwerks Nutrition Hub sowie des Bundeszentrums für Ernährung gaben in einem Online-Fragebogen an, wie sie sich eine wünschenswerte Zukunft der Ernährung in Deutschland vorstellen. Die Datenerhebung erfolgte vom 27. Oktober bis 12. November 2021. Insgesamt nahmen 107 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Agenturen und Politik teil. Die Antworten wurden in Kategorien gruppiert und zusammengefasst. Im Rahmen dieser Befragung entstand auch der Trendreport Ernährung 2022.