Kategorien
News

Passen nicht zusammen: Cannabis und Kinderwunsch

Eine Studie zeigt: Wenn Frauen schwanger werden möchten, sollten sie kein Cannabis konsumieren. Das Rauschmittel verringert die Empfängnisbereitschaft.

Forschungsstand zu Cannabis und Schwangerschaft

Bis heute hat sich die Forschung bei Cannabis auf Neugeborene und deren mögliche Schädigungen durch die Droge konzentriert. Nur wenige Studien widmeten sich explizit dem Thema Kinderwunsch. Es fehlte Forschung, die sich der sensiblen Phase direkt vor dem Schwangerwerden, der Frühschwangerschaft sowie möglichen Fehlgeburten durch Marihuanakonsum widmet.

Studienaufbau gegen Mogeln

Hinzu kommt, dass sich die Wissenschaftler in allen Untersuchungen auf die Selbstauskünfte der Frauen verlassen haben. Man kann jedoch davon ausgehen, dass solche Angaben aufgrund der Stigmatisierung des Cannabismissbrauchs vor allem bei werdenden Müttern nicht immer der Wahrheit entsprechen. Um den Marihuanakonsum speziell in der Zeit vor der Empfängnis und in der Frühschwangerschaft objektiv zu erfassen, vertraute das Team um Sunni Mumford vom National Institute of Child Health und Human Development in Bethesda/Maryland nicht allein der Befragung, sondern untersuchte auch den Urin der Betroffenen.

Der Rauschmittelkonsum konnte anhand von typischen Abbauprodukten des Cannabis im Urin aufgespürt werden. Darüber hinaus wurden die Hormone gemessen, die den Eisprung auslösen, um einen Zusammenhang herauszuarbeiten. Die Messungen fanden zu Beginn der Studie, nach sechs Monaten und im Falle einer Schwangerschaft zu Beginn des Empfängniszyklus sowie in den Wochen 4 und 8 der Schwangerschaft statt.

Modedroge Cannabis

Cannabis ist der Name der THC-haltigen Hanfpflanze. Marihuana bezeichnet die getrockneten, harzhaltigen Blüten und Blätter der weiblichen Cannabispflanze. Der Besitz, Handel und Konsum von Marihuana ist in Deutschland verboten. Der Erwerb von geringen Mengen wird strafrechtlich seit 1994 nicht mehr verfolgt. Rund 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben nach der Statistik (Statista 2020) bereits Erfahrungen mit der Droge gemacht. In der Suchtbehandlung spielt Cannabis mittlerweile eine immer größere Rolle. Ambulant werden neun Prozent, stationär sogar 14 Prozent der Betroffenen aufgrund von Marihuana-Missbrauchs behandelt.

Auch der Konsum von Cannabis unmittelbar vor und während der Schwangerschaft hat bei Frauen deutlich zugenommen, wie Untersuchungen aus den USA zeigen. Dort ist in mehreren Bundesstaaten Cannabis mittlerweile legalisiert. Es gibt nur wenige Studien, die untersuchen, ob Marihuana-Konsum in Bezug auf das Eintreten und den Fortbestand einer Schwangerschaft unbedenklich ist.

Teilnehmerinnen mit Babywunsch und Fehlgeburten

An der Untersuchung nahmen 1.228 Frauen mit Kinderwunsch teil, die über vier Kliniken in den USA an das Forschungsteam um Sunni Mumford vermittelt wurden. Die Frauen waren 18 bis 40 Jahre alt, hatten alle eine Vorgeschichte mit Fehlgeburten und wollten unbedingt wieder schwanger werden. Die Wissenschaftler beobachteten die Probandinnen bis zu sechs Zyklen. Wurden die Frauen in dieser Zeit schwanger, dann begleiteten die Wissenschaftler die werdenden Mütter auch noch während der gesamten Schwangerschaft.

Ergebnis: Cannabis behindert Schwangerwerden

Frauen, die Marihuana zu sich nahmen, hatten eine um 41 Prozent verringerte Chance auf eine Schwangerschaft im Vergleich zu denjenigen, die abstinent waren. Auch ein häufigerer Geschlechtsverkehr verbesserte nicht die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft, wenn gleichzeit Marihuana im Spiel war. Wurden Frauen schwanger und nahmen weiter Marihuana zu sich, dann war ihre Fehlgeburtenrate im Vergleich um 19 Prozent erhöht.

Die verminderte Fruchtbarkeit führen die Wissenschaftler in erster Linie auf eine Störung der Hormonproduktion in der Hypophyse zurück. Darüber hinaus könne Cannabis die Uterusschleimhaut möglicherweise stören und eine Einnistung des Embryos erschweren. Es gibt auch Hinweise, dass das Rauschmittel den Spermien-Transport in den Eileitern behindert.

Wer ein Baby haben möchte, lässt es besser bleiben

Die Ergebnisse können aufgrund der niedrigen Probandenzahl – nur ein Teil der Studienteilnehmerinnen nahmen Cannabis zu sich – nur Hinweise liefern. Wer aber schwanger werden wolle, so Sunni Mumford, der solle unbedingt die Finger von Marihuana lassen. Auch in Bezug auf das Ungeborene ist noch eine Menge Forschung erforderlich, um die Risiken besser einschätzen zu können.