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Bluttest soll Alzheimer erkennbar machen

Alzheimer ist eine große Belastung für Betroffene und Angehörige. Denn zunehmendes Vergessen gehört ebenso zu den Symptomen wie Orientierungslosigkeit oder Persönlichkeitsveränderungen. Ein Bluttest könnte helfen, die Erkrankung zu erkennen – und zwar lange bevor es ausbricht.

Ursachen für Alzheimer noch ungeklärt

Für Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, gehört das Vergessen irgendwann zum Alltag. Darüber hinaus sind viele Patientinnen und Patienten nicht mehr in der Lage, sich zu orientieren, haben Schwierigkeiten zu sprechen oder verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Schuld daran ist ein fortschreitender Abbau von Nervenzellen im Gehirn.

Was genau die Ursache dafür ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. Die Ärzte können durch die frühe Gabe von Medikamenten zwar einige Symptome behandeln, den Krankheitsverlauf aber nicht dauerhaft verlangsamen oder gar aufhalten.

Proteinwert deutet auf Erkrankung hin

Ein spezieller Bluttest soll Medizinern aber künftig helfen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen. Möglich machen soll das der Nachweis eines speziellen Proteins (Eiweiß). Internationale Experten rund um Sebastian Palmqvist, Professor für Klinische Gedächtnisforschung an der schwedischen Universität in Lund, veröffentlichten unlängst entsprechende Studienergebnisse im Journal of the American Medical Association (JAMA) und stellten ihre Erkenntnisse auf der internationalen Konferenz der Alzheimer’s Association vor.

Der Bluttest macht laienhaft zusammengefasst folgendes: Er gibt die Konzentration eines bestimmten Proteins im Blut an. Sind die sogenannten Amyloid- und Tau-Proteine verändert, deutet das nach derzeitigem Wissensstand auf eine Alzheimer-Demenz hin. Denn die Proteine sind mitverantwortlich dafür, dass Nervenzellen zerstört werden. Insbesondere „Plasma-P-tau217“ ist hier von Interesse. Die Studie zeigt, dass der Spiegel dieses Proteins bei Erkrankten deutlich höher ist als bei gesunden Menschen. Und das – zumindest gilt das für die genetisch bedingte Form – offenbar schon etwa 20 Jahre bevor die ersten Symptome auftreten.

Eine Form von Demenz

Alzheimer gehört zu den hirnorganischen Krankheiten. Sie ist benannt nach dem Neurologen Alois Alzheimer, der die Krankheit 1906 zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben hat.

Neben der vaskulären Demenz ist Alzheimer eine der häufigsten Formen von Demenz. Kennzeichnend für die Erkrankung sind unterschiedlich stark ausgeprägte Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit.

Die Krankheit beginnt in der Regel schleichend. Die Symptome und Beeinträchtigungen nehmen im Verlauf zu, sodass die Betroffenen immer stärker auf Unterstützung und Pflege angewiesen sind. 2018 lebten laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. etwa 1,6 Millionen Demenzkranke in Deutschland, die meisten von ihnen seien an Alzheimer erkrankt

Vielversprechende Ergebnisse

Die kürzlich publizierte Studie mit Daten von 1.402 Probanden zeigt deutlich, dass „Plasma-P-tau217“ geeignet ist, eine klinisch diagnostizierte Alzheimer-Demenz von anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu unterscheiden.

Es gibt zwar bereits Verfahren, die frühzeitig Rückschlüsse auf eine Erkrankung ermöglichen, sie sind aber aufwändig, teuer und erfordern außerdem meist einen operativen Eingriff. Deshalb wäre eine Analyse eines Biomarkers über das Blut ein großer Fortschritt. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Der Bluttest liefert ebenso zuverlässige Ergebnisse wie bisherige Diagnosemöglichkeiten, aber deutlich schneller.

Das alles klingt vielversprechend. Experten rechnen jedoch damit, dass es noch mindestens zwei Jahre dauert, bis solch ein Bluttest zur Früherkennung zur Verfügung steht. Denn zunächst müssten die Ergebnisse der Studie an weiteren Personen bestätigt und die zugehörigen Tests optimiert werden.