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Leben auf dem Bauernhof schützt Kinder vor Asthma

Viele Kinder erkranken bereits in jungen Jahren an Asthma. Wer auf dem Bauernhof aufwächst, kann sich glücklich schätzen. Das Asthma-Risiko fällt hier nämlich niedriger aus als bei Kindern, die in der Stadt groß werden. Forscher fanden jetzt heraus, warum das so ist.

Der Darm als größtes Immunorgan des Menschen

Schon länger ist bekannt, dass Kinder vom Bauernhof seltener an Allergien und Asthma erkranken als andere. Es war auch klar, dass dies mit dem Immunsystem zu tun hat – und mit all den Stoffen und Umweltfaktoren, mit denen Kinder auf dem Bauernhof konfrontiert sind. Die Forscher vermuteten, dass der Darm und die Immunstoffe, die darin gebildet werden, hierbei eine entscheidene Rolle spielen. Man konnte sich aber bislang nicht genau erklären, wann und wie genau sich dieser Schutz ausbildet.

Eine Forschungsgruppe des Helmholtz Zentrums München und des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) klärte nun, wie und in welchem Zeitfenster die Darmflora – das sogenannte Darmmikrobiom – die positiven Eigenschaften des Asthma-Schutzes entwickelt.

Was ist das Darmmikrobiom?

Die Gesamtheit aller Kleinstorganismen, die in unserem Verdauungstrakt leben, bilden unser Darmmikrobiom. Zu diesen Kleinstlebewesen zählen Bakterien, Archaea (Urbakterien), Viren und Pilze. Das Gewicht dieser Mikroben-Besiedelung im Darm schätzt man auf zwei bis drei Kilogramm. Abhängig von unserer Ernährung und Lebensart verändert sich das Darm-Mikrobiom in der Art der Zusammensetzung und in seinem Umfang. Es ist wie ein eigener Organismus in uns, bildet Stoffwechselprodukte und immunologische Stoffe. Es wird daher auch als zweites menschliches Genom bezeichnet.

Stuhlproben von Kindern wurden untersucht

Um den Reifegrad des Darmmikrobioms zu bewerten, analysierten die Forscher Stuhlproben von 700 Kindern. Aus Forschung an Mäusen wusste man bereits, dass die kurzkettige Fettsäure Butyrat eine asthmaschützende Wirkung hat. Darmbakterien wie Roseburia und Coprococcus produzieren Butyrat und weisen auf ein ausgereiftes Darm-Mikrobiom hin.

Die Stuhlproben der Kinder enthielten unterschiedliche Konzentrationen an Butyrat. Kinder mit viel Butyrat im Stuhl waren auf traditionellen Bauernhöfen aufgewachsen. „Wir stellen fest, dass ein vergleichsweise großer Teil der Schutzwirkung des Bauernhofs vor Asthma im Kindheitsalter auf die Reifung des Darmmikrobioms im ersten Lebensjahr zurückzuführen ist“, erklärt Dr. Martin Depner, Biostatistiker am Helmholtz Zentrum München. Dies deute darauf hin, dass Bauernhofkinder mit Umweltfaktoren, wahrscheinlich Mikrobiota, in Berührung kommen, die mit ihrem Darmmikrobiom wechselwirken und so der Schutzeffekt entstünde. Die Studie hat auch gezeigt, dass es kein Bakterium gibt, das alleine für den Asthma-Schutz verantwortlich ist. Die Reifung des gesamten Darm-Mikrobioms gilt als Schlüsselfaktor.

Darm-Lungen-Achse

Dr. Markus Ege, Professor für klinisch-respiratorische Epidemiologie am Dr. von Haunerschen Kinderspital: „Unsere Studie liefert weitere Hinweise darauf, dass der Darm einen Einfluss auf die Gesundheit der Lunge haben kann. Die Atemwege der untersuchten Kinder wurden durch ein ausgereiftes Darmmikrobiom mit einem hohen Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren geschützt.“ Dies spräche für die Idee einer relevanten Darm-Lungen-Achse beim Menschen, so der Experte. Das bedeute aber auch, dass ein unreifes Darmmikrobiom zur Entstehung von Krankheiten beitragen kann.

Strategien gegen Asthma

Nun können natürlich nicht alle Kinder auf einem Bauernhof aufwachsen. Es müssen weitere Strategien gefunden werden, um das Asthma-Risiko für Kinder zu senken. So führen Wissenschaftler des Dr. von Haunerschen Kinderspitals derzeit eine klinische Studie (MARTHA-Studie ) zu den Auswirkungen von minimal verarbeiteter, aber mikrobiologisch sicherer Milch zur Vorbeugung von Asthma und Allergien durch.

So bildet sich das Darmmikrobiom

Bereits im Mutterleib kommt es zur ersten Besiedelung der Darmschleimhaut des Ungeborenen. Bakterien der Mutter gelangen über Fruchtwasser und Blut in den kindlichen Organismus. Das bereitet das Immunsystem auf das vor, was nach der Geburt auf das Neugeborene einströmt. Die Reifung des Immunsystems sei untrennbar mit der Reifung der kolonisierenden Bakterien, dem Darmmikrobiom, verbunden, erläutern die Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum. Günstig auf das Darmmikrobiom wirkt sich eine vaginale Geburt und Stillen des Kindes aus.

Nach tiefgreifenden Veränderungen im ersten Lebensjahr, dem Reifungsprozess, stabilisiere sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms allmählich und begleite uns ein Leben lang. Auf diesen Reifungsprozess des Darmmikrobioms sei, so das Ergebnis der Münchner Studie, die Schutzwirkung vor Asthma zurückzuführen.

Tipps für starke Abwehrkräfte

Ein gesunder Darm braucht eine gesunde Ernährung. In unserer Rubrik Ernährung findest du viele wichtige Infos rund ums gesunde Essen. Tipps, wie du deine Abwehrkräfte stärken kannst, findest du in unserer Rubrik Medizin.