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Babys riechen toll – oder?

Frauen fühlen sofort etwas, wenn sie Babys riechen. Evolutionsbedingt enthält der Geruch ihres Nachwuchses sehr viele Informationen. Säuglinge riechen für Mütter unter anderem nach Verantwortung. Der Geruchscocktail stärkt die Mutter-Kind-Bindung.

Gerüchen können wir uns nicht verschließen

Anders als Hören, Sehen und Fühlen werden Gerüche nicht in der Großhirnrinde verarbeitet, sondern ohne Interpretation und Einordnung direkt ans limbische System weitergeleitet. Das erklärt, warum unser Geruchssinn einen solch großen Einfluss auf unsere Gefühle hat. Das gilt sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne. Babys riechen für Männer einfach nur toll, Frauen empfinden noch mehr. Irgendetwas im Geruchscocktail der Kleinen macht sie sogar etwas aggressiv, aber was läuft da genau ab?

Baby-Duft macht Männer ruhig und Frauen aggressiv

Nicht verwunderlich ist, dass der Geruch von Neugeborenen bei Frauen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, ähnlich wie Rauschdrogen es machen. Das gilt übrigens nicht nur für das eigene Kind, so das Ergebnis einer Dissertation an der der TU Dresden, sondern auch für fremde Säuglinge. So sorgt die Evolution dafür, dass sich Frauen auch um Kinder kümmern, die nicht ihr eigenen sind.

Aber dass Babys riechen Frauen auch aggressiv macht, klingt auf den ersten Blick verwunderlich. Eine Untersuchung von israelischen Wissenschaftlern des Weizmann Institute of Science kann nun erklären, warum auch das biologisch sinnvoll ist. Hauptsächlich dem Kopf von Säuglingen entfleucht Hexadecanal, ein Stoff, der in weiblichen Gehirnen das Aggressionslevel steigen lässt. Hexadecanal ist eine organische Verbindung, die der Körper selbst produziert und die den Gyrus angularis im Gehirn aktiviert. Dieser Bereich ist für die sozialen Beziehungen eines Menschen verantwortlich.

Aggressivität fördert den Verteidigungsmodus

Bei Männern wirkt Hexadecanal eher beruhigend. Dies zeigt das Experiment mit einer kleinen Studiengruppe in Israel. Die Versuchsteilnehmer*innen wurden mit Hexadecanal besprüht, ohne dass sie davon wussten und ihr Aggressionszustand gemessen. Bei Frauen war das Level höher. Aggression versetzt uns in einen Alarmzustand, aus dem heraus wir uns spontan besser verteidigen können. Wenn Mütter also aggressiv sind, dann sind sie in einer ständigen Startposition, aus der heraus sie schnell – wie eine Löwin – ihren Nachwuchs verteidigen können. Männer hingegen macht der Babygeruch eher sanftmütig, vielleicht damit sie keine Gefahr für Neugeborene darstellen.

Beide kommunizieren über Geruch

Übrigens: Auch Babys riechen ihre Mutter. Bereits im Mutterleib nimmt das Ungeborene den Geruch von Mama auf. Dies funktioniert über das Fruchtwasser, in dem geruchsaktive Moleküle aus der Plazenta lagern und von dort in die Riechschleimhaut des Fötus gelangen. Das erklärt auch, warum die Känguru-Methode bei Frühchen so wichtig für die Entwicklung der Kleinen ist. Der nahe Kontakt stellt sicher, dass beide – Mutter und Kind – sich gegenseitig über den Geruch versichern können, dass alles in Ordnung ist und es beiden gut geht.